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Politisch gefärbter Kammerkonzert-Beitrag

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Beeindruckten mit Schönbergs Ode an Napoleon, die Sächsischen Streicher mit Tobias Moretti (rechts) und am Klavier Michael Schöch (hinten). (Foto: Aumiller)

Verschiedene Musiker der Sächsischen Staatskapelle sind auch leidenschaftliche Kammermusiker und so ist es obligat, dass dem Programm der Osterfestspiele auch regelmäßig ein Kammerkonzert angehört.


Attraktiver Anziehungspunkt war diesmal Arnold Schönbergs politisch orientierte »Ode an Napoleon Bonaparte« für Streichquartett, Klavier und Sprecher op. 41. Der Komponist wählte 1942 einen Text von Lord Byron, den er in gesprochener Deklamation seiner dazukomponierten Musik unterlegte, hier in deutscher Sprache aufgeführt. Sprecher zum Streicherensemble mit Klavier war Tobias Moretti. Trotz eines Unfalls und einer schmerzhaften Operation vor einer Woche nahm Moretti seine Verpflichtung wahr und lieferte einen leidenschaftlich und flammend gestalteten Freiheitsappell gegen die Tyrannei.

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Was in der Dichtung Napoleon vorgeworfen wird, war von Schönberg als Anti-Hitlerstück gedacht, das die Zuflucht im freien Amerika pries, spricht aber letztlich ganz allgemein den menschlichen Grundkonflikt tyrannischer Selbstherrlichkeit an und ist somit jederzeit von großer Aktualität. Die herausfordernden Einsätze der gesprochenen Textpassagen – in von Schönberg vorgegebener Rhythmik und Sprachmelodie – hinein in das zwölftönige Streicherklang-Gerüst mit zusätzlicher Klaviermarkanz meisterte Moretti beeindruckend und gab dem Stück ein eindringliches Gepräge. Exzellent die versierten Streicher in der Zwölftonreihe ebenso wie der umsichtige Pianist Michael Schöch mit ebenso forderndem, wie markant akzentuiertem Klavierpart.

Am Beginn des Konzerts punkteten die sächsischen Streicher mit dem Schubert-Fragment des einsätzigen Quartetts in c-Moll. In der unruhevollen Bewegtheit in der hier fast leidenschaftlichen Tonsprache Franz Schuberts, die eine Verwandtschaft mit Beethoven eingeht, schälten die Streicher die melodischen Linien heraus und gaben dem Stück ein mehr freundliches, als kämpferisches Antlitz.

Voller Zauber tönten dann nach der Pause die eingängigen Sequenzen von Ludwig van Beethovens Septett für Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass in Es-Dur op. 20. Mit seinen sechs Sätzen war es der damaligen Praxis der Divertimenti näher, als dem klassischen Kammermusikformat. In seiner Vielfarbigkeit wird dem Stück große Beliebtheit attestiert und durch die gemischte Instrumentenbesetzung strahlt es großen Reiz aus. Als besonders einschmeichelnd und in guter Mischung mit den qualitätvollen Streichern machten die drei Bläser auf sich aufmerksam mit dem brillanten Silberstrahlen der Klarinette, der sensibel gerundeten Horntönung und der warmen Fagottbasis. Alle zusammen in homogenem Zusammenwirken dieses unbeschwerten Serenadencharakters. Elisabeth Aumiller