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»Jetzt noch langsamer« mit Ottfried Fischer in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS

Rasender Künstler – ratloses Publikum

Vor wenigen Wochen, am 7. November, wurde er 63 Jahre alt, der Münchner Schauspieler, Kabarettist und Autor Ottfried Fischer, bekannt aus TV-Serien wie »Der Bulle von Tölz« oder »Pfarrer Braun« und als Gastgeber der BR-Sendung »Ottis Schlachthof«, wo er 17 Jahre lang arrivierten Kollegen wie auch talentierten Nachwuchskünstlern ein Podium bot.

Kreuz und quer ging es beim Auftritt von Ottfried Fischer in Traunstein. (Foto: Heel)

Jetzt war er in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS zu Gast, wo er sein aktuelles Programm »Jetzt noch langsamer« vorstellte, eine Art »Best of« aus seinem solokabarettistischen Lebenswerk, blechmusikalisch begleitet von Leo Gmelch. Leider war es ein Auftritt, der selbst eingefleischte Fans des beliebten Humoristen eher enttäuscht und ratlos zurückgelassen haben dürfte. Schuld daran war sicher auch »Kollege Parkinson«, wie Fischer seine Krankheit nennt, die er Anfang 2008 publik gemacht hat und die ihm das Leben zunehmend schwerer macht.

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Aber es lag auch daran, dass er, vor allem im ersten Teil des Abends, derart auf die Tube drückte, dass von seinen arg genuschelten Ausführungen vieles unverständlich blieb. Zumal auch ein Konzept oder roter Faden nicht sichtbar wurde, außer vielleicht in seiner Hassliebe zu Bayern. Stattdessen ging es kreuz und quer, wobei es zwar immer wieder glänzende Momente gab, wenn Fischers Witz, Spott und Ironie ins Schwarze trafen, wenn er etwa Beckenbauer zu Hoeneß sagen ließ: »Du hast es schon hinter dir«, oder über Altötting, dem »bayerischen Mekka«, räsonierte, ansonsten blieb die Ausbeute aber dürftig bzw. auf dem Niveau von: »Der Arzt hat mir das Turnen verboten.« – »Wieso?« – »Weil er unter mir wohnt.«

Etwas geruhsamer (und verständlicher) ging Fischer es nach der Pause an. Da rezitierte er etliche Gedichte, u. a. von Hanns-Dieter Hüsch, und gab Passagen aus seiner 2013 erschienenen Autobiografie »Das Leben – ein Skandal« zum Besten, etwa von der Uschi, seiner ersten Liebe, von der keiner wusste, am allerwenigsten die Uschi selbst. Mit einer liebevollen Hommage an den Stones-Hit »Ruby Tuesday« beendete Fischer den Abend, der trotz aller Unzulänglichkeiten doch kein gänzlich verlorener Abend war. Wolfgang Schweiger