weather-image

Rollentausch im Norden: Wolfsburg ist wieder vorne

0.0
0.0
Vereinspräsident
Bildtext einblenden
Martin Kind blickt ohne Neid auf die Leistungen beim VfL Wolfsburg. Foto: Patrick Seeger Foto: dpa

Wolfsburg (dpa) - Die Macht des Kapitals scheint sich durchzusetzen. Das hat auch Martin Kind akzeptiert. »Nach meiner Einschätzung wird Wolfsburg die Nummer eins im Norden bleiben für eine lange Zeit«, sagte der Boss von Hannover 96 vor dem Niedersachsen-Duell beim VfL Wolfsburg.


Rund 40 Millionen Euro hat die hundertprozentige Volkswagen-Tochter seit der 0:2-Niederlage im August 2013 in Hannover allein in zwei Spieler investiert, in den Brasilianer Luiz Gustavo und im Januar in den Belgier Kevin De Bruyne.

Anzeige

Zu Saisonbeginn hatte das Bild noch anders ausgesehen. Durch den Derby-Sieg gegen Wolfsburg stand Hannover 96 am ersten Spieltag der Fußball-Bundesliga vor dem reichen Nachbarn - so wie dreimal hintereinander im Abschlussklassement. Doch inzwischen hat ein Rollentausch stattgefunden. 96-Manager Dirk Dufner flüchtet sich in Ironie. »Es ist für den VfL unüblich, dass er viel Geld in die Hand nimmt, das hat mich schockiert«, witzelte er über die Wolfsburger Transfers.

Neid ist Kind aber fremd, daher gibt es vom 96-Boss keine Spitzen, sondern nur Anerkennung für den Tabellenfünften aus Wolfsburg. »Dass sie Klaus Allofs geholt haben, war ein Signal und richtig«, sagte Hannovers Chef. Kind lobte zudem den ehemaligen 96-Coach Dieter Hecking sowie dessen Erfolge mit dem VfL: »Das überrascht mich nicht. Er weiß genau, was er will.«

Der Wechsel von Nürnberg nach Wolfsburg war aus Kinds Sicht für Hecking »wie ein Lottogewinn«. Beim VfL kann der Trainer aus dem Vollen schöpfen und hat die Möglichkeit, eine Spitzenmannschaft zu formen, ohne die wirtschaftlichen Zwänge wie er sie auch noch aus Hannover kennt. »Da wird ein Aufwand getrieben, da können wir uns mit VW und dem VfL Wolfsburg nicht messen«, erklärte Kind.

Daher sieht er auch langfristig den VfL vor 96. »Ich glaube an den Zusammenhang von Zahlen und Ergebnissen über die Zeitachse«, sagt der Unternehmer in der ihm eigenen Sprache. Dass Hannover 96 trotzdem in Wolfsburg gewinnen kann, ist eine andere Sache. Die unbefriedigende Hinrunde mit Rang 13 und nur 18 Punkten bezeichnete er als »eine temporäre Unterbrechung unseres Entwicklungsprozesses.«

Mit dem neuen Trainer Tayfun Korkut hofft Kind auf neuen Schwung und den ersten Auswärtserfolg der Saison. Der Slomka-Nachfolger hat vor seinem Bundesliga-Debüt eifrig Videos geschaut, die ihm die Scouting-Abteilung und seine Assistenten zusammengestellt haben. »Wolfsburg ist Favorit, aber es kann auch ein Vorteil sein, gegen starke Gegner zu starten. Da kann man ein Zeichen setzen«, sagte Korkut.

Er setzt auf das neue Sturmduo Mame Diouf/Artjoms Rudnevs, sein Wolfsburger Kollege Hecking legte sich frühzeitig auf De Bruyne in der Startelf fest. Der Wintereinkauf soll mit Diego das Mittelfeld dominieren. »Wenn 96 uns die Favoritenrolle gibt, dann nehmen wir sie an. Ich weiß aber, dass auch Hannover um die Plätze fünf bis zehn spielen kann«, sagte Hecking.

Sein Team hat im prestigeträchtigen Derby einiges nachzuholen. Der VfL ist die Nummer eins im Norden, liegt im Niedersachsen-Ranking mit 0 Punkten und 0:4-Toren aber auf dem dritten und letzten Platz hinter den Nachbarn Hannover 96 und Eintracht Braunschweig (beide 4/2:0).