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Poet am Klavier und beschwingte Musiker

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Freudiger Applaus für Piotr Anderszewski (links) und Juraj Valcuha. (Foto: Stiftung Mozarteum)

Im Rahmen der Salzburger Mozartwoche profilierte sich der junge, aus Bratislava stammende Dirigent Juraj Valcuha am Pult der Camerata Salzburg mit Werken von Schubert und Mozart im Großen Saal des Mozarteums.


Zu Beginn brachten die Musiker die Symphonie Nr.3-D-Dur D 200 zu Gehör, die 1815 vom kaum zwanzigjährigen Franz Schubert komponiert worden war. Die Jugendsymphonien Schuberts rangieren in der allgemeinen Wertschätzung meist nicht an den vordersten Plätzen, eigentlich zu Unrecht, denn immerhin waren im selben Jahr bereits so bedeutende Lieder wie der »Erlkönig« oder »Gretchen am Spinnrade« entstanden. Und die Musikwissenschaft billigt der Kompositionszeit gerade mal 9 Tage zu. Abgesehen von einer ersten Aufführung durch ein Liebhaberensemble fand die eigentliche Uraufführung erst lang nach Schuberts Tod 1881 in London statt, wie das Programmheft informiert.

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Jugendlich heitere Stimmung, wie auf einer für Schubert typischen Landpartie, vermittelte die Wiedergabe der Camerata unter Juraj Valcuha. Tänzelnde Grazie, charmant serviert, mit herausragenden Klarinettenobertönen fand ihre Ergänzung im Auskosten der melodischen Bögen der Bläserstimmen. Energischerer Zugriff brachte dann flotte Zügigkeit mit differenzierten dynamischen Schattierungen. Im moderat gehaltenen, fließenden Tempi blieb Raum für die Ausformung von Farbigkeit und eingängiger Rhythmik.

Im Mittelpunkt des Abends stand Mozarts Klavierkonzert G-Dur KV 453 mit dem polnischen Pianisten Piotr Anderszewski. Mozart hatte das Konzert seiner virtuosen Meisterschülerin Barbara Ployer zur Uraufführung zugedacht, die es auch 1784 spielte, aber neueren Erkenntnissen zufolge soll es Mozart bereits einige Wochen zuvor in Wien eigenhändig vorgestellt haben.

Anderszewski, in Warschau geboren, in Straßburg, Lyon und Kalifornien ausgebildet, wird inzwischen international als hochkarätiger Virtuose geschätzt. Mit einem Anschlag von klarer Leichtigkeit, mühelos wirkend und dennoch bestimmt, beeindruckte er beim Mozartkonzert als Poet am Klavier. »Feingliedrig« perlend gab er den Klavierpart romantisch empfindsam im Ausdruck, was die fein dosierten Temporückungen noch unterstrichen. Der zweite Satz mit seinen Anklängen an das »Et incarnatus est« aus der c-Moll-Messe bewegte sich zärtlich und filigran zwischen Dur und Moll und die Bläser setzten ein lichtes »Sahnehäubchen« drauf.

Mit fantasievoller Ausformung schien der Pianist jede Note bewusst zu gestalten, der leicht melancholische Unterton kam ohne sentimentale Drücker aus. Romantisierend und von exquisiter Eleganz waren Tongebung und Phrasierung, denen aber auch kraftvolle Akzente nicht fehlten. Die Kadenz gestaltete der Pianist meditativ nachsinnend und sensibel ausgehorcht. Unbeschwerter rhythmischer Fluss charakterisierte das Allegretto im dritten Satz, den das Klavier auch mit markanten Ausdrucksakzenten anreicherte und dennoch immer leichthändig brillant blieb. Das Finale steigerte sich zur temperamentvoll üppigen Turbulenz.

Die Symphonie C-Dur KV 425 erhielt den Beinamen »Linzer Symphonie« bekanntlich aus dem Zufall einer »Gebrauchskomposition«, die Mozart auf der Durchreise in Linz unter Zeitdruck für eine dortige Akademie sozusagen »aus der Not geboren« hatte. Dass sie zu einem wertvollen Glied in seiner symphonischen Kette und zu einem seiner beliebtesten Werke wurde, ist unbestritten.

Der Dirigent Valcuha brachte mit den Camerata-Musikern den Melodienreichtum ebenso zart wie energisch auftrumpfend zum Blühen, ließ Holz und Blech miteinander wetteifern und die Streicher differenziert phrasieren. Die zügigen Tempi erzeugten nie den Eindruck von gehetztem Vorwärtsdrängen, sondern von maßvoller Gangart, die auch kleine Zäsuren kannte und Raum gab zum Ausformen der Phrasen. Starken Eindruck hinterließen auch die dynamisch gefächerten Echowirkungen bei den Wiederholungsthemen, womit das Werk in ansprechender Klangvielfalt und spannender Kurzweiligkeit die Zuhörer erfreute. Elisabeth Aumiller