weather-image
16°

Positive Bilanz nach schwierigem »Neustart«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Abgekämpft, aber zufrieden: Maren Hammerschmidt.
Bildtext einblenden
Auch bei ihrem Heim-Weltcup in Ruhpolding war Maren Hammerschmidt in dieser Saison am Start. (Fotos: Brenninger)

Es war ein schwieriger »Neustart« – aber Biathletin Maren Hammerschmidt (SK Winterberg) aus dem Stützpunkt Ruhpolding hat sich durchgekämpft. Sie war in diesem Winter bei vier Weltcups, zahlreichen IBU-Cups sowie der Europameisterschaft im Einsatz. Die 30-Jährige hatte wegen einer langen Verletzungspause im gesamten Winter 2018/19 keinen Wettkampf bestreiten können.


Hammerschmidt war Anfang Oktober 2018 an den Innen- und Außenbändern des linken Sprunggelenks operiert worden. Ihre Zwangspause hatte immerhin einen »positiven Nebeneffekt«: Nach der OP verbrachte sie die erste Zeit bei ihrer Familie in Winterberg, die Unterstützung tat gut. Für das Schießen »ging in den ersten sechs Wochen auch nichts, dann hatte ich dafür aber mehr Zeit als üblich«, blickt sie zurück.

Anzeige

»Schon eine merkwürdige Situation«

Der Winter 2018/2019 sei dann »schon eine merkwürdige Situation gewesen, auch vom Kopf her: Ich konnte erstmals seit vielen Jahren nur am Fernseher sitzen, statt selbst mitzumachen. Das fällt schon schwer.«

Umso größer war die Vorfreude auf die Deutschen Meisterschaften im August/September 2019, bei denen sie schon ihre Anwartschaft auf die internationalen Wettbewerbe unter Beweis stellte.

Doch »richtig« geht es im Biathlon natürlich im Winter zur Sache, »und da war ich vor dem ersten Wettkampf im IBU-Cup in Norwegen schon ganz schön aufgeregt. Das ganze Prozedere mit Anschießen, Waffenkontrolle etc. war ich ja nicht mehr gewohnt.« Gleich im ersten Sprint in Sjusjoen wurde sie Dritte, legte in Ridnaun (Italien) mit den Rängen 5 (Sprint) und 4 (Massenstart 60) nach und empfahl sich damit für den Aufstieg in den Weltcup. »Im Dezember war ich noch sehr optimistisch, läuferisch war der erste Weltcup nicht schlecht. Aber dann ist mir läuferisch im Januar nicht mehr viel gelungen.«

Eine logische Entwicklung: »Die Basis hat halt gefehlt. Man bräuchte da eine längere Trainingsphase zwischen den Wettkämpfen, um das zu kompensieren.« Die hat man während des Winters kaum, doch Hammerschmidt – die dem Zoll-Skiteam angehört – beschloss, »das Beste daraus zu machen« – was ja letztlich auch gelang.

Trotz der schwierigen Voraussetzungen hatte sie für diese Saison zunächst »schon etwas mehr erwartet«, doch letztlich sei dann doch klar: »Ich konnte zwei bis drei Monate nach der Operation nichts machen, sechs Monate keine schnellen Einheiten absolvieren und habe ungefähr 30 Wettkämpfe verpasst. Das habe ich mit in die Saison genommen, und dann fehlt eben eine gewisse Geschwindigkeit.« Natürlich fehlte auch der Wettkampf-Rhythmus, und so konnte sie sich letztlich doch noch mit dem Verlauf dieses Winters anfreunden. »Ich bin nur knapp an der WM-Teilnahme gescheitert. Im IBU-Cup lief es ganz gut. Darauf gilt es, aufzubauen«, blickt Hammerschmidt bereits nach vorn.

Schließlich hatte sie dank einer starken Aufholjagd noch die Top Ten im IBU-Cup erreicht – und damit die prinzipielle Qualifikation für das Weltcup-Finale in Oslo (Norwegen). Angesichts des Coronavirus sagte die Internationale Biathlon-Union (IBU) inzwischen das Finale ab. Bereit gewesen wäre Hammerschmidt: Während das deutsche Team beim Weltcup in Kontiolahti (Finnland) weilte, wurde die 30-Jährige in Ruhpolding von Trainer Rüdiger Schöllmann (Zoll) betreut. »Und wenn die Saison vorbei ist, ist ja Winklmoos immer eine tolle Option, um noch etwas Langlauf zu betreiben.«

Bereits seit 2010 ist Hammerschmidt am Stützpunkt, »und Ruhpolding ist inzwischen meine zweite Heimat geworden.« Damals war es »ein großer Schritt, die Heimat zu verlassen«, dennoch tat sie sich »nicht schwer. Ich kannte ja Ruhpolding von den Wettkämpfen her schon seit der Schülerzeit und war auch bei vielen Sommer-Lehrgängen dort.« Und sie feierte dort ihre ersten großen Erfolge: 2008 holte sie bei der Junioren-WM am Zirmberg Gold im Sprint und in der Staffel. Damals übrigens noch an der Seite ihrer Zwillingsschwester Janin, die aber nach einer Knie-OP ihre Karriere frühzeitig beenden musste. Maren Hammerschmidt dagegen stieg allmählich zur festen Größe im Weltcup-Team auf und holte bei der WM 2017 in Hochfilzen Gold mit der deutschen Staffel.

Bejubelt wurde sie auch dort von ihrer Familie. »Die Familie hat mir schon immer geholfen, war auch oft bei den Weltcups in Oberhof und Ruhpolding dabei und zum Teil auch bei den Weltmeisterschaften.« Und Biathlon-Großereignisse bleiben auch weiterhin das Ziel der 30-Jährigen. »Nach Olympia 2018 habe ich mir vorgenommen, auch noch bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking dabeizusein – auch wenn ich natürlich von Jahr zu Jahr schauen muss«, betont die 30-Jährige.

Hilfe für Tierheim als »zweites Projekt«

Zunächst aber steht ein anderes Projekt an. Neben etwas selbstständigem Training und einer Heimfahrt zur Familie will sie im April mit ihrer Zwillingsschwester Janin – diese lebt inzwischen in München – nach Rumänien fahren. Das Duo unterstützt schon seit drei Jahren ein Tierschutzprojekt in Rumänien. Die Geschwister helfen in einem Tierheim mit 300 bis 400 Hunden auch für einige Tage mit. »Im Optimalfall fahren wir mit dem Auto und bringen Futterspenden, Decken, Kissen und Spendengelder mit. In Rumänien können sie auch mit relativ wenig Geld viel machen«, erläutert Hammerschmidt.

Das Tierheim »wird von zwei deutschen Frauen geleitet, und es ist dort deutlich besser als in manchem schlechten Tierheim in Deutschland«, betont sie. Möglicherweise muss die Fahrt wegen des Coronavirus etwas verschoben werden, doch klar ist auch: Es bleibt das zweite »Herzensprojekt« neben dem Biathlon. Und bei beiden »Projekten« will Hammerschmidt noch einiges bewegen  ... Walter Hohler