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Rastlos und introvertiert: der Elektromusik-Weltstar Avicii

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Avicii
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Dem schwedischen DJ und Produzenten Avicii gelang mit Stücken wie «Wake Me Up» und «Levels» der Welterfolg. Foto: Yui Mok/PA Wire Foto: dpa

Zu seinen Hits »Wake Me Up« und »Levels« tanzte die Welt. Mit nur 28 Jahren ist der Ausnahmemusiker Avicii gestorben - gerade dann, als er seinen Weg gefunden hatte.


Stockholm (dpa) - Er galt als der Posterboy der neuen Elektromusik, als Pionier und Überwinder zugleich. Zu einer Zeit, als die Beats aus dem Club in den Mainstream gelangten, trug das Phänomen vor allem das scharf geschnittene Gesicht des Schweden Avicii.

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1989 als Tim Bergling in Stockholm geboren, fängt er mit 16 an zu mixen, mit 18 tourt er als DJ durch die Clubs. Nach vier Jahren erhält er die erste Grammy-Nominierung, eine weitere folgt 2012, für das kristalline »Levels«. Sein »Wake Me Up« von 2013, mehr Dauer- als Sommerhit, steht lange auf Platz eins der am häufigsten gespielten Lieder auf Spotify.

Avicii - ein Freund hatte ihm den Tipp für diesen Künstlernamen gegeben, der sich von der tiefsten buddhistischen Hölle »Avici« herleitet - befeuert die Elektromusik über Genregrenzen hinweg. In seinen Welterfolg »Levels« von 2011 schneidet er Zeilen der Jazz-Sängerin Etta James, zu »Wake Me Up« lässt er auch schon mal ein Banjo auf der Bühne spielen. So bunt wie seine Samples ist auch die Liste der Stars, mit denen er musiziert und produziert: Robbie Williams und Lenny Kravitz, Madonna und Chris Martin, Jon Bon Jovi und David Guetta.

Das Grenzenlos-Umtriebige macht ihn aber auch krank. Auf seinen Touren um die Welt, mit Auftritten von Miami bis Shanghai, trinkt er zu viel. Elf Tage verbringt er im Januar 2012 im Krankenhaus, seine Bauchspeicheldrüse hatte sich entzündet. Ein Jahr späten raten ihm Ärzte, seine Gallenblase müsse entfernt werden. Avicii aber produziert weiter, arbeitet an seinem ersten Album, »True«, einem Top-10-Erfolg in mehr als einem Dutzend Ländern. Im März 2014 entnehmen Ärzte dann dem damals 24-Jährigen den Blinddarm und die Gallenblase.

»In diesem Geschäft ist es schwer, Nein zu sagen«, erklärt er seine Rastlosigkeit später dem »Billboard«-Magazin. »Man will alles spielen und überall sein.« 2016 verkündet er, von nun an nicht mehr live aufzutreten. Er wolle dort wieder Musik machen, »wo das alles am meisten Sinn ergibt«: im Studio. Wie Brian Wilson, der angstgetriebene, genialische Liedschreiber der Beach Boys, der die Bühne schon mit Anfang 20 nicht mehr ertrug.

Avicii hört 2016 auf, ein DJ zu sein, und wird noch mehr der Musikmacher, als der er sich immer schon sah. Im August 2017 erscheint eine neue EP mit sechs Stücken. »Avicii ist zurück«, heißt es in einer Kritik, »erfrischt und neu aufgeladen«.

Den Rückzug aus der Öffentlichkeit bedauert Avicii nicht, ebenso wenig wie die Jahre davor. »Es war in gewisser Weise die beste Zeit meines Lebens. Dafür war ein Preis zu zahlen – viel Stress und Angst für mich –, aber es war die beste Reise meines Lebens.«

Seine letzte Reise führte Avicii in den Oman. Am Freitag wurde er dort tot aufgefunden. Avicii wurde 28 Jahre alt.

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