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Ratlose Hoffenheimer halten noch zu Babbel

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Hoffenheims Trainer Markus Babbel weiß nicht mehr weiter. Foto: Daniel Karmann Foto: dpa

Nürnberg (dpa) - Zwanzig Minuten lang suchte Manager Andreas Müller in der Mixed Zone fieberhaft nach Erklärungen, dabei hatte der leere Blick von Markus Babbel schon alles gesagt. Die Reaktion von Hoffenheims Trainers auf das deprimierende 2:4 beim in Nürnberg symbolisierte die pure Ratlosigkeit.


«Ich habe mich lange schützend vor die Spieler gestellt, aber irgendwann ist auch mal ein Punkt erreicht, wo ich erwarten kann, dass die einfachsten Dinge hundertprozentig umgesetzt werden», stammelte Babbel fast entmutigt, «die Jungs müssen kapieren, dass es um unglaublich viel geht.»

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Legt man die blasse und kämpferisch dürftige Vorstellung vom Mittwochabend aus Nürnberg zugrunde, haben Babbels Fußballer den Ernst der Situation in der Bundesliga noch immer nicht erkannt. Realität ist Tabellenplatz 16, der die TSG in die Abstiegsrelegation schicken würde. Nur, dass die prekäre Situation weder zur wenig engagierten Hoffenheimer Leistung während der 90 Minuten noch zum Auftritt danach passte: Die wenigsten Spieler zeigten sich den Journalisten überhaupt - und die, die hervorkamen, versprühten eine solche Lockerheit, dass es schon fast verwunderte.

Mächtig sauer waren stattdessen Babbel und Manager Andreas Müller, immerhin erhielt der angeschlagene Coach für die nächste Partie an diesem Sonntag gegen Werder Bremen eine Arbeitsplatzgarantie von seinem Chef. Und das, obwohl der aus seinem Zorn keinen Hehl machte. «Du kannst den erfolgreichsten Trainer der Welt auf die Bank setzen. Aber wenn du so einfache Tore kriegst, muss ich mich als Spieler doch auch mal hinterfragen, ob das sein kann, dass man in der Bundesliga so naiv ist», klagte Müller. «Ich weiß nicht, was in den Köpfen der Spieler ist, ob sie genau wissen, auf was es jetzt ankommt.»

Dilettantisch wie Liga-Neulinge hatten sich die Hoffenheimer bei den meisten der vier Gegentore durch Nürnbergs überragenden Japaner Hiroshi Kiyotake (6./86. Minute), Per Nilsson (43.) und Sebastian Polter (69.) angestellt. Was danach blieb, waren Durchhalteparolen und Phrasen en masse. Der Trainer stehe ja nicht auf dem Platz, meinte Müller salopp, also könne er auch nichts für die dritte Niederlage am Stück. Babbel leiste gute Arbeit, man müsse zusammenstehen, und ja, sogar: «Wir sitzen alle in einem Boot.»

«Ich als Spieler müsste mich doch jetzt wahnsinnig ärgern», meinte der Ex-Profi außerdem. Und ein bisschen klang die Forderung nach einer Trotzreaktion wie eine letzte Warnung an die TSG-Millionäre, bei denen einzig der flinke Sven Schipplock in Nürnberg richtig überzeugte. Das schöne Tor des 24-Jährigen (33.) und das glückliche durch den Handelfmeter von Sejad Salihovic (81.) konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Hoffenheimer angesichts zahlreicher FCN-Chancen auch noch deutlicher hätten verlieren können.

Dabei hatte Trainer Babbel nach der Pleite gegen Leverkusen noch so etwas wie einen Neuanfang herbeireden wollen. Die Englische Woche kommt dem 40-Jährigen nun zugute, bis zum Sonntag wäre die Zeit für einen Trainerwechsel wohl zu kurz. Das Bremen-Spiel gilt als seine letzte Chance. Was bei einer neuerlichen Pleite passiert, wird dann auch Müller zu entscheiden haben. Am Mittwochabend verzichtete er auf eindeutige Bekenntnisse zum Noch-Coach, auch am Freitag wird er das nicht tun können. Für die turnusmäßige Pressekonferenz hatte er schon Anfang der Woche abgesagt - wegen eines Arzttermins.