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Porträt: Pier Luigi Bersani

 Rom (dpa) - Er ist ein pragmatischer Linker mit wirtschaftlicher Kompetenz, erfahren im römischen Gerangel um Macht und Einfluss.

Pier Luigi Bersani
Der linksgerichtete Politiker Bersani informiert die Presse über die Verhandlungen zur Regierungsbildung. Foto: Alessandro Di Meo Foto: dpa

Der Norditaliener Pier Luigi Bersani (61), Chef der Mitte-Links-Partei PD (Partito Democratico), hatte nach den Parlamentswahlen Ende Februar den Auftrag erhalten, eine Regierungsmehrheit für Italien zu suchen und das Land aus der Krise zu führen. Jetzt ist er in einer ersten Runde damit gescheitert.

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Mit seinem Mitte-Links-Bündnis hatte Bersani zwar die Wahlen im Februar gewonnen und verfügt im Abgeordnetenhaus über eine klare Mehrheit. Im Senat braucht er allerdings einen Regierungspartner.

Bersani ist ein Mann des linken Establishments - ein bodenständiger, etwas paternalistischer und wenig charismatischer Politiker aus Bettola bei Piacenza in der Emilia-Romagna. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel etwa schätzt seinen Kollegen, den studierten Philosophen aus einfachen Verhältnissen. Mit Bersani könnte ein früheres Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens Premierminister werden. Zunächst einmal soll er aber nur ausloten, ob er das Patt im Parlament mit einer breiten Mehrheit überwinden kann.

Erst Regionalpräsident im Norden, entwickelte er sich zu einem der linken Hoffnungsträger in einem stark von Silvio Berlusconi geprägten nationalen Umfeld. Zwischen 1996 und 2008 sammelte Bersani dann unter drei Mitte-Links-Regierungen als Minister für Industrie, Transport und Wirtschaft Erfahrungen und Lorbeeren, vor allem als Reformer und Liberalisierer. 2009 wurde er Chef der «Demokratischen Partei» (PD).

In einer Urwahl hatte sich Bersani dann deutlich gegen den weit jüngeren Matteo Renzi (37) als Spitzenkandidat durchgesetzt. Einen Generationenwechsel gibt es also damit noch nicht. Bersani punktet mit seinem ruhigen, kompetenten Auftreten. Zuverlässig wollte er wirken und die Wahlen auch nicht als «Märchen-Erzähler» gewinnen.

Das Mitte-Links-Bündnis, zu dem noch eine Reihe kleinerer Parteien und Gruppen zählen, hatte sich in den vergangenen Monaten zur ersten Kraft in Italien gemausert. Berlusconis Mitte-Rechts-Lager holte vor der Wahl aber wieder auf und die Protestbewegung M5S war sehr stark, weshalb es für Bersani nicht zur Mehrheit in beiden Kammern reichte.

Der vom Staatschef 2011 eingesetzte Monti habe Italien in der Welt wieder glaubwürdig gemacht, das sei unumkehrbar, so hatte Bersani der Nachrichtenagentur dpa in einem Interview gesagt: Eine von seiner Partei geführte Regierung werde aber versuchen, «mehr Fairness, mehr Rechte und mehr Jobs zu schaffen». Sonst bleibe das Land im Notstand.

Wachstumsspritzen, Kampf der Steuerhinterziehung und eine Steuerpolitik für mehr Beschäftigung, Jobs für die jüngere Generation trotz der Rezession - das sind Ziele des pro-europäischen Bersani.

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