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Reggae Boyz - Jamaikas Traum von der WM

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Reggae Boyz - Jamaikas Traum von der WM
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Winnie Schäfer in seinem Element. Foto: Arte/Partner Pictures Foto: dpa

Ein deutscher Trainer sollte Jamaikas Fußballer zur Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 führen. Winfried Schäfer entdeckt bei seiner Mission auf der Karibikinsel nicht nur fußballerisches Neuland. Ein Fernsehteam hat ihn begleitet.


Berlin (dpa) - Wenn am 14. Juni im Moskauer Luschnikistadion die Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen wird, ist Jamaika nicht dabei. Auch für die WM 2014 in Brasilien konnten sich die »Reggae Boyz« nicht qualifizieren.

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Damals stand bei Jamaika ein international erfahrener Trainer an der Seitenlinie, Winfried (»Winnie«) Schäfer, heute 68 Jahre alt. Arte zeigt an diesem Mittwoch (21.55 Uhr) in der Dokumentation »Reggae Boyz - Jamaikas Traum von der WM« den gemeinsamen Weg des jamaikanischen Teams mit Schäfer durch die WM-Qualifikation für Brasilien.

Die Ausgangslage ist alles andere als rosig. Mit nur zwei Punkten steht Jamaika auf dem letzten Platz seiner Qualifikationsgruppe des nord- und mittelamerikanischen Fußballverbands CONCACAF, dem auch die karibischen Teams angehören. Die Tage des Trainers Tappa Whitmore, selbst als Spieler bei Jamaikas einziger WM-Teilnahme 1998 dabei, sind gezählt. Als Nachfolger wird der Karlsruher Winfried Schäfer präsentiert, der bereits Kamerun zur WM-Teilnahme geführt hatte.

Die Anforderungen an den neuen Trainer sind klar: »Deutsche sind sehr effiziente Menschen, die Erfolge erzielen«, so der Manager des Hotels, in dem die Nationalspieler bei Heimspielen übernachten. Schäfer gelingt es dann auch, der Mannschaft Selbstbewusstsein einzuflößen. Ein Unentschieden gegen Panama hält den Traum von der WM am Leben.

Der deutsche Trainer versucht bei seiner Mission, das Land auch außerhalb des Fußballplatzes kennenzulernen. So trifft er sich mit Reggae-Legende Bunny Wailer, der einst mit Bob Marley zusammen gesungen hat. Der Rastafari segnet den deutschen Trainer mit seinem »Stab Salomons«, was Schäfer zu einem schüchternen »Thank you« verleitet. Als der Rasta-Musiker ihm dann allerdings einen Marihuanazweig in die Hand drückt, wirkt der Coach doch ziemlich entgeistert.

Amüsante Momente der gelungenen Dokumentation sind vor allem, wenn Schäfer versucht, sich in dem ihm kulturell sehr fremden Land zurechtzufinden. Sein nicht ganz perfektes Englisch trägt zur Belustigung bei, wie bei der Ansprache an seine Spieler vor dem Spiel gegen die USA: »What we need is Männer..äh men, men with eggs. What is eggs in english?«

Die Filmemacher konzentrieren sich aber nicht nur auf Schäfer und seine Spieler, sondern fangen die Atmosphäre des ganzen Landes während der Qualifikation ein. Neben dem Verbandspräsident und dem Teamarzt der »Reggae Boyz« kommen auch immer wieder Musiker und besagter Hotelmanager als einfache Fans zu Wort. Alles natürlich begleitet von jeder Menge Reggaemusik.

In einem sind sich Medien und Fußballfans einig: Wenn einer Jamaika zur WM führen kann, dann Jermaine »Tuffy« Anderson. »Tuffy« ist Stahlarbeiter und spielt als Amateur beim FC Waterhouse in der Hauptstadt Kingston. Schäfer besucht Anderson bei seiner Arbeit und beruft ihn in die Nationalmannschaft. Der dankt es ihm im Spiel gegen Costa Rica mit dem Ausgleichstreffer in der letzten Sekunde, der Jamaika weiter träumen lässt.

Das Märchen des Stahlarbeiters, der es bis zum Nationalheld gebracht hat, überstrahlt dabei die im Endeffekt gescheiterte WM-Qualifikation. »Tuffy« wird zum Vorbild für die Jugend erklärt und soll zeigen, dass es Wege aus dem Teufelskreis von Armut und Gewalt geben kann, der in Jamaikas Städten herrscht.

Nicht alle Jamaikaner sind jedoch begeistert von den »Reggae Boyz«. »Der Ball, den sie treten, ist mein Schädel und der meiner Ahnen. Das war nämlich das Spiel in der Sklaverei«, erzählt Chinna Smith, ehemaliger Gitarrist von Bob Marleys Band The Wailers. »Ich habe Wichtigeres zu tun, als Fußball zu gucken«, ergänzt der Rasta und verschwindet im dichten Nebel seiner Graspfeife.

Schäfer erreichte mit Jamaika zwei Mal das Finale des CONCACAF Gold Cups, das die Karibik-Kicker jeweils gegen Mexiko und die USA verloren. Später verließ der Deutsche nach einer 0:2-Pleite gegen Haiti die Insel und unterschrieb im Oktober 2017 beim iranischen Hauptstadtverein Esteghlal, mit dem er in der Abschlusstabelle auf Platz drei landete.

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