Prinz Harry zum Südpol aufgebrochen

London (dpa) - Es ist nur ein Bruchteil der langen Strecke, die vor 102 Jahren der Südpol-Pionier Roald Amundsen zurücklegen musste: Dennoch ist Prinz Harrys 280-Kilometer-Trip zum Südpol an der Seite von 20 Kriegsversehrten ein aufsehenerregendes Abenteuer.

Prinz Harry
Prinz Harry will zum Südpol. (Archivbild vom 14. November) Foto: Tal Cohen Foto: dpa

Der 29 Jahre alte Prinz, als Draufgänger bekannt, geht bei der 15 Tage langen Tour nicht nur seinem Hobby nach. Die Südpol-Expedition ist auch ein symbolhafter Beitrag des Königshauses zur kollektiven Solidarität Großbritanniens mit seinen Soldaten.

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In den Kriegen im Irak und in Afghanistan wurden Tausende Briten verwundet, immer wieder gibt es Beschwerden, dass die staatliche Versorgung und Wiedereingliederung nicht ausreichend sind. «Walking With The Wounded» ist neben anderen eine Organisation, die in die Bresche springt, sich um Heimkehrer kümmert und auch deren Rehabilitation vorantreibt. Dafür soll die Südpol-Aktion Geld einspielen.

Die Ex-Soldaten, die Harry bei ihrem Abenteuer unterstützen, haben viel durchgemacht im Namen der Krone. Duncan Slater zum Beispiel. Der heute 34-Jährige war 2009 im Afghanistan-Einsatz, als das Fahrzeug seiner Einheit von einem Sprengsatz in die Luft gejagt wurde. Zwölf Monate später wurden ihm beide Beine amputiert. «Die Ärzte haben mir gesagt, ich werde nie mehr schmerzfrei gehen können», erinnert sich der Ex-Soldat. «Ich habe mir vorgenommen, das Gegenteil zu beweisen.» Seitdem trainiert er auf seinen beiden Hochleistungs-Prothesen wie ein Wilder für sportliche Erfolge.

Kate Philp ist eine von vier Frauen unter den Teilnehmern. Sie ist hat schon im Irak gedient. In Afghanistan wurde sie dann von einer Sprengladung erwischt - die Ärzte mussten ihr das linke Bein unter dem Knie abnehmen. Sollte sie das Ziel nicht erreichen, ist ihr nicht bange: «Lieber einen Moment Enttäuschung als ein Leben lang Bereuen», lautet ihr Motto.

Ähnlich sieht es Therese Frentz (33), die für das US-Team am Start ist. Bei einem Selbstmord-Attentat 2004 im Irak verbrannten 30 Prozent ihrer Haut. Noch heute muss sie sich immer wieder operieren lassen, damit das Narbengewebe ihr nicht ständig Schmerzen bereitet. «Ich muss aufpassen, dass ich keine Erfrierungen bekomme, weil meine Haut nicht mehr richtig Kälte spürt», sagt sie vor dem Start. «Ich freue mich darauf, als Frau ein Vorbild sein zu können, nicht nur weil ich verwundet worden bin, sondern als Frau, die sich nicht den Rucksack tragen lässt.» Während der Expedition muss sie einen Schlitten mit bis zu 70 Kilogramm Gepäck ziehen.

Die Teilnehmer haben monatelang trainiert, um sich auf die Expedition vorzubereiten. Im Fitness-Studio wurde Kondition gebolzt, es ging auch in die Kältekammer, um sich an die arktischen Temperaturen von erwarteten bis zu minus 45 Grad zu gewöhnen.

Die Akklimatisierungsmärsche in der Antarktis mussten ausfallen - Schneestürme machten die Trainingseinheiten unmöglich. Doch auch wenn Prinz Charles ein wenig in Sorge um seinen Sohn sein soll: Dass es richtig gefährlich wird, brauchen die Teilnehmer wohl nicht zu fürchten: Sie werden von erfahrenen Polar-Guides und von Begleitfahrzeugen unterstützt.

Prinz Harry, selbst als Soldat zweimal in Afghanistan im Kriegseinsatz, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm die Zeit, die er mit Soldaten verbringt viel lieber ist als festliche Bankette in den Palästen Londons. «Er mag die Armee und die Kameradschaft dort, weil er hier er selbst sein kann und nicht dauernd jeden Schritt überlegen muss», sagt einer von Harrys Kollegen in Afghanistan der «Daily Mail». «Er ist lieber Captain Wales als der Bruder des künftigen Königs.» William soll übrigens ein bisschen eifersüchtig sein auf den kleinen Bruder. «Er ist neidisch, weil ich es geschafft habe, dem schreienden Kind zu entkommen», sagte Harry augenzwinkernd vor dem Start des Abenteuers.

Walking With The Wounded

Porträt Therese Frentz

Porträt Kate Philp

Porträt Duncan Slater

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