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Ruhpoldinger Reise in das »Himmlische Jerusalem«

»Raum und Klang« war eine gelungene Kombination aus Betrachtung und Orgelmusik. Dafür zeichneten Kirchenmusiker Richard Krekel (rechts) und Pastoralreferent Georg Gruber verantwortlich. (Foto: Burghartswieser)

»Wenn Künstler einen Sakralraum erschaffen, dann wollen sie nicht einfach einen Zweckbau hinstellen, in dem sich Leute versammeln können, sondern sakrale Architektur ist Theologie in Steinen«. Mit diesen Worten eröffnete Pastoralreferent Georg Gruber nach dem »Intrada« des 1984 verstorbenen rheinländischen Orgelkomponisten Hermann Schroeder die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe »Raum und Klang« in Ruhpolding. Und die Pfarrkirche St. Georg hat als sakraler Festsaal von hohem künstlerischem Wert dazu viel zu bieten.


Doch erst der Klang der Orgel erweckt einen solchen Raum zum Leben. Dafür verantwortlich zeichnete wieder einmal Kirchenmusiker Richard Krekel, der sein außergewöhnliches Talent auf den 28 klingenden Registern »seiner Orgel« unter Beweis stellte. Passend zum vorausgegangenen Allerheiligenfest stand er unter dem Leitwort: »Himmlisches Jerusalem«. Das nur mit Kerzenlicht spärlich beleuchtete Kirchenschiff, das aber von seiner Faszination dadurch nicht das Geringste einbüßte, bot das außergewöhnliche Ambiente für die Kombination aus Texten von Georg Gruber und den jeweils dazu passenden Orgelstücken. Für die Beleuchtungstechnik der einzelnen Szenen sorgte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Manfred Hartl.

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Mit den Worten: »Wenn wir unsere Pfarrkirche sowohl von ihrer markanten als auch isolierten Lage auf dem Kirchberg anschauen, dann fällt mir dazu ein sehr eindrückliches biblisches Bild ein: das »Himmlische Jerusalem«, führte Gruber die Zuhörer auf das Thema hin. »Unsere Kirche auf dem Berg gibt uns Zeugnis davon und darf uns Tag für Tag an unser ewiges Ziel erinnern«. Dazu intonierte Krekel das Orgelstück »Pendel der Zeit« der 1964 in München geborenen Jazzkomponistin Barbara Dennerlein, die später auch Gefallen an der klassischen Orgel fand und versucht, Jazz- und Blueselemente mit den klanglichen Möglichkeiten der Pfeifenorgel zu realisieren.

Mit der Betrachtung des Deckengemäldes, welches die Anbetung des Lammes, das auf einem Buch mit sieben Siegel liegt, setzte der Pastoralreferent die Reise fort. Es zeige, dass Christus im Zentrum stehe. Passend dazu spielte der Kirchenmusiker eine Orgelfassung der bekannten Einleitung des »Te Deums« des Barockkomponisten Marc Antoine Charpentier, die von Lyndon Hills arrangiert wurde. Als Nächstes standen die zwölf Apostelkreuze mit den Apostelleuchtern entlang der Langhaus- und Chorwände im Zentrum der Betrachtungen. »Es ist kein rein gestalterisches Element, das zur Zierde dient, des hat auch eine tiefere Aussage, die auch mit dem »Himmlischen Jerusalem« in Verbindung steht«, sagte dazu Gruber. Dazu bekamen die Zuhörer ein weiteres Orgelstück aus der Barockzeit zu Gehör, das »Praeambulum« von Vincent Lübeck, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als bedeutender Organist in der Nikolaikirche in Hamburg wirkte.

Die musikalische Reise führte als Nächstes den Blick auf das zentrale Kunstwerk der Kirche, auf das St. Georgskreuz, das 1970 im Auftrag des damaligen Pfarrers Monsignore Roman Friesinger vom Goldschmied Karl Borromäus Berthold aus Oberaudorf geschaffen wurde und durch eine Vielzahl der Edelsteine besticht. »Die Edelsteine haben in ihrer funkelnden Pracht die Menschen schon immer fasziniert. Von daher verwundert es auch nicht, dass Edelsteine auch bei der Beschreibung des Himmlischen Jerusalems in der Offenbarung eine große Rolle spielen«, erklärte dazu der Seelsorger. Passend dazu intonierte Krekel eine Partita über den Choral »Wie schön leuchtet der Morgenstern« des Lübecker Orgelmeisters Dietrich Buxtehude, der von 1637 bis 1707 lebte. Nachdem Pastoralreferent Gruber noch einmal die Anknüpfungspunkte der Entdeckungsreise in das »Himmlische Jerusalem« hatte Revue passieren lassen, erklang zum Abschluss das »Exodus« des Komponisten Hermann Schroeder.

Die hervorragende Kombination aus Betrachtung und Orgelmusik eröffnete den Besuchern der Veranstaltung die Möglichkeit, einzelne Elemente der Ruhpoldinger Pfarrkirche auf ganzheitliche Art neu zu entdecken. Das Kirchenschiff wurde dabei zu einem wahren Festsaal für die Musik. Hannes Burghartswieser