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Popmusik aus Südtirol

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Die Band Ganes aus Südtirol mit (von links) Nick Flade, Raffael Holzhauser, Marlene Schuen, Sebastian Gieck und Maria Moling begeisterte im Traunreuter k1.

Sie nennen sich Ganes und singen auf Ladinisch, eine Sprache, die noch von rund 30 000 Südtirolern gesprochen wird. Ganes, das sind die Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen und ihre Cousine Maria Moling aus dem Dorf La Val, denen das Kunststück gelungen ist, auf der Basis heimischer Volksmusik herrlich melodische Popsongs zu schreiben und ebenso herrlich zu interpretieren.


Und das kam nicht von ungefähr: Marlene studierte Violine, bevor sie ab 2002 in der Band von Hubert von Goisern als Sängerin und Geigerin aktiv wurde, ihre Schwester Elisabeth absolvierte ein Studium als Opernsängerin und stieg mit Maria im Rahmen der Linz-Europa-Tournee von Goiserns 2007 als Backgroundsängerin ein.

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Der Bandname geht, wie sie in einem Interview erklärten, auf Wassernixen zurück, die in den Sagen vorkommen, mit denen sie aufgewachsen sind. »Man sagt, dass sie die Urmenschen Ladiniens waren. Sie haben den Ruf, gutartige Wesen zu sein – jedenfalls solange die Menschen lieb zu ihnen sind. Wird ihr Vertrauen jedoch missbraucht, können sie Verwünschungen aussprechen.«

Ab 2009 arbeiteten die drei an ihrem ersten Album »Rai de sorëdl« (dt. »Sonnenstrahl«) das im Mai 2010 erschien und ausschließlich Lieder auf Ladinisch enthielt. Vor knapp einem Jahr veröffentlichten sie ihr drittes Album »parores & neores - alles neu, alles anders«, das sie nun vor rund 150 begeisterten Besuchern im Traunreuter k 1 vorstellten. Kraftvoll und technisch perfekt begleitet von Nick Flade (Keyboards/Percussion), Raffael Holzhauser (Gitarre) und Sebastian Gieck (Bass), aber leider ohne Elisabeth, die aufgrund ihrer Schwangerschaft vorübergehend Auftrittsverbot habe, wie Marlene erklärte. Was dem Vergnügen jedoch keinen Abbruch tat, zumal Maria auch noch am Schlagzeug mitmischte.

Dass man die ladinischen Texte nicht versteht, war dabei zu verschmerzen, immerhin gingen die zwei zwischendurch auf die Inhalte (Schönheitswahn, Fernweh, Einsamkeit) ein und erzählten noch ein bisschen von daheim. So sagten sie selbst, es ginge doch gar nicht immer darum, jedes Wort zu verstehen, sondern darum, Stimmungen aufzunehmen und allein über den Klang der Sprache Freiräume für Gefühle zu entwickeln.

Und das fiel einem nicht schwer angesichts der raffinierten Arrangements und betörenden Harmoniegesänge, der Spannung zwischen »alter« Sprache und rockigen Klängen, der sichtbaren Spielfreude und dem Schwung auf der Bühne. Grandioser Folk-Pop eben, so einzigartig wie unwiderstehlich. Wolfgang Schweiger

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