Quälende Geduldsprobe: Keine deutsche Medaille

London (dpa) - Das Warten auf die erste Olympia-Medaille in London entwickelt sich für die deutsche Mannschaft zur quälenden Geduldsprobe. Während im Medaillenspiegel nach 26 Entscheidungen bereits 30 Nationen vertreten sind, beklagt das deutsche Team den schlechtesten Olympia-Start seit 44 Jahren.

Ausgelaugt
Goldhoffnung Nicolas Limbach scheidet viel zu früh aus. Foto: Sergej Ilnitsky Foto: dpa

Noch am nächsten an Edelmetall dran waren Radsportlerin Ina-Yoko Teutenberg, die im Straßenrennen der Frauen den undankbaren vierten Platz belegte, und Skeet-Schützin Christine Wenzel als Sechste. Vor vier Jahren in Peking hatte es am ersten Wochenende wenigstens eine Plakette durch den Bronze-Gewinn des Wassersprung-Duos Ditte Kotzian und Heike Fischer gegeben.

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«Wir sind nicht zufrieden, hoffen aber, dass nun der Knoten platzt», sagte der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper. Bei den mit hohen Erwartungen ins Rennen gegangenen Schwimmern war dies zum Olympia-Start nicht gelungen. Paul Biedermann und die Freistil-Staffel der Frauen mit Britta Steffen waren am Samstag bereits in den Vorläufen gescheitert. 24 Stunden später rehabilitierte sich Biedermann eindrucksvoll und zog als Viertschnellster ins Finale über 200 Meter Freistil ein. Den Endlauf über 100 Meter Rücken erreichte Helge Meeuw.

Während die Deutschen vergebenen Chancen nachtrauerten, zog China der Konkurrenz im Medaillenspiegel bereits auf und davon. Mit sechs Mal Gold, viermal Silber und zweimal Bronze distanzierten die Sportler aus dem Reich der Mitte den vermeintlich schärfsten Konkurrenten aus den USA (3-5-3) deutlich.

Gastgeber Großbritannien freute sich am Sonntag über die ersten Medaillen durch Radfahrerin Elizabeth Armitstead und Schwimmerin Rebecca Adlington. Schon zum dritten Mal Olympia-Gold gewannen die US-Amerikanerin Kimberly Rhode im Skeetschießen und Kunstspringerin Wu Minxia aus China. Ausnahme-Schwimmer Michael Phelps verpasste über 400 Meter Freistil sein 15. Olympia-Gold und musste sich in dem von Landsmann Ryan Lochte gewonnenen Rennen mit Rang vier begnügen.

Sein insgesamt 17. olympisches Edelmetall eroberte Phelps als Mitglied der US-Freistilstaffel, die sich am Sonntagabend im Finale überraschend Frankreich beugen musste und nur Silber gewann. Für die ersten Weltrekorde im Aquatics Centre sorgten die 16-jährige Chinesin Ye Shiwen über 400 Meter Lagen, Cameron van den Burgh aus Südafrika über 100 Meter Brust und die US-Amerikanerin Dana Vollmer über 100 Meter Schmetterling.

Gold-Hoffnungen für das deutsche Team nährten die Vielseitigkeitsreiter. Das Quintett um Weltmeister Michael Jung lag nach der Dressur vor Australien und Großbritannien in Führung. In der Einzelwertung ist Ingrid Klimke als beste Deutsche vor dem Geländeritt Vierte. Für die zum Favoritenkreis gezählten Säbelfechter Nicolas Limbach und Max Hartung war im Viertelfinale Endstation.

Der Deutschland-Achter wurde den Erwartungen zum Regattastart gerecht. Mit dem Vorlaufsieg vor Großbritannien buchte die seit vier Jahren ungeschlagene Crew ihren Platz im Finale am Mittwoch. Dazu überzeugten die deutschen Ruderer mit weiteren vier Vorlaufsiegen.

Nach Philipp Petzschner erreichte auch Julia Görges die zweite Runde des Tennis-Turniers. Sie bezwang Wimbledon-Finalistin Agnieszka Radwanska aus Polen in drei Sätzen. For Mona Barthel war das erste Spiel dagegen schon das letzte. Philipp Kohlschreiber hatte seinen Start am Samstag kurzfristig wegen einer Fußverletzung abgesagt.

Die Volleyballer verloren erwartungsgemäß ihr Auftaktmatch gegen Gold-Favorit Russland. Der Weltliga-Gewinner von 2011 war beim 3:0 eine Nummer zu groß für das Team von Trainer Vital Heynen. Jiaduo Wu erreichte als einzige deutsche Tischtennis-Spielerin den Einzug ins Achtelfinale, Kristin Silbereisen scheiterte. Sieg und Niederlage gab es für die deutschen Boxer: Stefan Härtel zog ins Achtelfinale ein, Patrick Wojcicki schied aus.

Für die ersten Dopingfälle der London-Spiele sorgten der albanische Gewichtheber Hysen Pulaku, die usbekische Turnerin Luisa Galiulina und Sprinterin Tameka Williams aus St. Kitts und Nevis. Die Sportler wurden von den Spielen ausgeschlossen.