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Reliefs und Plastiken, Lichtobjekte und Büsten

Jedes Jahr im Sommer öffnet der Bildhauer Ekkehard Wiegand sein Atelierhaus in Gengham bei Palling und lädt für seine Sommerausstellung interessante Künstlerkollegen ein die dort ihre Werke zeigen und einen Einblick in ihr umfangreiches Kunstschaffen geben. In diesem Jahr zu Gast sind der Künstler Stephan Quenkert mit seinen professionell gearbeiteten Reliefs und Plastiken sowie Gerald Walter mit seinen originellen Lichtobjekten. Von Ekkehard Wiegand sind seine neuen, teils bemalten Holzbüsten zu sehen. Zusätzlich zu Wiegands Arbeiten im Atelier, im Wohnhaus und im Lager »Wunderkammer« sind ältere und größere Werke von ihm, die bisher teilweise zerlegt und gelagert waren, auf der gegenüberliegenden Seite des Atelierhauses im sogenannten »Michl-Hof«, einem Gebäude mit 100-jähriger Vergangenheit und auf 100 m2 Ausstellungsfläche zu sehen.

Werke vom Hausherrn und zwei Gastkünstlern sind in der diesjährigen Sommerausstellung in Ekkehard Wiegands Atelierhaus zu sehen.

Als einen Meister der Form und des Handwerks kann man den Künstler Stephan Quenkert bezeichnen, der in seinem künstlerischen Schaffen den Gedanken einer Synthese von Kunst und Industrie, von Kunst und Technik aufgreift und mit gestalterischen Gesetzmäßigkeiten sowie hoher Perfektion und Schärfe umsetzt.

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Beinahe einen musealen Charakter evozieren seine 15 ausgestellten Exponate mit einem elementar reduzierten Formenvokabular aus dem Bereich des Geometrischen im 1. Stock des Atelierhauses.

Stephan Quenkert lebt und arbeitet in Landshut. Seine Arbeiten und ihre Titel entstehen aus dem alltäglichen Leben heraus, bekannte Gegenstände reduziert und verfremdet er, Persönlichkeiten werden durch ihre »Attribute« oder Eigenarten erkennbar gemacht, z. B. in Arbeiten mit den Titeln »Herr Krause«, »Walther Matthau«, »Sophie Taeuber-Arp« oder »Leonhard Bernstein«. Zu dem weltberühmten Pianisten stellt Quenkert mit einem in Schwarz gearbeiteten umgedrehten Klavierstuhl mit unterschiedlich überlängten Beinen einen engen und besonders markanten Bezug her.

Vielfach ausgehend von einem Grundmotiv, entwickelt Quenkert eine erstaunliche Vielfalt von Formen- und Farbvariationen auf der Basis einer durchgehenden ästhetischen Regel. Gerade aus dieser angelegten Entwicklungsmöglichkeit erhalten seine »Reliefs« trotz der formalen Strenge ihre Spannung, Dynamik und Vielseitigkeit. Ihre komplexe Wirkung steht in umgekehrtem Verhältnis zur Reduktion der Mittel. Strenge, Funktionalität, Rechteckigkeit der Flächen, der Einsatz der Farbe im Sinne von Raumbeziehungen sind grundlegende Merkmale in Stephan Quenkerts Arbeiten. Zudem proklamiert er in seinen Arbeiten die absolute Konkretheit der Aussage. Seine Kunst ist gekennzeichnet durch das Bemühen um die Verbindung von Malerei, Plastik und Architektur.

Im Erdgeschoß zeigt Hausherr Ekkehard Wiegand seine in diesem Jahr entstandenen neuen Büsten, teils aus bemaltem Holz und teils Bronzegüsse zusammen mit Arbeiten aus den letzten Jahren zu seinem Hauptthema »Büste«. Zusätzlich im Erdgeschoß sind die Lichtobjekte von Gerald Walter aus Salzburg zu sehen. Mit mathematischer Exaktheit und Präzision entwickelt Walter individuelle Formen. Strenge Funktionalität und reduzierter Farbeinsatz kennzeichnen seine äußerst ästhetisch anmutenden Beleuchtungsobjekte, die auch im Außenbereich des Atelierhauses positioniert sind. Ausgeklügelt auch die technische Ausführung der Lichtobjektsockel mit integrierter Beleuchtung. Der geometrische Aufbau lässt Architektonisches erkennen, gleichzeitig verleiht der sparsame Einsatz von Farbe diese Objekten Harmonie und Ruhe.

Ekkehard Wiegand bewegt sich als Künstler stets in verschiedenen Werkgattungen nebeneinander. Er malt Bilder, widmet sich der Radierkunst, zeichnet und collagiert, modelliert Plastiken, fertigt Skulpturen aus Holz. Von zentraler Bedeutung in seinem Kunstschaffen ist das Leitmotiv »Büste«, das seinen kontinuierlichen Schaffensprozess bestimmt. Schöpferische Improvisationen, kühne Überlängungen, räumlich ausgreifende »Bewegungen« sind charakteristisch für seine Plastiken und Skulpturen. Sein Ausdruckspotenzial beschränkt sich auf ein knappes Formenvokabular. Neben der farbigen Bemalung der Köpfe aus Holz, der Reduktion auf wenige Grundformen ist auch die Reduktion von Körperlichkeit und Verfremdung bezeichnend für seine Bronze- und Holzarbeiten.

Die äußerst sehenswerte Ausstellung ist noch bis Sonntag täglich von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Gabriele Morgenroth