weather-image
19°

Quatuor Ebène zum 5. Mal in Traunstein

0.0
0.0
Bildtext einblenden

Mit Streichquartetten von Joseph Haydn (»Kaiserquartett«), Béla Bartók (Nr. 4) und Felix Mendelssohn Bartholdy (Nr. 6) hat sich das Quatuor Ebène in diesem Jahr verstärkt beschäftigt und die drei Werke schwerpunktmäßig in seine Konzertprogramme aufgenommen. Mit diesem Dreier-Paket Haydn-Bartók-Mendelssohn reisen die vier »Ebènes« heute zum fünften Mal in Traunstein an und sorgen als eines der z. Zt. gefragtesten jungen Quartettensembles für eine glanzvolle, musikalisch packende Eröffnung der diesjährigen Sommerkonzerte.


Das sogenannte Kaiserquartett (Hob III:77, 1797) von Joseph Haydn ist dem ungarischen Kunstförderer Graf Erdödy gewidmet. Es erhielt den Beinamen »Kaiserquartett«, weil der zweite Satz vier cantus-firmus-Variationen über das Thema der von Haydn zuvor komponierten Kaiserhymne »Gott erhalte Franz, den Kaiser« enthält. Man wird sich beim Hören des Zusammenhangs bewusst: Die Melodie von Haydns »Kaiserlied« hat August Heinrich Hoffmann von Fallersleben für sein von ihm gedichtetes Deutschlandlied verwendet, dessen 3. Strophe noch heute in der Nationalhymne gesungen wird.

Anzeige

Widmungsträger des 4. Streichquartetts (1928) von Bela Bartók ist das Quatuor Pro Arte aus Brüssel. Der Komponist hat zum besseren Verständnis der fünfsätzigen Komposition selbst eine Analyse gegeben: »Der langsame Satz bildet den Kern des Werks, die übrigen Sätze schichten sich um diesen. Und zwar ist der vierte Satz eine freie Variation des zweiten, die Sätze eins und fünf wiederum haben gleiches thematisches Material. Das heißt: Um den Kern (3. Satz) bilden die Sätze eins und fünf die äußere, zwei und vier die innere Schicht.« Diese Beschreibung der für Bartók typischen Brückenform klingt sehr nach rationaler Architektonik und stark schematisch durchdachter Konstruktion. Das schließt jedoch starke Empfindung und Persönlich-Atmosphärisches in der Musik keineswegs aus. Im Gegenteil: Das 4. Streichquartett Bartóks nimmt eine wichtige Stelle innerhalb seines Gesamtschaffens ein, da es ganz neue Ausdrucksbereiche eröffnet, die in späteren Kompositionen noch erweitert werden.

Als große Trauermusik wird Mendelssohns f-Moll-Quartett op. 80 beschrieben, komponiert im Todesjahr der Schwester Fanny 1847. Sie war im Mai in Berlin an einem Schlaganfall gestorben. Wie ein lähmender Schock wirkte die Nachricht vom Tod der geliebten Schwester, seiner wichtigsten musikalischen Beraterin der letzten Jahre. Mendelssohn, zunächst unfähig zu komponieren, zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück und suchte für mehrere Monate Erholung in der Schweiz und in Süddeutschland. Nur langsam fand er zum Komponieren zurück, und war schließlich in Interlaken psychisch und physisch in der Lage, sein sechstes Streichquartett zu schreiben.

Der autobiografische Bezug zu diesem »Requiem für Fanny« (wie es in der Literatur oft genannt wird) ist für den Hörer unschwer nachvollziehbar, die Komposition erschüttert durch eine ungewöhnlicher Tiefe, Dynamik und Schroffheit. Sie ist vielleicht Mendelsohns persönlichstes und intensivstes Werk, mit dem er zu einem neuen, radikal expressiven Grenzbereich des Quartettspiel vorstieß. Das Opus 80 darf als der eigentliche Endpunkt seines Gesamtschaffens angesehen werden – zwei Monate nach seiner Vollendung stirbt auch Mendelssohn, nach mehreren Schlaganfällen am 4. November 1847. So gesehen hat er mit dem f-Moll- Quartett zugleich sein eigenes Requiem geschrieben.

Restkarten in der Touristinformation und an der Abendkasse. Imke von Keisenberg