weather-image

Rahmenbedingungen für Landwirte verbessern

Wonneberg. Die Milchproduktion war das Hauptthema der erweiterten Kreisversammlung der Ortsobmänner und Ortsbäuerinnen des Bayerischen Bauerverbandes (BBV) Traunstein in Weibhausen im Gasthaus Alpenblick. Dabei erklärte der stellvertretende BBV-Präsident Günther Felßner den Begriff Nachhaltigkeit.

Landwirte müssen Betriebe erhalten können

Anzeige

Bis in die 80-er Jahre war sein Betrieb im Hopfenbau tätig, bis der zentrale Vermarkter seine Geschäfte einstellte, meinte Felßner. Nach intensiver Grundlagenanalyse habe er sich 1996 mit seiner Frau entschieden, einen Stall für 120 Kühe zu bauen. Durch den Strukturwandel konnte er den Betrieb vergrößern.

Es müsse einen Rahmen geben, in dem jeder Bauer seinen Betrieb erhalten kann. Entscheidend sei das Einkommen. Aber es könne auch nicht sein, dass sich Nebenerwerbslandwirte von den rund 2800 Vorschriften, die sie betreffen, überfordert seien und Angst hätten, sprichwörtlich ständig mit einem Fuß im Gefängnis zu stehen.

Um die Wertschöpfung zu erhöhen, müsse der Veredelungsgrad gesteigert werden, so Felßner. Dazu passten jedoch nicht die Forderungen von Stilllegung oder die Abschaffung der Privilegierung. Nachhaltigkeit setze sich aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem zusammen. Darum bedeute intensive nachhaltige Bewirtschaftung, die Flächen so zu bewirtschaften, dass sie auf Dauer ertragreich seien und sie in einem ebenso ertragreichen Zustand an die nachfolgenden Generationen weitergegeben würden.

Landwirte hätten heute verschiedene Möglichkeiten, in Energie-, Fleisch-, Energie- oder Milchbereich für die Zukunft investieren zu können, meinte Felßner. Das sei für die Molkereien interessant, denn sie bräuchten für ihre Produktion die Milch.

Seit Einführung der Milchquote haben sich die weltweite Milchproduktion und der Milchverbrauch verdoppelt. Durch die Quote hätten sich die europäischen Milchbauern an dieser Entwicklung nicht beteiligen könne, führte Felßner an, im Gegenteil, sie hätten noch zusätzlich Quotenkosten gehabt.

Er verstehe die Diskussion, ob Deutschland Milch und Milchprodukte exportieren solle, nicht. Er wehrte sich dagegen, dass ein großer Teil der Gesellschaft dagegen sei, dass die Landwirtschaft Rohstoffe importiere und mit ihrem Können und ihrer Technik die Milch veredelten und exportierten. Denn gerade die deutsche Wirtschaft sei auf Importe von Rohstoffen angewiesen, die sie zu hochwertigen Produkten veredle und in aller Welt verkaufe. Nur die Landwirtschaft solle nur für den Eigenbedarf im Land produzieren, so Felßner.

Auch Klimapolitik war ein Thema

Die Forderung, wenn es bessere Preise für die Milch geben würde, könnte auf Ausgleichszahlungen verzichtet werden, sei für ihn die unsinnigste agrarpolitische Aussage, die er je gehört habe. Denn in den so beliebten Berggebieten lägen die Produktionskosten für den Liter Milch bei 80 Cent, dagegen in den Gunstlagen, wie der Leipziger Tiefebene, bei rund einem Drittel. Darum seien die Ausgleichszahlungen unerlässlich, um die Betriebe in den schwierigen Lagen erhalten zu können, sagte Felßner.

In den klimatischen Gunstlagen bringe es der Umwelt wenig, wenn zu den Streuwiesen noch weiter Magerwiesen durch Stilllegung kämen. Zielführender wäre es, durch nachhaltige Bewirtschaftung dort Biomasse zur Bioenergiegewinnung mit 5000 Liter Erdöl äquivalent pro Hektar CO2-neutral zu erzeugen. Darum sei das sogenannte Greening ungeeignet für ein nachhaltiges CO2-Management, sagte Felßner. Für ihn sei es auch nicht nachvollziehbar, wenn die Einspeisungsvergütung der Windanlagen am Ort durch die Novellierung des EEG von neun auf acht Cent und bei den Windanlagen in der Ostsee, bei denen der Strom erst durch teure, noch nicht vorhandene Trassen in den Süden gebracht werden müsse, von 16 auf 19 Cent erhöht werden solle. MP