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Ramsauer Hellau wird immer leiser

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Seit den 50er-Jahren gibt es den berühmten Ramsauer Faschingszug. Derzeit steht seine Zukunft in den Sternen. Fotos: Fritz Rasp
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An Ideen mangelte es den Ramsauerinnen und Ramsauern bei ihrem Faschingszug noch nie.

Ramsau - Eigentlich hatten sich die Ramsauer Narren im letzten Jahr nur eine verlängerte Verschnaufpause verordnet. Heuer sollte der traditionelle Faschingszug in Ortsmitte wieder über die Bühne gehen. Doch das große Hellau bleibt auch diesmal wieder aus. Die Auflagenflut und die damit verbundenen haftungsrechtlichen Bedenken sind der Grund dafür, dass keiner die Verantwortung übernehmen will. »Es unterschreibt niemand«, sagt Fritz Rasp, der jahrzehntelang an der Spitze der Ramsauer Faschingsmacher gestanden hatte.


Dabei hatte im letzten Jahr alles noch so gut ausgesehen. Von einer »verlängerten Verschnaufpause« hatte der »Berchtesgadener Anzeiger« berichtet, nachdem die Ramsauerinnen und Ramsauer einen Faschingszug 2013 ins Auge gefasst hatten. Grund für den zwischenzeitlichen Optimismus war die Aufklärung durch den Bad Reichenhaller Rechtsanwalt Frank Starke gewesen, der den Zuhörern etwas die Angst vor der Verantwortung nehmen konnte. Weil das Faschingsspektakel aber auf die Schnelle nicht mehr zu organisieren war, hatte man sich auf das Jahr 2013 verständigt.

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Doch den Ramsauer Närrinnen und Narren ist mittlerweile wieder zum Weinen. Die Auflagenflut wird immer größer, die Verantwortung steigt. »Keiner traut sich, das Wagnis einer Unterschrift einzugehen«, sagt Touristinfoleiter Fritz Rasp. Sechsmal hatte er selbst bei den vergangenen Faschingszügen, die alle vier Jahre über die Bühne gingen, die Fäden in der Hand. Und es war ihm selten wohl dabei. »Ich hatte viele schlechte Nächte. Schließlich hast du es letztendlich nicht in der Hand, ob ein Unfall passiert oder nicht«, sagt Rasp nachdenklich. Dazu kam der tödliche Unfall beim Scheffauer Faschingszug, der das Risiko noch bewusster machte.

Bislang ließ sich auch beim SK Ramsau niemand finden, der einen Faschingszug verantwortlich auf die Beine stellt. Dabei weiß Fritz Rasp, dass der Wunsch nach einem erneuten Gaudiwurm in der Nationalparkgemeinde und in der ganzen Region sehr groß ist. Schließlich ist der bekannte Ramsauer Fasching seit den 50er-Jahren eine Riesenattraktion. Mit bis zu 20 großen Gefährten und viel Fußvolk präsentierten sich die einheimischen Narren den bis zu 3 000 Zuschauern zwischen Pfeiffenmacherbrücke und Rathaus.

Immerhin will man sich in der Ramsau nach den närrischen Tagen noch einmal zusammensetzen, um über die Zukunft der »Fünften Jahreszeit« in der Nationalparkgemeinde zu diskutieren. Vielleicht kann man sich ja auf einen Kompromiss wie in Teisendorf (siehe Seite 10) einigen. Dort gibt es heuer einen Faschingszug, der nur aus Fußvolk und ohne motorisierte Gefährte stattfindet. »Das wäre eventuell eine Möglichkeit«, räumt Fritz Rasp ein.

Immerhin soll der Fasching in der Ramsau heuer nicht ganz ausfallen. So plant der MSC Ramsau für Faschingssamstag ein Faschingsskispringen am Hochschwarzeck. Da muss Frau Holle allerdings noch kräftig schütteln, ehe die Narren ihre Sprungskier unterschnallen können. Ulli Kastner

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