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Rinder-Tuberkulose macht Almbauern Sorgen

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Dr. Fritz Gruber vom Veterinäramt Bad Reichenhall klärte die Almbauern über neue Auflagen des Ministeriums auf.
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Der Klimawandel bewirkt einen verfrühten Vegetationsbeginn. Experte Siegfried Steinberger rät darum zu einem früheren Auftrieb auf die Almen. Fotos: Anzeiger/Voss

Berchtesgaden - Bei der Senner- und Almbauernversammlung am Freitag im »Bräustüberl« waren zwei Themen vorherrschend. Zum einen das heiß diskutierte Problem Tuberkulose bei Rindern im Allgäu und die damit verbundene Reaktion aus dem Ministerium für Umwelt und Gesundheit. Zum anderen der Klima- und Strukturwandel und eine daran angepasste Bewirtschaftung der Almen.


Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger konnte zur Versammlung auch die Bürgermeister Franz Rasp aus Berchtesgaden und Toni Altkofer aus Bischofswiesen begrüßen. Stanggassinger gab weiters Auskunft über die Kasse des Vereins der Senner und Almbauern, in der im abgelaufenen Jahr ein Minus zu verbuchen war.

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Die Stimmung unter den Almbauern war leicht angespannt. Grund dafür war unter anderem der Vortrag von Dr. Fritz Gruber, der über Aktuelles aus dem Veterinäramt Bad Reichenhall informierte. Da es im Allgäu in der letzten Zeit zu vermehrten Fällen von Tuberkulose bei Rindern gekommen war, fordert das Ministerium jetzt eine erhöhte Vorsicht in weiteren elf Landkreisen in Bayern, darunter auch im Berchtesgadener Land. Was zur Empörung führte, waren die nun auferlegten Untersuchungen bei Rindern, die das Ministerium zum Teil noch vor dem Almauftrieb 2013 vornehmen möchte.

Alleine im Berchtesgadener Land sollen 70 bis 80 Tiere noch vor dem Auftrieb untersucht werden. In allen elf Landkreisen sollen in zwei Etappen, vor und nach dem Sommer, insgesamt rund 28 000 Tiere einer ärztlichen Begutachtung unterzogen werden. Denn man hat den Verdacht, dass sich die Tuberkulose über das Rotwild verbreiten könnte. Und weil es auch in Berchtesgaden mehrere Wildgehege gibt, könnte es auch hier Krankheitsfälle geben. Rotwild und Rinder mit Symptomen der Krankheit müssen getötet werden.

Doch Dr. Gruber gab schon einmal Entwarnung: »Wir haben erst vor Kurzem Untersuchungen an heimischen Tieren durchgeführt und konnten keinerlei Hinweise auf TBC entdecken.« Auch bei tierischen Produkten sieht er kein Problem: »Die Milch aus dem Berchtesgadener Land wird in der Molkerei sowieso pasteurisiert oder zu anderen Produkten weiterverarbeitet. So besteht keine Gefahr mehr in Bezug auf TBC.«

Der Veterinär gibt den Almbauern jedoch zu bedenken, dass der Verkauf von Rohmilchprodukten auf der Alm jetzt problematisch werden könnte. »In der Rohmilch können Krankheitserreger übertragen werden, die für Kinder und Schwangere gefährlich werden können. Hier rät das Ministerium, die Rohmilch für fünf Minuten abzukochen.« Sonst könnte es zu Schwierigkeiten mit dem Ministerium kommen.

Natürlich sorgten diese Neuigkeiten nicht für Freudenausbrüche unter den Sennern und Almbauern. Es geht die Angst um, dass sie die Kosten, die ihnen nun durch die neuen Auflagen des Ministeriums ins Haus stehen, selbst zu tragen hätten. Jedoch bestätigte Dr. Gruber, dass der Staat mit Sicherheit dafür aufkommen werde.

Im Folgenden referierte Georg Linner vom Traunsteiner Landwirtschaftsamt über ein neues Internet-Infosystem namens iBALIS (integriertes Bayerisches Landwirtschaftliches Infosystem), mit dem Landwirte Feldkarten ihrer landwirtschaftlichen Flächen online begutachten und verwalten können.

Zum Abschluss gab es eine Präsentation zum Thema Klima- und Strukturwandel. Siegfried Steinberger von der Landesanstalt für Landwirtschaft zeigte die markanten Veränderungen der Weideflächen und der Umwelt, die der Klimawandel in den letzten Jahrhunderten bewirkt hat. Im Zuge eines Projektes, das er mit einem Team auf der »Haaralm« im Chiemgau im Jahr 2012 durchgeführt hat, wurden die Kühe schon drei Wochen früher als sonst auf die Alm getrieben. Der Grund: ein »früherer Vegetationsbeginn«. So konnten die Tiere das bereits vorhandene, junge Gras und mit ihm ungewollte Triebe von Bürstling oder Blaubeeren abgrasen. Die Folge: Kein überschüssiges Gestrüpp, das die Weideflächen zerstört und unnütz macht. Steinberger hat mit seinem Projekt bewiesen, dass durch den Klimawandel (somit die Erwärmung und Verschiebung der Jahreszeiten) ein früherer Auftrieb notwendig wird, um die Tiere rechtzeitig mit dem Weiden beginnen zu lassen. Sein Credo: »Es ist besser, das Maul wartet auf das Gras, als das Gras auf das Maul.« Annabelle Voss