weather-image

Rätselfrage

Gerhard Moser, Karl Heinz Kellner, Arthur Flemming, Emil F.-J. Bayer, Karlheinz Schuster und Peter Fleischer schickten richtige Antworten auf die letzte Rätselfrage von Wolfgang Schweiger. Peter Fleischer schreibt:

Bei dem gesuchten Maler, der nach verschiedenen Quellen zwischen 1720 und 1722 in Venedig geboren wurde, handelt es sich um den Neffen des Vedutenmalers Giovanni Antonio Canal (1697-1768), alias Canaletto. Er arbeitete eine Zeitlang als Schüler in der Werkstatt seines Onkels und übernahm dessen Künstlernamen, was des öfteren Anlass zu Verwechslungen gab, zumal er einige seiner im gleichen Stil gemalten Bilder mit dem von ihm angenommenen Beinamen signierte und nicht mit seinem Geburtsnamen Bernardo Bellotto. Den jüngeren Canaletto interessierten für seine Gemälde jedoch besonders die Darstellung von Wolken, Schatten, Laubwerk, Figuren und Architektur.

Anzeige

1742 trat er denn endgültig aus dem Schatten seines Lehrers. Er machte sich ohne seinen Onkel auf eine Reise nach Florenz und Rom, später auch in die Lombardei und Venedigs Nachbarstädte und mischte dabei mehr Alltagsleben in seine Veduten. Dadurch wurden seine Stadtansichten noch individueller, schön zu sehen auf seinem Ölbild »Veduta del Ponte delle Navi«, das er 1745 in Verona malte.

Ab 1747 verließ er mit seiner Familie Venedig für immer und wurde Hofmaler in Dresden bei Kurfürst Friedrich August II., der gleichzeitig auch polnischer König war. Am Hofe schätzte man seine venezianische Malerei und ehrte ihn, ganz im Sinne seiner Eitelkeit, z. B. mit einer goldenen Tabaksdose und der Patenschaft für vier seiner Töchter. Bellotto (sprich Canaletto) hielt sich zwischendurch auch für kurze Zeit in Wien und München auf. Nach seiner Rückkehr wurde ihm dann aufgrund der Beschädigungen Dresdens durch die Preußen im 7-jährigen Krieg sein Gehalt gekürzt.

Ab 1768 fand er aber am Hofe des neuen polnischen Königs in Warschau wieder künstlerische Betätigungsmöglichkeiten. Er war dort bei der Ausstattung und Modernisierung der Räumlichkeiten des königlichen Schlosses als Mitglied des Kunstdepartements eingesetzt. Seiner Vedutenmalerei blieb er aber treu. Er bevorzugte dabei jetzt etwas gedämpftere Farbtöne. Seine Ansicht der Stadt Warschau vom Weichselufer findet man in einem bekannten Nachschlagewerk abgebildet.

1780 starb er an einem Gehirnschlag. Seine Veduten dienten später mehrfach als Vorlagen beim Wiederaufbau zerstörter Städte, wie z. B. bei Warschau nach 1945.

Die heutige Rätselfrage stellt Karlheinz Schuster zur Geschichte:

Gesucht wird ein Herrscher, der trotz einer politischen Bruchlandung als »merry monarch« gefeiert wurde. Als er aus dem kontinentalen Exil auf die Insel zurückkehrte und den Thron bestieg, brachte er nach einer zwei Jahrzehnte währenden Republik nicht nur die Monarchie zurück, sondern restaurierte die Sinnesfreuden gleich mit. Umso erstaunlich mutet es an, dass er Kaffeehäuser in einem Land, das eher durch seine typischen Kneipen bekannt ist, als Keimzelle de Aufruhrs betrachtete.

Durch eine königliche Proklamation sollten daher alle Kaffeehäuser im Königreich geschlossen und alle Lizenzen eingezogen werden. Dabei ging es nicht um koloniale Leckereien wie Kaffee, Tee, Schokolade und Limonade, die dort ausgeschenkt wurden, sondern um den Ort des kommunikativen Austauschs, der das Kaffeehaus damals war. Den Kaffeehäusern wurden »bösartige und gefährliche« Wirkungen zugeschrieben. Orte, wo Kaufleute ihre Zeit vergeudeten und gegen die Regierung Seiner Majestät gehetzt wurde. Harte Strafen sollten denen drohen, die dem Verbot nicht nachkommen wollten.

Doch die Reaktion der Kaffeehausbesitzer entpuppte sich als koordinierter denn vermutet. Die Betroffenen übergaben eine Petition, worauf der König das Verbot mit einer Mischung aus praktischen und politischen Gründen zunächst um sechs Monate verschob und später mit der Begründung völlig aufhob, dass die Kaffeehausbesitzer ihre Waren schon versteuert oder bestellt hätten und mit echtem Bedauern frühere Verfehlungen eingestanden und sich verpflichtet hätten, künftig in ihren Häusern politisches Wohlverhalten zu garantieren.