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Rathaus als Galerie für heimische Künstler

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Mit der Platzierung des Schüttbildes »Einen Sommer lang« reagierte Ishild Ramstötter auf das Grün der Vorhänge im Besprechungszimmer. (Foto: Mergenthal)

Aus der Not hat die Marktgemeinde Teisendorf eine Tugend gemacht: Weil ein großes Büro, in dem früher die Kasse untergebracht war, nicht mehr optimal nutzbar war, wurde im Finanztrakt des Rathauses umgebaut. In diesem Zug wurden an den Wänden Galerieschienen angebracht. »Unsere Idee war, heimischen Künstlern eine Plattform zu geben«, sagte Bürgermeister Thomas Gasser bei der ersten Rathaus-Ausstellung, bei der sich die Teisendorfer Malerin Ishild Ramstötter präsentiert.


»Die Bürger können die Wartezeiten zum Betrachten der Bilder nutzen«, erläuterte Gasser. Der Vorteil sei auch, dass die Exponate nicht völlig unbeaufsichtigt seien. Angedacht sei, die Bilder vierteljährlich zu wechseln.

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Nachdem der Bürgermeister auf die Umbauarbeiten und Verbesserungen der Büroarbeitsplätze eingegangen war, würdigte er auch die Bereitschaft von Ishild Ramstötter als erfahrener ortsansässiger Künstlerin, mit ihren Bildern den Anfang zu machen. Sie betrachtete es als interessante Herausforderung, auf die Gegebenheiten der Räume, wie das Grün des Vorhangs im Besprechungszimmer, die grünen Stühle im Flur und die Beleuchtungssituation, zu reagieren.

Im Hauptflur platzierte sie unter anderem zwei Bilder zum Thema Salz, die sie für einen Kunstwettbewerb anlässlich der 850-Jahr-Feier von Landsberg am Lech 2012 gemalt hatte. Insgesamt besteht diese Serie aus vier Bildern. Eines davon unter dem Motto »Dauer und Zerbrechlichkeit«, das nun auch im Rathaus gezeigt wird, war damals in Landsberg ausgestellt.

Die Ecke beim Kopiergerät hellte sie mit einem abstrakten Bild mit kraftvollem Orange, Schwarz und viel Weiß mit dem irgendwie passenden Titel »Carpe Diem« (Nutze den Tag) auf. Schräg gegenüber finden sich zwei Frauengesichter aus Ramstötters Reihe »Weibsbilder«. Eines davon zeigt eine Frau mit dunklem Teint und einem nicht von oben, sondern seitlich ins Gesicht ragenden Schleier. »Das kann auch ein bisschen ein Spiegel oder ein Versteck sein«, erläuterte die Malerin, die mit den offenen Augen der Frau deren ungebrochene Neugierde andeuten wollte.

Ein von Grün- und Blautönen dominiertes Triptychon mit einer angedeuteten Riesen-Schüssel hat sie symbolhaft »Brot für die Welt« getauft. Im Besprechungszimmer fand das Schüttbild »Einen Sommer lang«, das grün, blau und gelb schimmert, Platz. Seinen Titel hat es durch die etwa einen Sommer währende Entstehungszeit bekommen. Das dauere manchmal 14 Tage, bis eine geschüttete Farbpfütze wieder trocken ist, sagte Ramstötter erklärend.

Zu einem kraftvollen Bild mit schwungvollen Bögen und Streifen und Leuchtend-Rot, Orange, Hellblau und Weiß sowie Ocker als Grundfarbe im hell erleuchteten kleinen Gang zu den neuen Büros haben sie die Farbflecken auf dem Boden der Reichenhaller Kunstakademie inspiriert. Der Titel »Leben – Energie – Bewusstsein« verkörpert für die Teisendorferin ihr Lebensmotto, das Bewusstsein, im Jetzt zu leben, und die Verbindung zu den Elementen wie Wasser, Luft, Sonne/Feuer und Sand/Erde. Ein anderes Bild mit dem Namen »Neue Galaxien« wiederum ist auf Weiß, Schwarz und Grau reduziert. Die Bilder sind bis Oktober zu sehen. Veronika Mergenthal