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Rektorin Lotte Zuckerer über die Teilnahme an einem Modellversuch

Berchtesgaden – Die Grundschule Berchtesgaden darf sich von nun an als »Flexible Grundschule« bezeichnen. In einem bayernweiten Modellversuch gehört die hiesige Schule zu 88 weiteren bayerischen Einrichtungen, an denen Kinder die ersten beiden Jahrgangsstufen der Grundschule in einem, zwei, aber auch in drei Jahren durchlaufen können. »Das Ziel ist es, jedem Kind ausreichend Zeit zu geben, die es zum Lernen und zur Entfaltung der individuellen Fähigkeiten benötigt«, so Rektorin Lotte Zuckerer gegenüber der Heimatzeitung.

Berchtesgadens Grundschul-Rektorin Lotte Zuckerer begrüßt den Modellversuch »Flexible Grundschule«. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Das Prinzip hinter der »Flexiblen Grundschule« ist die offene Verweildauer. Ein Kind, das sich beim Lernen leicht tut, hat etwa die Möglichkeit, die zweite Jahrgangsstufe auszulassen. »Früher sagte man dazu, die Klasse zu überspringen«, so Zuckerer. In der flexiblen Schule geht es vielmehr darum, in heterogenen Schulgruppen in kombinierten Klassen unterrichtet zu werden. »Vor allem sollen die Sozialformen verbessert werden«, weiß die Rektorin. Jüngere lernen von Älteren. Homogenen Gruppen möchte man auf diese Weise entgegenwirken. »Genau das ist der Vorteil des flexiblen Systems: Alle sind zusammen in einer Klasse aus maximal 25 Schülerinnen und Schülern vereint.«

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In Berchtesgaden wird die »Flexible Grundschule« in der Oberau angeboten. »Eltern müssen die Wahl haben, ob sie ihre Kinder in die Regelschule schicken oder die flexible Variante«, sagt Zuckerer. In letzterer gilt es, kooperativ zu lernen, dank neuer Materialien und Lernmethoden, die eigens für den Modellversuch entwickelt wurden. Auch soll die Leistungsbewertung künftig anders erfolgen - und zwar je nach individuellem Schülerfortschritt. »Nicht jeder Schüler muss die gleiche Probe zur gleichen Zeit schreiben«, meint Lotte Zuckerer. Es gelte, die Kinder im Auge zu behalten und auf ihre individuellen Entwicklungen als Lehrkraft einzugehen.

So können alle Grundschüler nach eigenem Tempo lernen, »die Schwächeren haben deutlich mehr Zeit, die Stärkeren die Möglichkeit, schneller voranzukommen.« Ob jemand schwächer oder stärker ist, darüber entscheidet unter anderem ein Fähigkeitstest, der zu Beginn durchlaufen werden muss.

Als Partner steht der Berchtesgadener Grundschule die Grundschule Bruckmühl zur Seite. Diese ist seit längerem in dem Projekt verankert. Mindestens drei Jahre soll sich der Zeitraum erstrecken, in dem der Modellversuch läuft. Zuckerer erachtet das Projekt als sinnvoll, »weil der Level der Kinder zu Beginn der Grundschulzeit so unterschiedlich ausfällt.« Insbesondere das Elternhaus sei dafür prägend, aber auch die Kindergartenzeit, die wesentlichen Einfluss nimmt auf die Entwicklung des Kindes.

Bei dem Modellversuch werden die ersten beiden Jahrgangsstufen der Grundschulen pädagogisch und organisatorisch in einer flexiblen Eingangsstufe organisiert. Vom individuellen Leistungsstand der einzelnen Schüler ausgehend entwickeln die Lehrkräfte ein Lernangebot, mit dem eine optimale Förderung der Kinder möglich ist.

Den Schulen werden je nach Situation vor Ort mehrere Lehrerwochenstunden zugewiesen, damit die Lehrkräfte die nötige Differenzierung beim Lernangebot leisten können. Die Lehrkräfte wurden in entsprechenden Fortbildungsveranstaltungen auf die Arbeit in den jahrgangskombinierten Klassen der »Flexiblen Grundschule« vorbereitet.

Gestartet worden war der Modellversuch zum Schuljahr 2010/2011 mit zunächst 20 Standorten. Im aktuellen Schuljahr erfahren über 4 200 Schüler in 204 Klassen das Projekt. Finanziell unterstützt wird der Schulversuch von der »Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft«. Kilian Pfeiffer