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Rajkovic nennt HSV-Coach Fink einen Lügner

Hamburg (dpa) - Slobodan Rajkovic hat der Kette seiner Verfehlungen beim Hamburger SV noch einen draufgesetzt und steht beim norddeutschen Fußball-Bundesligisten vor dem Rauswurf.

Skandalprofi
Slobodan Rajkovic sorgt beim HSV für Querelen. Foto: Marcus Brandt Foto: dpa

In einem Interview bezeichnete der nach einer Prügelei im Training ohnehin schon suspendierte serbische Abwehrspieler seinen Trainer Thorsten Fink als Lügner und unterstellte ihm falsches Spiel. «Das wird selbstverständlich Konsequenzen haben. Es ist natürlich nicht zu tolerieren, dass Slobodan nach eigenem krassen Fehlverhalten solche Aussagen macht», sagte Sportdirektor Frank Arnesen. Da er selbst in Hamburg ist, Team und Vorstand um HSV-Chef Carl Jarchow aber auf Südkorea-Tour sind, fügte der Däne hinzu: «Wir werden das in Ruhe intern klären.»

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Rajkovic dürfte sich mit seinem Vorstoß um Kopf und Kragen geredet und sein endgültiges Aus beim HSV provoziert haben. «Unser Trainer lügt. Er hat zwei Gesichter», behauptete er im «Hamburger Abendblatt». Er sei «noch nie so oft und so lange angelogen worden». Und er sieht sich als Sündenbock. Es sei schon «lange beschlossen, dass ich weg muss. Das hat mir der Trainer so bestätigt.» Der Streit mit Son Heung-Min sei nur ein «willkommener Anlass» gewesen.

Doch der Reihe nach: Fink hatte den Serben am Freitag nach einer in einem Trainingsspiel von Rajkovic angezettelten Schlägerei mit seinem südkoreanischen Mitspieler Son aus dem Profi-Kader verbannt und zum Regionalliga-Team abkommandiert. Später hatte der Coach erklärt, Rajkovic habe beim HSV keine Zukunft. Darüber wollte Arnesen eigentlich noch einmal mit Fink reden. Dies dürfte sich spätestens nach den jüngsten Rajkovic-Aussagen erledigt haben.

Allzu heftig attackierte er seinen Trainer, unter dem er seit dem Platzverweis im Heimspiel am 30. Oktober 2011 gegen Kaiserslautern schlechte Karten hat. Damals streckte er im zweiten Spiel unter dem neuen HSV-Coach Fink Lauterns Christian Tiffert nach gut 20 Minuten weit vom Tor entfernt an der Außenlinie mit einem Ellbogencheck zu Boden, wurde mehrere Wochen gesperrt und war seinen Stammplatz los.

Rajkovic (Vertrag bis 2015) wirft Fink auch vor, ihn nicht darüber informiert zu haben, dass er auch künftig nicht auf ihn baue. «Er hätte mir seine Meinung wie ein Mann mitteilen können, nicht wie ein Mädchen über Zeitungen lancieren müssen.» Und: Ähnliche Vorfälle beim HSV hätten nicht so drastische Konsequenzen gehabt, ergänzte er.

Damit spielte der 23-Jährige darauf an, dass vor ein paar Monaten Fink und Reservespieler Muhamed Besic aneinandergeraten waren. «Auch der Trainer hatte da seinen Fehltritt», meinte Rajkovic. Fink habe sich nach mehreren Wortwechseln «mit Besic den jüngsten der Gruppe geschnappt und übel am Hals gepackt. Der Trainer meinte zu mir, dass er eben der Trainer sei und ja auch nicht geschlagen habe.»

Fink wollte sich im fernen Suwon, einer rund 50 Kilometer von der südkoreanischen Metropole Seoul entfernten Stadt, zunächst nicht zu Rajkovic' Vorwürfen äußern. «Ich denke, da steht er über den Dingen», sagte Medienchef Jörn Wolf. Befinden über Rajkovic Zukunft müsse der Vorstand mit Arnesen. Die Sachlage sei klar und es bestehe «kein Zeitdruck» (Wolf), da der Profi ja ohnehin suspendiert und auch nicht vor Ort sei. Dass der HSV seinen ersten Test auf der einwöchigen Tour 6:0 (3:0) gegen den FC Suwon II gewann, war somit ein Randaspekt. Zwei Tore erzielte dabei übrigens Rajkovic-Opfer und Lokalmatador Son.