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Polizeiorchester Bayern begeistert mit Blasmusik

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Für die Kinderkrebshilfe Berchtesgadener Land/Traunstein spielte das Polizeiorchester Bayern in der Ainringer Turnhalle. (Foto: Bauregger)

Mit Orchesterwerken aus der Klassik, der traditionellen Blasmusik und der modernen Musikwelt begeisterte das Polizeiorchester Bayern bei einem Benefizkonzert zugunsten der Kinderkrebshilfe Berchtesgadener Land/Traunstein in der Ainringer Turnhalle.


Eröffnet wurde das von Polizeimeister Thomas Schechinger moderierte Konzert feierlich mit der Hymne und dem grandiosen Triumphmarsch aus »Aida« von Guiseppe Verdi, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Ein erstes Mal füllte das Polizeiorchester ausdrucksstark mit klarer und dynamischer Intonation den Raum der Turnhalle, was sicher nicht einfach war.

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Es folgte die Ouvertüre zur Operette »Die Waldmeister« von Johann Strauß (Sohn), die als Spätwerk des Komponisten gilt und erst 1895, vier Jahre vor seinem Tod, uraufgeführt wurde. Mit sicherer Hand und exakten Impulsen gelang es dem Chef-Dirigenten Johann Mösenlechner überzeugend, den Charakter Strauß'scher Musik und das Flair des damaligen Wiener Lebens, den Wiener Schmäh, die Lebenslust und die Leichtigkeit herauszuarbeiten. Voluminöse Sequenzen kamen ebenso wirkungsvoll zur Geltung wie stille und feine, liebliche Flöten- und Oboensoli oder sichere, bewegte Läufe der Holzbläser.

Ein weiterer Komponist, der in diesem Jahr ebenfalls 200 Jahre geworden wäre, ist Richard Wagner. Von ihm hatte sich das Orchester den »Ritt der Walküren« ausgesucht. Wie der Moderator betonte, wurde gerade diese Komposition oft als Zirkusmusik und später in Kriegsreportagen, wie der über die Luftlandung in Kreta im Zweiten Weltkrieg, und martialischen Kriegsfilmen wie »Apokalypse now« als Musikuntermalung eingesetzt. Wagner beschrieb mit dieser Musik hingegen die Heimführung der Seelen Gefallener nach Walhall, dem Göttertempel im Reich Wotans.

Besonders die Holzbläser werden in dem Stück durch schnelle Partiturbewegungen im Bereich der Basismelodie stark gefordert, auf welche die Blechbläser ihre dramatischen Sequenzen aufsetzen können. Mit großen Dynamiksprüngen verstand es der Klangkörper gut,dramatische Spannungsbögen aufzubauen, die sich immer wieder in ruhigen Melodien auflösten.

Leroy Anderson steht für einen ganz andere, amerikanische Art von Musik des 20. Jahrhunderts, die ihm großen kommerziellen Erfolg einbrachte. Manfred Hechenblaickner, Sebastian Lohnert und Stefan Wiedemann brachten auf ihren Trompeten das 1954 komponierte Stück »Bugler's Holiday« virtuos, sicher und schwungvoll zum Klingen, gefühlvoll untermalt von ihren Kolleginnen und Kollegen.

Armenische Volksmelodien, welche der armenische Priester und Musikethnologe Komitas Verdapet ab Mitte des 19. Jahrhunderts gesammelt hatte, fasste der Komponist Alfred Reed 1972 in der Suite »Armenische Tänze« zusammen. Ein Werk, das viele Gefühls- und Klanwelten beinhaltet, angefangen von ruhigen, entspannenden Melodien über synkopisch, boleroähnlich angelegte Tonfolgen und choralartige Elemente, Tongebilde aus der Welt der Hirteninstrumente bis hin zu schnellen, einen wilden, freien Ritt über die Steppe ausdrückenden Klängen, die nach einer dramaturgischen Steigerung in einem jähen, kurzen und prägnanten Schlussakkord enden.

Mit dem Marsch »Condordia« aus der Klangwelt der traditionellen Marschmusik eröffnete das Orchester den zweiten Teil des Programms. Mit Peter Seufert trat ein weiterer Solist auf der Klarinette vor das Publikum. Überzeugend, ausdrucksstark, spielerisch, tonsicher und nuancenreich bewegte er sich mit einer beeindruckenden Leichtigkeit und Präsenz durch die anspruchsvolle Partitur des Konzerts für Klarinette und Blasorchester von Artie Shaw, an seiner Seite als weitere Solisten Hans Lohmann (Schlagzeug) und Stefan Wiedemann (Trompete). Stehende Ovationen waren der Dank für dieses außergewöhnliche Klangerlebnis.

Amüsant setzten sich drei Schlagwerker als »Sandpapier-Musiker« im »Sandpapier-Ballett« von Leroy Anderson gekonnt und mit außergewöhnlichen Tönen in Szene. Mit Highlights aus dem Musical »Les Misérables« von C. M. Schönberg stimulierte das Orchester seinerseits das Publikum weiter mit swingenden Melodienfolgen. Wunderschöne, ruhig und gefühlvoll vorgetragene Trompeten-, Querflöten-, Saxofon-, Horn- oder Mittelsatzsoli wechselten dynamisch zu »groovigen« Swing oder schwangen sich letztlich zum das ganze Orchester fordernden Schlussteil auf.

Begeisterter Applaus und stehende Ovationen animierten schließlich das Orchester dazu, zwei Zugaben zu spielen. Mit dem Jass-Klassiker »Misty« brillierte zuerst noch einmal Peter Seufert, dieses Mal auf dem Saxofon. Als stimmiges Schlussstück folgte schließlich ein schwungvoller Marsch, komponiert vom 1. Trompeter des Orchesters, Martin Hechenblaickner. wb