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Reaktionen auf den DFL-Beschluss

DFB-Präsident
Wolfgang Niersbach ist mit dem Beschluss der DFL zufrieden. Foto: Piotr Pedziszewski Foto: dpa

Berlin (dpa) - Die 36 Proficlubs haben ein neues Sicherheitskonzept im deutschen Fußball mehrheitlich verabschiedet. Die Nachrichtenagentur dpa hat die Reaktionen auf den DFL-Beschluss zusammengestellt:


Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): «Dass die deutliche Mehrheit der Lizenzvereine Geschlossenheit demonstriert und für das Sicherheitskonzept gestimmt hat, ist ein wichtiges Zeichen für den gesamten Fußball und die überwältigende Mehrheit der friedlichen Fans in Deutschland. Wir brauchen den Dialog zwischen allen Beteiligten, aber auch einheitliche Leitplanken, an denen sich alle orientieren können.»

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Helmut Sandrock (DFB-Generalsekretär): «Nach den vielen Diskussionen der vergangenen Wochen und Monate ist diese Entscheidung ein wichtiger Schritt, der hoffentlich weiter zur Versachlichung dieser Thematik beiträgt. Wichtig ist nun, dass alle Vereine die beschlossenen Maßnahmen konsequent und im Dialog mit ihren Fans umsetzen.»

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern München): «Es war nie geplant, dass wir uns von den Fans entfernen, es scheint mir nur in der Kommunikation etwas schief gelaufen zu sein.»

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): «Es gibt keine Sieger und Verlierer. Mit diesem Kompromiss können sich die meisten arrangieren. Nur diejenigen, die auf Gewalt und Pyrotechnik aus sind, werden damit nicht zufrieden sein.»

Carl-Edgar Jarchow (Vorstandsvorsitzender Hamburger SV): «Dem überwiegenden Anteil der 16 Einzelanträge haben wir inhaltlich aus Überzeugung zugestimmt. Allerdings hatten wir den Antrag auf eine Vertagung zur Abstimmung bezüglich des Sicherheitskonzeptes gestellt, der aber mehrheitlich abgelehnt wurde. Aus unserer Sicht ist es bedauerlich, dass wir es nicht geschafft haben, mehr Zeit zu gewinnen, um im Dialog mit den Fans für mehr Vertrauen in und Verständnis für das Sicherheitskonzept zu werben.»

Gerd Mäuser (Präsident VfB Stuttgart): «Ich denke, das Ergebnis ist insgesamt positiv für den deutschen Fußball und seine 36 Profi-Clubs zu werten. Mit den heutigen Entscheidungen ist ein wichtiger Schritt getan, die Unabhängigkeit des Fußballs gegenüber der Politik zu wahren. (...) Wir haben allen 16 Einzelanträgen zugestimmt.»

Klaus-Dieter Fischer (Geschäftsführer Werder Bremen): «Wir hätten es begrüßt, wenn diese Debatte nicht unter dem gegenwärtigen Zeitdruck hätte stattfinden müssen. Die Vertagung wäre ein hilfreicher Schritt gewesen, die aktuelle Hektik aus den Diskussionen zu bannen und intensive Gespräche abseits aktionistischer Reflexe zu führen, (...) Wir haben uns in den vergangenen Wochen intensiv gemeinsam mit unseren Fangruppierungen und Fanclubs mit dem Positionspapier der DFL beschäftigt, haben Änderungsanträge eingereicht und konnten an einigen wichtigen Stellen Verbesserungen erzielen. Diese Möglichkeit der Einflussnahme hat uns bewogen, keine Blockadehaltung einzunehmen. Das erschien uns am Ende nicht zielführend.»

Fritz Keller (Präsident SC Freiburg): «Es wurde sehr gewissenhaft diskutiert. Das Konzept hat noch einmal deutliche Veränderungen erfahren im Vergleich zur Ausgangssituation. Ich hoffe, dass den Kritikpunkten nach der ersten Version Rechnung getragen wurde. Nahezu allen Vereinen ist klar geworden, dass die jetzt beschlossenen Inhalte der beste Weg sind.»

Roger Lewentz (Innenminister Rheinland-Pfalz): «Das entspricht der Forderung der Innenminister und sorgt für mehr Sicherheit in den Stadien.»

Dirk Zingler (Präsident 1. FC Union Berlin): «Es gibt keinerlei Veranlassung, sich einem wodurch auch immer motivierten politischen Druck zu beugen und zum jetzigen Zeitpunkt symbolisch eine Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, die überhaupt nie infrage stand. Für ein solches Handeln steht der 1. FC Union Berlin nicht zur Verfügung.»

Philipp Markhardt (Sprecher der Organisation «ProFans»): «Wir machen uns nicht zum Büttel von Herrn Rauball. Der Stil ist unter jeder Kanone.»

Martin Kind (Präsident Hannover 96): «Die mehrheitliche Zustimmung ist eine Entscheidung der Vernunft.»

Uwe Schünemann (Innenminister Niedersachsen): «Dies ist ein guter Tag für die Sicherheit im Zusammenhang mit Fußballspielen. Auf dieser Grundlage können wir jetzt die weitere Zusammenarbeit mit den Vereinen, der DFL und dem DFB auf ein sicheres Fundament stellen. Fußballchaoten müssen isoliert werden. Mit den Beschlüssen setzen die Vereine ein deutliches Signal für mehr Sicherheit.» Wir werden zusammen mit den Vereinen noch mehr für die Fanarbeit tun und dort gemeinsam sehr viel Geld investieren.»

Ralf Jäger (Innenminister Nordrhein-Westfalen): «Dass DFL und Vereine mehrheitlich das Sicherheitskonzept beschlossen haben, ist ein Schritt in die richtige Richtung Jetzt geht es darum, die Maßnahmen auch umzusetzen. Vereine und Verbände müssen sich weiter daran machen, die Sicherheit rund um die Fußballspiele zu verbessern. Es kann auf Dauer nicht an der Polizei hängenbleiben, jedes Wochenende Mängel in den Sicherheitskonzepten der Vereine auszugleichen.»

Bernhard Witthaut (Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei): «Das ist ein klares Signal, für mehr Sicherheit in den Stadien zu sorgen. Das Strategiepapier löst jedoch nicht das Gewaltproblem außerhalb der Stadien und mindert auch nicht die massive Einsatzbelastung der Polizei, besonders bei der An- und Abreise der Fans.»

Rainer Wendt (Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft): «Es war höchste Zeit, dass der zunehmenden Gewalt in und um deutsche Fußball-Stadien mit konkreten Maßnahmen begegnet wird. Die Richtung, die die DFL jetzt einschlägt, ist nachvollziehbar. Strengere Einlasskontrollen, verstärkte Videoüberwachung und Sanktionsmöglichkeiten können dafür sorgen, Gewalt gar nicht erst aufkommen zu lassen. Es hängt nun vom Verhalten der Fans ab, ob es tatsächlich zu schärferen Sicherheitsmaßnahmen kommt.»

Philipp Markhardt (Sprecher von «ProFans» und «12:12»-Kampagne): «Es steht im Raum, dass weiter protestiert wird. Es waren mehrere Hundert Fans in Frankfurt vor Ort. Da gab es schon die Gespräche, machen wir mit dem 12:12-Protest weiter oder nicht. Entweder Dialog von Anfang an, oder man lässt es gleich bleiben, allerdings werden wir uns nicht von Herrn Rauball ein Sicherheitspapier vor die Nase setzen lassen, das wir dann auch noch umsetzen sollen.»

Andreas Breitner (Innenminister Schleswig-Holsteins): «Die Innenminister werden jetzt sehr genau beobachten, ob die einzelnen Maßnahmen tatsächlich dazu beitragen, die Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen einzudämmen - ansonsten muss nachgesteuert werden.»

Reinhold Gall (Innenminister Baden-Württemberg): «Geredet wurde lange genug, jetzt müssen die Maßnahmen auch umgesetzt werden.»

Max Eberl (Sportmanager Borussia Mönchengladbach): «Wir sind zufrieden, dass es im Sinne des Fußballs so verabschiedet wurde. (...) Wer das Papier liest wird sehen, dass in dem Papier nichts wirkliches Dramatisches steht.»

Stefan Kuntz (Vorstandsvorsitzender 1. FC Kaiserslautern): «Wir haben in der Kommunikation vorher nicht ganz glücklich agiert. (...) Es ist zur Verpflichtung gemacht worden, mit den Fans in Dialog zu gehen. (...) Es ist individuell wichtig, auf die Fans zuzugehen.»

Axel Hellmann (Finanzvorstand Eintracht Frankfurt): «Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen. (...) Dieses Papier ist mit dem Papier vom Anfang nicht zu vergleichen. Da haben die Fans einen großen Anteil dran. (...) Die Verankerung von Dialog zwischen Fans, Vereinen und Verbänden erhält meiner Meinung nach die Fankultur.»

Harald Strutz (Präsident FSV Mainz 05): «Ich bin sehr froh, dass alle Vereine hinter uns waren. (...) Es muss ein Bewusstsein geschaffen werden, dass es um ein Miteinander und nicht um ein Gegeneinander mit den Fans geht. (...) Zu sagen, es wäre ein Triumph, wäre einfach nur sarkastisch. (...) Ich bin froh, dass die Solidarität der Vereine heute so groß war.»

Ben Praße (Fanvereinigung «Unsere Kurve»): «Wir sind enttäuscht, dass der Antrag der Vertagung nicht stattgegeben wurde. (...) Wie die einzelnen Fans reagieren, wird man am Wochenende sehen. Es sind jedoch keine organisierten Maßnahmen geplant.»

Alex Schulz (Fanvereinigung «Pro Fans»): «Die Frustration ist bei vielen Fans groß. (...) Die Gefahr ist groß, dass jetzt Probleme auftreten, die es vorher nicht gab. (...) Wir können unsere Gruppen nur aufrufen, weiter am Dialog zu arbeiten.»

Peter Bircks (Aufsichtsratsvorsitzender FC Augsburg): «Es ist eine solidarische Entscheidung der DFL (...) Die Fans haben deutlich dazugewonnen. (...) Wenn Sie das genau durchlesen, findet eigentlich eine Verbesserung statt.»

Robert Schäfer (Geschäftsführer TSV 1860 München): «Gemeinsam wollen wir uns weiterhin für eine Fußballkultur einsetzen, die Spaß macht. Dazu gehört der Stehplatz auf der Tribüne genauso wie der Fanzug zum Auswärtsspiel. Dagegen distanzieren wir uns ganz deutlich von gesetzeswidrigem Verhalten, wie Gewalt, Pyrotechnik oder sonstigen Verstößen. Durch solche Handlungen werden andere Fußballfans, z.B. durch Verbrennungen, schwer verletzt und dem eigenen Verein erheblicher wirtschaftlicher Schaden zugefügt.»

Markus Ulbig (Innenminister Sachsen): «Eines ist klar, der Prozess muss weitergehen. (...) Pyrotechnik im Stadion ist nicht Fankultur, sondern lebensgefährlich. (...) Es muss einen klaren Konsens gegen Gewalt und gegen den gefährlichen Einsatz von Pyrotechnik geben.»