weather-image
17°

Rosberg zum Titelkampf: «Situation ein bisschen simpler»

0.0
0.0
Titelanwärter
Bildtext einblenden
Nico Rosberg will Formel-1-Weltmeister werden. Foto: Srdjan Suki Foto: dpa

Austin (dpa) - Nur noch drei Rennen, 17 Punkte Rückstand - Nico Rosberg sieht sich im Titelduell mit seinem Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton dennoch in einer aussichtsreichen Position. Das hat auch mit dem vorzeitigen Gewinn der Konstrukteurs-WM zu tun.


«Natürlich ist die Situation jetzt ein bisschen simpler, weil ich nicht mehr an den Konstrukteurstitel denken muss. Es geht nur noch um die Fahrer-WM, ich kann den Fokus mehr in Richtung Fahrer-Titel richten», sagte Rosberg der Nachrichtenagentur dpa im Interview vor dem Grand Prix der USA. Außerdem spricht der 29-Jährige über Mitleid, seinen Vater und «Django Unchained».

Anzeige

Herr Rosberg, Sie haben im Scherz erzählt, Sie hätten in Abwesenheit Ihres Physiotherapeuten Daniel Schlösser heimlich Burger gefuttert. Bereiten Sie ihm viel Kummer?

Nico Rosberg: Nein, überhaupt nicht (lacht). Ich will für mich selber mit Disziplin an die Aufgabe herangehen und versuchen, in jeder Hinsicht das Beste rauszuholen und eine gute Performance zu liefern. Es ist keiner da, der mir sagt, was ich zu machen habe. Ich kann selber entscheiden, wie diszipliniert ich sein möchte.

Der «Spiegel» hat Sie als «Selbstoptimierer» beschrieben - in welchen Bereichen haben Sie denn noch Steigerungspotenzial?

Rosberg: Es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten in allen Bereichen, das ist schier unendlich.

Ist die Erleichterung nach dem Mercedes-Konstrukteurstitel eine besondere, weil Sie und Lewis jetzt mehr an sich selbst denken können?

Rosberg: Das ist sehr emotional, weil ich sehe, wieviel das den Kollegen im Team bedeutet, und ich einen Teil der Erfolgsstory mitgeschrieben habe. Natürlich ist die Situation jetzt ein bisschen simpler, weil ich nicht mehr an den Konstrukteurstitel denken muss. Es geht nur noch um die Fahrer-WM, ich kann den Fokus mehr in Richtung Fahrer-Titel richten.

Sind Duelle mit einem Teamkollegen spezieller als mit anderen Fahrern, weil man dem Stallrivalen auch teamintern Grenzen aufzeigen kann?

Rosberg: Die Duelle sind gleich. Beim Teamkollegen herrscht aber etwas mehr Vorsicht, weil man ihn nicht touchieren darf.

Wie unterscheidet sich ein Duell mit Hamilton von Ihren früheren teaminternen Duellen etwa mit Michael Schumacher?

Rosberg: Alle Teamkollegen waren eine Herausforderung auf ihre eigene Art. Lewis ist auch ein sehr starker Teamkollege und eine sehr große Herausforderung.

Bei welcher Tätigkeit können Sie alle Kontrolle fahren lassen und nur noch ausgelassen sein?

Rosberg: Wenn ich zum Beispiel in der Qualifying-Runde bin, dann gilt mein Fokus nur dem Moment und ich sehe nicht viel anderes. Ich bin tendenziell auch eher ein rationaler Mensch als emotional gesteuert.

Es gibt eine Foto-Montage nach dem Vorbild des Kinofilms «Django Unchained», in der sie als cleverer Dr. King Schultz abgebildet sind und Lewis Hamilton als leidenschaftlicher Django. Können Sie mit den Klischees, Rosberg sei der Kopfmensch, Hamilton der Emotionsmensch, etwas anfangen?

Rosberg: Nicht wirklich, aber es ist trotzdem lustig, so etwas zu sehen. Es wäre viel zu einfach, uns so einen Stempel aufzudrücken. Das ist schon viel komplexer.

Grübeln Sie über Niederlagen lange nach?

Rosberg: Niederlagen sind nicht angenehm, sie gehen aber wie alles im Leben mit der Zeit vorbei. Letztendlich sind auch Niederlagen keine wirklichen Probleme, da gibt es viele andere Sachen, die viel, viel schlimmer sind. Eine Niederlage geht daher relativ schnell vorbei und dann kommt wieder der Optimismus und die Freude auf die Zukunft.

Kann man sich in der Formel 1 Mitleid mit Unterlegenen erlauben?

Rosberg: Nicht unbedingt Mitleid, aber Respekt für den anderen und Empathie sind Stärken, die man sich natürlich im Leben erlauben kann. Auch gegen Kontrahenten.

Könnten Sie auch glücklich sein, wenn Sie am 23. November nicht als neuer Weltmeister bejubelt werden?

Rosberg: Kommt darauf an, wann (lacht). Am 23. November abends nicht, aber am 26. November vielleicht schon wieder. Aber daran denke ich nicht. Ich habe es in der eigenen Hand, das ist das Tolle in der Situation.

Sie sind aber 17 Punkte im Rückstand.

Rosberg: Ja, aber es gibt ja noch 100 Punkte.

Haben Sie sich schon mal ausgemalt, was Ihr erster Titel für Sie ändern würde?

Rosberg: Das sind nicht so gute Überlegungen. Ich versuche eher weniger darüber nachzudenken. Ich genieße den Moment jetzt mit meinem Team. Es waren emotionale Wochen nach dem Konstrukteurstitel. Ich wusste gar nicht, dass es auch für mich so emotional werden würde.

Hat Ihnen Ihr Vater Tipps für den Titel-Endspurt gegeben?

Rosberg: Mein Vater steht mir immer zur Seite, wenn ich Fragen habe, klar. Aber häufig reden wir nicht mehr über die Formel 1.

Könnten Sie Ihrem Vater mit dem Titel etwas zurückgeben?

Rosberg: Freude. Meiner Mutter und meiner Frau auch.

Hatten Sie früher mal das Bedürfnis, ein komplett anderes Leben zu führen als Ihr Vater?

Rosberg: Mein Traum war schon immer, Rennfahrer zu sein. Ich hätte mir aber vorstellen können, gleichzeitig zu studieren, aber eben nicht ohne den Rennsport.

Was hätten Sie gerne studiert?

Rosberg: Aeronautik. Ich hatte in London am Imperial College auch schon einen Studienplatz.

Hätten Sie Lust, das nochmal nachzuholen?

Rosberg: Ich habe schon Lust zu lernen, aber das nicht mehr (lacht).

ZUR PERSON: Nico Rosberg (29) könnte seinem Vater Keke in diesem Jahr nacheifern und auch Weltmeister werden. Der Junior fährt seit 2010 in der Formel 1 für Mercedes und gewann sieben Grand Prix. Rosberg ist in Wiesbaden geboren, seit Sommer ist er verheiratet.

Rosberg-Profil