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Rathäuser schränken überwiegend Präsenz ein

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Im Rathaus Berchtesgaden arbeiten alle Beschäftigten in ihren Büros. Die Marktgemeinde bietet als einzige im Talkessel keine Homeoffice-Möglichkeit an. (Foto: Patrick Vietze)

Vier von fünf Talkessel-Gemeinden setzen zumindest teilweise auf Homeoffice – Termine meist nur mit Anmeldung


Berchtesgadener Land – Die Mitarbeiter in den heimischen Rathäusern müssen trotz Corona-Pandemie ihren Aufgaben im Dienst der Bürgerinnen und Bürger nachkommen. Das tun sie auch – allerdings in unterschiedlicher Form. Während in manchen Rathäusern große Teile der Verwaltung ins Homeoffice ausgelagert sind, setzt man andernorts auf Präsenz. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat in Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Ramsau und Marktschellenberg nachgefragt.

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Die Gemeindeverwaltung in Marktschellenberg arbeitet zum Teil aus dem Homeoffice. »Wir haben das schon beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 angeboten«, informiert Bürgermeister Michael Ernst auf Nachfrage. Allerdings darf höchstens die Hälfte aller Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Es komme auch immer darauf an, welche Arbeiten anfielen. Manches könne man im Homeoffice nicht erledigen. Der Bürgermeister selbst arbeitet derzeit von seiner Amtsstube im Rathaus aus. »Ich war im Jahr 2020 auch teilweise im Homeoffice«, so Ernst.

Der Publikumsverkehr ist derzeit ein reines Termingeschäft. Wer etwas im Rathaus zu erledigen hat, muss unter der Telefonnummer 08650/98880 anrufen und sich einen Termin geben lassen. »Wir wollen, dass sich möglichst keine Leute im Wartebereich im Rathaus aufhalten, damit es nicht zu Ansteckungen kommt«, betont der Rathauschef. Corona- beziehungsweise Quarantänefälle gab es bereits im vergangenen Jahr. Da die Verwaltungsangestellten aber im Schichtbetrieb arbeiten, konnte eine Schicht einfach weiterarbeiten, während die andere in Quarantäne geschickt wurde.

Die einzelnen Abteilungen des Marktschellenberger Rathauses sind ganz normal unter ihren Durchwahlen erreichbar. Sollte ein Kollege nicht gleich zu erreichen sein, sei das kein Problem. Die Kollegen informierten diesen dann und derjenige rufe zurück, versichert Michael Ernst. Das Rathaus sei im Übrigen zu den üblichen Geschäftszeiten erreichbar. Alle Informationen stehen auf der Internetseite gemeinde.marktschellenberg.de.

Warteschlangen vermeiden

Anders sieht es in der Gemeindeverwaltung in Bischofswiesen aus. »Aktuell haben wir keinen Zwei-Schichten-Betrieb«, informiert Geschäftsleiter Rupert Walch. Jeder Mitarbeiter dürfe selbst entscheiden, ob er zu Hause oder im Rathaus arbeitet. Dies hänge auch davon ab, ob jeder die technische Ausstattung für das Homeoffice hat.

Manche Aufgaben müsse man aber im Rathaus erledigen. Walch erklärt dies an einem Beispiel: »Ich arbeite daheim, wenn ich Grundstücksverträge prüfe. Übe ich dagegen meine Aufsichtsfunktion aus, bin ich im Rathaus.« Aktuell hat das Rathaus Bischofswiesen geschlossen. Besuche sind nur mit Anmeldung erlaubt. Die Gemeindemitarbeiter sind nach wie vor telefonisch erreichbar, die Termine werden gestaffelt. »Dadurch vermeiden wir unnötige Warteschlangen im schmalen Gang«, sagt Walch. Im Rathaus gab es bisher einen Quarantäne-Fall, allerdings keinen Corona-Erkrankten.

Der Geschäftsleiter weist darauf hin, dass die Bürger manche Anträge auch ohne Rathausbesuch stellen können. »Die Bürger können einiges online abwickeln«, sagt Walch. Sei es die Anmeldung eines Hundes oder die Fremdenverkehrsbestätigung: Der Bürger findet die Dokumente auf der Internetseite gemeinde.bischofswiesen.de unter »Formulare zur Übersicht«. Walch hofft, dass die Gemeinde den Online-Service für die Bürger künftig erweitern kann.

Effektivität muss stimmen

Homeoffice wird in Ramsau zwar angeboten, tatsächlich arbeitet derzeit aber nur ein Mitarbeiter von zu Hause aus. »Wir haben im Rathaus zum Glück ausreichend Büros, sodass Kontakte vermieden werden können«, sagt Bürgermeister Herbert Gschoßmann. Die Homeoffice-Arbeitsplätze hat man mit Beginn der Pandemie im Frühjahr eingerichtet, »jeder, der sich so sicherer fühlt, hat die Möglichkeit, zu Hause zu bleiben«. Als einzige Bedingung nennt Gschoßmann die Effektivität und Effizienz. »Die Arbeit muss zu Hause genauso erledigt werden.« Wie sich die Mitarbeiter ihre Zeit einteilen, das soll ihnen überlassen bleiben, sofern sie die Ziele erreichen. »Das Ergebnis muss passen.« Nötig ist dafür ein gewisses Maß an Eigenorganisation.

Gschoßmann sieht die Gründe, warum viele im Büro arbeiten, unter anderem darin, dass es so die Möglichkeit gibt, sich mit den Kollegen auszutauschen. »Man ist verwurzelt.« Der Bürgermeister selbst arbeitet mit Terminen, »das war aber immer schon so«. Wer ein Anliegen hat, kann sich weiterhin an die Mitarbeiter der Gemeinde wenden. Sie sind telefonisch zu erreichen und nach Absprache kann auch ein Termin im Rathaus vereinbart werden. »Wir haben dafür extra einen Besprechungsraum.« Tatsächlich waren in Ramsau auch schon Mitarbeiter in Quarantäne. »Es geht zum Glück allen gut.« Herbert Gschoßmann kann sich vorstellen, Homeoffice auch über die Pandemie-Zeit hinaus zu ermöglichen.

Zwei Gruppen wechseln sich ab

Nach den Erfahrungen, die man bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr letzten Jahres gemacht hatte, setzt die Gemeinde Schönau am Königssee mit ihren 15 Rathausmitarbeitern aktuell erneut auf Homeoffice. »Wir haben das Rathauspersonal in zwei Gruppen aufgeteilt«, sagt Bürgermeister Hannes Rasp. Der eine Teil arbeitet am Montag und Donnerstag zu Hause, der andere am Dienstag, Mittwoch und Freitag. »Unser System vom Frühjahr haben wir etwas ausgebaut, das funktioniert sehr gut«, sagt der Rathauschef. Sollte tatsächlich ein Treffen notwendig sein, so wird dieses im Sitzungssaal abgehalten, wo die Abstände leicht einzuhalten sind. Der Geschäftsleiter kann dann gegebenenfalls über das Smartphone dazugeschaltet werden. Ähnlich verhält es sich bei den Abteilungsleiterbesprechungen am Dienstagmorgen, die zum Teil auch über das Smartphone abgewickelt werden. Gemeinderatssitzungen werden aktuell nur dann angesetzt, »wenn es unbedingt sein muss«.

»Eines ist mir wichtig«, sagt Bürgermeister Hannes Rasp: »Wir sind immer alle da, wir sind immer erreichbar.« Allerdings geht das aktuell nur über Termine. »Im Bürgerbüro läuft es problemlos«, betont Rasp und erklärt: »Viele finden es aktuell sogar besser als sonst.« Denn zwischen 8 und 12 Uhr wird aktuell alle halbe Stunde ein Termin vergeben. Deshalb gibt es momentan keine Wartezeiten.

Hannes Rasp ist froh, dass man im Rathaus bislang von Corona verschont blieb. »Es war in puncto Quarantäne schon einmal knapp, aber Gott sei Dank gab es im Rathaus keine Erstkontakt-Personen«, sagt der Bürgermeister, der sich selbst auch tageweise im Homeoffice befindet. Zumeist arbeitet er in der Stube auf dem iPad. Nur wenn er sich ins Rathaussystem einloggen will, muss er auf den Familiencomputer wechseln, der im Arbeitszimmer des Sohnes steht.

Datenschutzrechtliche Bedenken

Gar kein Homeoffice gibt es im Talkessel nur im Rathaus Berchtesgaden. Geschäftsleiter Anton Kurz begründet dies mit »datenschutzrechtlichen Bedenken«. Seiner Meinung nach sind die entsprechenden Programme noch nicht ausreichend sicher. Außerdem arbeite man im Rathaus Berchtesgaden überwiegend in Einzelbüros, nur teilweise in Zweierbüros. Die Ansteckungsgefahr sei damit relativ gering. Lediglich im Bürgerbüro stehen vier Mitarbeiter zur Verfügung. Man setze auf Plexiglasscheiben und Desinfektionsmittel. »Das Rathaus ist grundsätzlich geöffnet, es kann von jedem betreten werden. Wir empfehlen aber, sich vorher einen Termin geben zu lassen«, betont Anton Kurz. Das gilt auch für das Bürgerbüro, das immer nur von einer Person betreten werden darf.

Möglichst beschränken will man in Berchtesgaden die Zahl der Sitzungen. So werden Hauptausschuss- und Bauausschusssitzungen nach Möglichkeit als Onlinemeeting abgehalten. Die anstehenden Beschlüsse werden dann im Rahmen der Gemeinderatssitzung nachgeholt. kll/ag/UK/pv

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