»Raus aus dem Haus, es pressiert«

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Traunstein – Schreck in Traunstein: Eine Bombendrohung für das Landratsamt und die an die Behörde angegliederte Kfz-Zulassungsstelle ist am Donnerstag um 9.24 Uhr per E-Mail in der Zulassungsstelle eingegangen. Nur kurze Zeit später waren sämtliche Landratsamt-Gebäude leer, die rund 450 Mitarbeiter evakuiert. Nach dreieinhalb Stunden, gegen 13 Uhr, konnte Entwarnung gegeben werden. »Wir haben keinen Sprengstoff gefunden«, sagte Christian Langenmair, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.


»Plötzlich hieß es 'Raus aus dem Haus, es pressiert'«, erzählte Gartenbau-Kreisfachberater Georg Unterhauser im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Die rund 200 Mitarbeiter aus dem Haupthaus versammelten sich im nahen Stadtpark. »Wir haben für solche Fälle einen Alarmplan, der ist gut eingespielt«, so Roman Schneider, der Pressesprecher des Landratsamts. Er kann sich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gab. »Zumindest nicht in den vergangenen 20 Jahren.«
Die E-Mail mit der Bombendrohung hatte den Absender warnungtraunstein@safe-mail.
net. Darin hieß es: »Eine Bombe wurde sowohl in der Zulassungsstelle als auch im Landratsamt versteckt.« Die elektronische Nachricht leiteten die Mitarbeiter der Zulassungsstelle sofort ans Landratsamt weiter. Und dort schaltete man umgehend die Polizei ein. Die Weisung von dort kam sofort und unmissverständlich: »Schnell räumen!« Dazu hatte auch der anonyme E-Mail-Schreiber mit zweifelhaftem Humor aufgefordert: Seine E-Mail beendete er mit dem Satz: »Beeilen Sie sich und viel Glück.«
Landrat Siegfried Walch, der sich von der Bombendrohung zumindest äußerlich nicht aus der Fassung bringen ließ, zeigte sich schlagfertig: »Der Mann hat Humor. Aber wir auch. Einige unserer Mitarbeiter haben im Stadtpark schon ihre Morgengymnastik absolviert:« Einige von ihnen überbrückten die Zeit in einem nahen Biergarten. Denn nicht nur die Büros waren über Stunden gesperrt, sondern auch die Tiefgarage mit den Dienstwagen. So war es auch nicht möglich, Außentermine wahrzunehmen.
Sperrung von
Gebäude und Straßen
Walch war gerade in einer Aufsichtsratssitzung gesessen, als er die Nachricht von der Bombendrohung erhalten hatte. »Der Schreck war nicht so groß«, sagte er. Die Räumung der Gebäude sei ruhig verlaufen. Das Vorgehen der Polizei lobte der Kreischef als »hochprofessionell«.
Gut eine viertel Stunde nach Eingang der E-Mail waren die Einsatzkräfte vor Ort. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, sie nahm die Drohung sehr ernst. Im Einsatz waren laut Christian Langenmair insgesamt 37 Beamte der Polizeiinspektion Traunstein, der Verkehrspolizei Traunstein, vom Einsatzzug, dem Operativen Ergänzungsdienst (OED), drei Hundeführer, drei Streifen der Bundespolizei und Beamte der Polizeiinspektion Trostberg und Ruhpolding. Sie sperrten die Areale rund um die Behörden-Gebäude großräumig ab. Auch die Marienstraße und die Katharinenstraße warden gesperrt. Mit drei Spürhunden durchsuchten Experten die Gebäude. Nachdem die Tiere immer wieder eine Pause brauchten, dauerte der Einsatz letztlich gut drei Stunden. Um 13 Uhr konnte glücklicherweise Entwarnung gegeben werden. »Gott sei dank sind solche Bombendrohungen sehr selten,« sagte Polizeipressesprecher Christian Langenmair. »Doch ernst nehmen muss man sie auf alle Fälle. Man muss zunächst einmal davon ausgehen, dass eine Gefahr besteht.«
Völlig unklar ist bislang, wer die E-Mail geschickt hat. »Das ist relativ kompliziert, das herauszufinden«, sagte Polizeipressesprecher Christian Langenmair. »Wir werden versuchen, das Ganze über die IP-Adresse herauszufinden. Wenn die E-Mail allerdings aus dem Ausland kam – und da kommen solche E-Mails oder Betrügere-Mails oft her – dann könnten die Ermittlungen durchaus auch ins Leere laufen.«
»Natürlich gibt es
immer wieder mal Stress«
Falls der Absender ausfindig gemacht werden kann, dann habe er mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Außerdem werde man natürlich versuchen, ihn heranzuziehen bei den Kosten für den Einsatz, so Langenmair. Wie hoch diese sind, dazu wollte er nichts sagen. Außerdem droht dem E-Mail-Schreiber eine zivilrechtliche Klage vom Landratsamt. »Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir natürlich noch nicht, ob wir da etwas unternehmen«, sagte Roman Schneider. Auf die Frage, ob man einen Verdacht habe, wer die E-Mail geschickt haben könnte, sagte der Pressesprecher des Landratsamts: »Natürlich gibt es immer wieder mal Stress und Leute, die unzufrieden sind mit der Behörde. Aber nichts, was sich nicht so klären lassen würde.«     KR/san

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