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Prinzregent mit Weg am Hintersee geehrt

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Ramsau – Zu Ehren des Prinzregenten, der alljährlich im Herbst in seinen Jagdgefilden am Hintersee weilte, wurde am Donnerstagabend der Weg um den Hintersee in »Prinzregent-Luitpold-Weg« umbenannt. Der Festakt in traumhaftem Abendlicht rundete die Feierlichkeiten zum 100. Todestag des beliebten Wittelsbachers ab. Als Ehrengäste kamen Ihre Königliche Hoheit Herzogin Helene in Bayern und »Prinzregenten-Double« Albrecht Neustifter aus Schnaitsee. Der 2,5 Kilometer lange Weg direkt am idyllischen Seeufer entlang überschneidet sich in Hintersee mit dem »Malerweg«. Er ist nicht nur bei Urlaubern und Einheimischen, sondern auch bei Tagesausflüglern aus ganz Südostbayern sehr beliebt.


Während die echte Wittelsbacherin mit einer Kutsche zur Antonius-Kapelle gebracht wurde, und von zwei Trachtlerkindern mit einem Latschensträußerl begrüßt wurde, kam der Prinzregenten-Darsteller mit dem Fährschiff »Annerl« über den See. Mit im Boot saßen zwei Ramsauer Bläser, Michael Gschoßmann und Josef Wegscheider. Von Zeit zu Zeit standen sie auf zum Weisenblasen, während das Fährschiff im türkis schimmernden Wasser hin und her kreuzte. Als er sich dem Ufer näherte, grüßte der »Prinzregent« in Lederhose, rauer Joppe und mit Jägerhut, huldvoll das Volk.

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Wie zu Zeiten des Prinzregenten gab es dann eine Heilige Messe an der Antonius-Kapelle. Kaplan Florian Welter, derzeit als Urlaubsvertretung in Berchtesgaden, deutete die Einweihung des umbenannten Wegs als Zusage, »dass wir Jesus Christus überall begegnen können und dass er auf allen Wegen mit uns geht«. Die Segnung drücke auch die Zuversicht aus, »dass wir wie Maria, deren Himmelfahrt die katholische Kirche kürzlich feierte, einst bei Gott das Leben in Fülle haben«. In den Fürbitten beteten die zahlreich erschienen Gläubigen, viele davon in Dirndl und Tracht, unter anderem für die Menschen, die beim Gehen des Prinzregent-Luitpold-Wegs Ruhe tanken wollen.

Nach dem Gottesdienst segnete der Kaplan den Weg mit Weihwasser. Bürgermeister Herbert Gschoßmann dankte allen, die diesen Abend seine feierliche Note gaben, vom Zelebranten und den Musikanten über die Ehrengäste bis hin zu den Frauen, die die Kapelle festlich geschmückt hatten. Der neue Weg-Name sei nicht seine Idee oder die des Gemeinderats gewesen, betonte Gschoßmann, sondern die Anregung eines Bürgers, Günther Bartels vom Zauberwald.

Fasziniert lauschten Einheimische und Gäste danach dem Konzert der Ramsauer Musikkapelle. Die hatte sich auf einem eigens für diesen Abend und für das musikalische Seefest diesen Sonntag gebauten Floß im Hintersee postiert. Durchs Wasser gezogen wurde es von vier Ruderern, deren Boote an den vier Ecken des Floßes befestigt waren. Einige Zuhörer saßen direkt am See, andere genossen im Biergarten dazu ein kühles Bier und wieder andere lauschten an der stilleren, wildromantischen felsigen Uferpassage verzückt den Klängen über den See. Die Ruheplätze dort liebte auch der Wittelsbacher besonders. Darum erinnern dort noch heute zwei Gedenktafeln an ihn.

Wie es bei den jeweils mindestens 14-tägigen Jagdbesuchen des Prinzregenten am Hintersee zuging, kann man aus der 20-seitigen Broschüre der Tourist-Info Ramsau zum Prinzregent-Luitpold-Weg erfahren. Neben interessanten Hintergrund-Informationen, aufgelockert durch viele teils historische Fotos, sind darin Zitate aus Aufzeichnungen im Kirchenbuch der Ramsau nachzulesen. Vom Jahr 1904 heißt es da: »Am 3. Oktober traf Se. Kgl. Hoheit Prinzregent Luitpold mit Gefolge in Hintersee ein und weilte daselbst bis zum Allerheiligentage.«

Der Ablauf des 1. Novembers, an dem der Prinzregent an der Antonius-Kapelle auch sein Namensfest feierte, ist bei den Notizen von 1905 nachzulesen: »Den Gesang versah der Ramsauer Kirchenchor. Anwesend waren die Schulkinder, Feuerwehr, Veteranen- und Schützenverein... Nach dem Gottesdienst wurden alle Anwesenden im Gasthause der Frau Auzinger frei bewirtet.« Vieles ist höchst amüsant zu lesen. Aus dem Jahr 1907 erfahren wir beispielsweise: »Die Hofjagden gingen bei sehr schönem Wetter vor sich, aber gerade deshalb wurde wenig geschossen.« Veronika Mergenthal