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Provokant, konfus und ein wenig irre

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Immer in Bewegung ist der Musiker und Kabarettist Nepo Fitz während seiner Vorstellung im NUTS. (Foto: Heel)

Wenn ein Künstler eine »sehr experimentelle« Vorstellung ankündigt, dann bedeutet das in der Regel, dass er entweder selbst nicht genau weiß, was er will und das Publikum (eventuell) mithelfen soll, es herauszufinden, oder aber, dass er sehr genau weiß, was er will, aber keine Ahnung hat, wie das Publikum darauf reagieren wird. Eine Mischung aus beidem präsentierte der Straubinger Kabarettist Nepo Fitz bei seinem Auftritt in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo er in einer Vorpremiere sein neues Programm »SAUMENSCH – Sind wir gut oder böse?« vorstellte.


Eine Frage also, an der sich Moralphilosophen seit Jahrtausenden die Zähne ausbeißen. Nepo Fitz geht die Sache lockerer an. Die These, die er dabei aufstellt, ist so einfach wie nachvollziehbar: An sich sind wir gut, aber das ständige Gutsein überfordert uns! Also brauchen wir ein Gegenmittel. Also müssen wir die Sau in uns (nicht zu verwechseln mit dem inneren Schweinehund) wecken und rauslassen, müssen ihr die Chance geben, sich zu entfalten. Wie und wo das schon passiert ist, reißt er in einem satirischen Rundumschlag ab, der sich vom »Obstraub« im biblischen Garten Eden über Isaaks Nahtoderfahrung und den Buddhismus, dem »Swingerclub unter den Religionen«, bis zu den heutigen Menschenrechten spannt. Dabei ist er ständig in Bewegung, springt und tanzt herum und haut in die Tasten seines tragbaren Keyboards, denn ohne Musik geht bei ihm gar nichts. Da spürt man am deutlichsten, dass hier ein Naturtalent am Werk ist, dem als Sohn der Kabarettistin Lisa Fitz und eines persisch-bayerischen Rockschlagzeugers das Musikmachen und die Schauspielerei buchstäblich in die Wiege gelegt wurden. Und auch die Abneigung gegen alles Langweilige und Konservative. Das macht seine Performance so zündend und spannend, aber gelegentlich auch leicht anstrengend.

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Doch zurück zum »Saumenschen«, der hierzulande in seinen Augen eigentlich kein Problem darstellt, denn »der Saumensch ist im weitesten Sinn ein Bayer«. Ähnlich provokant fielen seine Anmerkungen zur »Krone der Schöpfung« aus, die es sich durchaus erlauben könne, Tierfleisch zu essen. Schließlich hat sich der Mensch weiterentwickelt, ist anpassungsfähig und erfinderisch, während die Tiere gleich dumm geblieben sind.

Und wenn sie mal nützlich sind, wie etwa die Biene, dann aus Versehen bzw. weil es in ihrer Natur liegt. Ein Dokumentarfilm über Hühnerhaltung hat ihm kürzlich zwar einen Schrecken eingejagt, aber nur insoweit, als dass er sich solche Dokus in Zukunft nicht mehr anschauen wird.

Ob sich die Frage »gut oder böse« auch beim Thema Kannibalismus stellt, dürfte die meisten von uns nicht interessieren, trotz höchst erfolgreicher TV-Serien wie »The Walking Dead«. Nepo Fitz nahm es trotzdem auf, getrieben von der Sorge, Menschenfleisch könnte ihm möglicherweise schmecken, so wie dem Kannibalen von Rothenburg. Schwamm drüber.

Nach der Pause dann eine unerwartete Kehrtwendung: Der Kabarettist überraschte mit einer glänzenden Parodie auf Hansi Hinterseer, der hier als Erfinder einer Partnervermittlungs-App und Supermacho die »Matches« erst selbst überprüft, bevor er sie weiterleitet. Es folgten noch ein paar Anmerkungen zum Thema Mensch als Auslaufmodell, wobei selbstfahrende Autos nur der Vorgeschmack seien, bevor sich Nepo Fitz abschließend nochmals ans Klavier setzte und bewies, was für ein grandioser Musiker er ist. Ob fetzige Rocknummer oder inbrünstige Ballade, da beherrscht er alles und wirkt in seinen besten Momenten wie der junge Elton John.

Fazit: Ein Programm, so provokant wie konfus und ein wenig irre dazu. Vorläufig jedenfalls. Ob es ankommt, wird sich in knapp vier Wochen zeigen, denn am 17. März ist dann richtig Premiere. Wolfgang Schweiger