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Ratsch und Tratsch im Treppenhaus

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Brummer (Helmut Loipfinger) und Frau Kraus (Sabine Loipfinger) kamen sich näher. Die nächste Aufführung ist am Samstag um 19 Uhr. (Foto: Konnert)

Waging am See – Den alltäglichen Wahnsinn in seiner überspitzten Form führt das Waginger Kolping-Theater in der diesjährigen Spielzeit den Zuschauern im Pfarrsaal vor. Um die Klatschtante Martha Polt, im Stück als »alte Quadratratschn« bezeichnet, entwickelt sich ein Verwirrspiel, in dem Nachbarschaftsbeziehungen, schwierige Mietverhältnisse, Liebe auf den ersten Blick, belastete Eltern-Kind-Beziehungen und ein Kaninchenzuchtverein eine Rolle spielen. »Man wundert sich halt nur«, sagt Frau Polt, was in einem Münchner Miethaus so alles passiert und durch Tratsch, Lügereien und üble Nachrede befeuert wird. Und freut sich, dass sich bis zuletzt durch die Raffinesse und Liebe zweier junger Leute, alles zum Guten wendet. Dazwischen liegen viele lustige Momente und Aussagen, bei denen die Schauspieler die Lacher auf ihrer Seite haben.


Das Kolping-Theater Waging hat die Komödie von Jens Exler mit kurzen, aber sehr gut gewählten Anspielungen – von Wucherpreisen bei Mieten bis zur falschen Strategie, auf den Diesel zu setzen –; damit wird die Aktualität der Handlung unterstrichen, ohne dass dabei das Bild der engen, kleinbürgerlichen Atmosphäre, die in dem Mietshaus herrscht, leidet. Im Gegenteil, es wird durch Kleidung wie Kleiderschürzen oder zu kurze Cordhosen, Kehrwoche und Teppichklopfen und Hobbys wie Kaninchenzucht unterstrichen.

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Frau Polt (Margit Weinmann), eine der Mieterinnen, ist ständig im Treppenhaus unterwegs, damit sie ja alles hört und erfährt, was in dem Haus so passiert. Sie horcht und spioniert an Treppen und bringt jede »Neuigkeit« direkt an den Mann oder die Frau, vor allem auch an den Hauswirt und Metzgermeister Lindner (Wiggerl Stief). Auch vor kleinen Intrigen, Betrügereien oder Lügen scheut sie nicht zurück.

Auf einer Etage lebt der pensionierte Steueroberinspektor Brummer (Helmut Loipfinger), Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins. Die Wohnung ihm gegenüber bewohnt die Witwe Kraus (Sabine Loipfinger), ernst, verhärmt aber hilfsbereit. Beide liegen anfangs im Clinch. Beide vermieten, eher aus Hilfsbereitschaft denn aus Geldgier, eine Kammer ihrer Wohnung an junge Leute: Brummer an seinen von zuhause ausgezogenen Neffen Markus (Michael Huber), Frau Kraus an die ebenfalls von zuhause weggelaufene Tochter Silke (Franziska Mader) ihrer Chefin Johanna Seefeldt (Monika Mader).

Die Verwechslungen und Verwirrungen nehmen zu, angeheizt durch die Intrigen und Gerüchte, die Frau Polt nach allen Seiten verbreitet. Die jungen Leute verlieben sich ineinander und durchschauen am schnellsten ihr perfides Spiel. Während und nach dem Stiftungsfest des Kaninchenzuchtvereins, an dem alle Handelnden teilnehmen, kommt die Handlung zu ihrem Höhepunkt und ihrer Lösung: Markus und Silke wollen heiraten, Brummer und Frau Kraus kommen sich näher. Silke versöhnt sich mit ihrer Mutter und wird gemeinsam mit Markus den Betrieb – ein Autohaus – übernehmen. Frau Polt aber wird als alte Tratschtante entlarvt und ins Abseits gestellt.

Die zeitweise trotz aller Verwirrungen leicht zu durchschauende Handlung lebt vom überzeugenden Spiel aller Akteure. Besonders hervorzuheben sind Margit Weinmann, die die Rolle der Frau Polt durch Sprache, Mimik und Gestik voll ausfüllt und Helmut Loipfinger, der sich vom brummigen, spießigen Beamten in Ruhestand in einen richtigen Charmeur verwandelt. Das einfache, aber aussagekräftige Bühnenbild gibt den Schauspielern viel Raum zur Entfaltung.

Regie führte Monika Mader. Für das gelungene Bühnenbild zeichneten Andi Mader und Ansgar Weinmann mit Helfern. Sophia Hötzendorfer sorgte als Souffleuse dafür, dass keiner der Schauspieler über Textlücken gestolpert ist. Die Zuschauer bedankten sich bei den Laienschauspielern der Kolpingfamilie Waging mit lang anhaltendem Applaus für die gelungene Vorstellung. Es war ein unterhaltsamer Abend auf den der Satz von Margit Weinmann »es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es die lieben Nachbarn nicht wollen« gut passte. An Aktualität hat er nicht verloren.

Weitere Aufführungen gibt es im Waginger Pfarrsaal am Samstag, 12., und Sonntag, 13. Januar sowie am Samstag, 19., und Sonntag, 20. Januar. Samstags, beginnen die Vorstellungen um 19 Uhr, sonntags bereits um 18 Uhr. Die Abendkasse öffnet jeweils eine Stunde vor Beginn. kon

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