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»Preißn-Einreiseverbot für Bayern«

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Chris Boettcher suchte bei seinem Auftritt in Stein auch immer wieder das Gespräch mit den Zuhörern und erhielt oftmals Zustimmung für seine witzig formulierten Beobachtungen. (Foto: Mix)

Chris Boettcher ist bekannt als Comedian, Sänger, Musiker, Radiomoderator und sorgt, wo er Auftritt, für gute Stimmung. In der Aula der Schule Schloss Stein gab er sein Programm »Schluss mit frustig« zum Besten und bescherte damit den Besuchern einen überaus amüsanten Abend. Er sang und spielte sich in ihre Herzen mit seinen witzigen Beobachtungen und überaus treffenden Parodien bekannter Persönlichkeiten.


Chris Boettcher braucht keine Perücke oder Verkleidung. Wenn er seine Stimme verstellt und ein paar passende Gesten dazu macht, weiß man sofort, wen er gerade darstellt. Er hat sie alle drauf: Angela Merkel, Horst Seehofer, Jogi Löw, Peter Maffay, Howard Carpendale und viele, viele andere mehr. Als bayerischer Ministerpräsident singt er ein Loblied auf den neuen amerikanischen Präsidenten: »Der Trump is a Hund, der wär was für die CSU.« Die Partei könnte nach seinem Vorbild ein »Preißn-Einreiseverbot« für Bayern erlassen und eine »Mauer gegen Merkel« bauen. Auf Deutschland übertragen meint der Kabarettist: »Wenn immer der, der das Maul am weitesten aufreißt, Präsident wird, müssten wir schon bald die Regierungsantrittsrede von Dieter Bohlen hören.«

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Mit seinen Liedern geht Boettcher gegen den allgemeinen Frust und die ständig depressive Stimmung der Deutschen vor, die »zwischen Espressomaschine und neuer Einbauküche« jammern »mei geht’s mir schlecht, i bin wirklich die allerärmste Sau«. Ein Gegenmittel könnte seine neue »Band-Aid der guten Laune« sein, die aus Udo Lindenberg, Heino, Herbert Grönemeyer und Peter Maffay, den Grufties der Musikszene, besteht. Boettcher macht sich einen Heidenspaß daraus, die Lieder der vier umzudichten und trifft damit genau den Geschmack des Publikums. Auch das Gespräch von Franz Beckenbauer, Olli Kahn, Lothar Matthäus und Jogi Löw auf der Toilette löste größere Lachanfälle bei den Zuhörern aus.

Doch nicht nur Parodien von Persönlichkeiten, sondern auch überaus amüsante und zutreffende Beobachtungen von zwischenmenschlichen Beziehungen waren in dem vielfältigen Programm zu hören. So nimmt der 52-Jährige die männliche Spezies genauer unter die Lupe: »Wir Männer sind Glücksfälle der Evolution, wir sind so herrlich unkompliziert.« Während eine Frau im Lokal ewig brauche, bis sie sich für ein Essen entscheiden kann, heißt es beim Mann kurz und bündig: »A Schnitzel und a Bier.« Steht sie vorm vollen Kleiderschrank und findet nichts zum Anziehen, holt er seine Feinrippwäsche heraus und fühlt sich darin großartig.

Nur wenn sie krank sind, dann wird’s kritisch, dann werden aus den tollen Helden wimmernde Kreaturen, die nur noch jammern »aua, tuat des weh«. Mit dem Nachwuchs beschäftigt sich der Musiker in seinem Lied von der »Woistrickmützn«, die junge Männer einfach megacool finden, egal wie sehr sie unter der Mütze schwitzen und dass sie dabei aussehen wie »Vollpfosten«. Und wie schwierig die Pubertät der Kinder für die Eltern ist, zeigte er eindrücklich und unter großer Zustimmung der Besucher in seinem Lied mit dem Refrain: »In der Pu-, in der Pu-, in der Pubertät, do werd der Mensch unheimlich bläd, do moanst, bei deine Kinder do is alles z’spät.« Aber dieses unmögliche Verhalten der Jugend sei in Wirklichkeit nur darauf ausgerichtet, dass den Eltern der Abschied von den Kindern nicht so schwer fällt. Pia Mix