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Russisch-kolumbianisch-deutsche Nacht

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Der aus Kolumbien stammende Dirigent Andrés Orozco-Estrada überzeugte mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt beim Konzert im Großen Festspielhaus in Salzburg. (Foto: Werner Kmetitsch/Kulturvereinigung)

Ein brillantes Klangspektrum entfachten der russische Pianist Denis Kozhukhin und das hr-Sinfonieorchester Frankfurt unter dem kolumbianischen Dirigenten Andrés Orozco-Estrada. In der Konzertreihe »Russische Nächte« der Salzburger Kulturvereinigung im Großen Festspielhaus in Salzburg brachte der erste Abend das Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll von Sergei Rachmaninow, gefolgt von der Symphonie Nr. 4 e-Moll von Johannes Brahms.


Gefühlvoll zart beginnt das Klavier die ersten Takte des Rachmaninow-Konzerts. Denis Kozhukhin gibt der melancholischen Eingangsmelodie eine zauberische Note, die sofort die Aufmerksamkeit gefangen nimmt. Das Orchester nimmt den melodischen Faden auf, moduliert und bereichert ihn vielfarbig. Der Klavierpart steigert sich zu hoch virtuoser Bravour, dem die opulente Orchesterfülle aufrauschend sekundiert. Russische Klangcharakteristik kommt zum Tragen, die besonders in den »stillen« Passagen romantisierenden Ausdruck findet.

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In den großen Kadenzen brilliert der Pianist mit der ganzen Palette technischer Virtuosität. Sein Anschlag ist präzise und gestochen klar mit einer perfekten Repetier-Mechanik bei jeder Note auch im rasanten Tempo. Denis Kozhukhin zeigt sich aber nicht nur als Tastengigant, der mit kraftvollem Zupacken dem effektvollen Bravouranspruch Rachmaninows gerecht wird, sondern sich in der feinsinnigen Klangmalerei des Moll-Charakters auch als empfindsamer Musiker erweist. Mit siegreichem Auftrumpfen und entsprechenden Effekten in Klavier und orchestraler Pracht endet das Werk. Dem begeisterten Auditorium gewährt der Pianist zwei erlesene Zugaben, als Gegenstücke sozusagen zum orchestralen Feuerwerk. Mit den Klavierfassungen von Glucks »Reigen seliger Geister« und einem Bach-Präludium bewegt er feingesponnen das Gemüt mit balsamischer Klavierlyrik.

Der 30-jährige Kozhukhin gewann 2010 den ersten Preis beim Königin Elisabeth Wettbewerb in Brüssel. Der Russe studierte nach dem ersten Unterricht bei seiner Mutter in Madrid und Stuttgart und hatte seitdem Auftritte bei vielen renommierten Festivals. Er spielte unter anderem in der Berliner Philharmonie, im Concertgebow Amsterdam, im Leipziger Gewandhaus und in der Carnegie Hall in New York.

Der Kolumbianer Andrés Orozco-Estrada ist in Wien ausgebildet. Er ist Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters, Music Director beim Houston Symphony, erster Gastdirigent des London Philharmonic Orchesters und dirigiert weltweit viele der bedeutenden Orchester wie die Wiener und Münchner Philharmoniker, Concertgebow-Orchester Amsterdam oder das Israel Philharmonic. 2016 trat er bei den Salzburger Festspielen auf und 2017 wird er bei den Berliner Philharmonikern debütieren.

Sein Dirigat beeindruckt besonders durch eine bewegte Rhythmik, die einerseits Präzision aufweist und gleichzeitig eine wiegende Flexibilität hat. Das ist eine Mischung, die der Musik Eleganz und Farbreichtum verleiht. Energie und Temperament sind ebenso sein Qualitätsmerkmal. Er versteht es, die Melodik eingängig wie auch eindringlich zu phrasieren und die Instrumentengruppen miteinander zu verschmelzen oder, wo angebracht, hervorzuheben und dabei dennoch als Teile des Ganzen zu verstehen. Das war bei Rachmaninow ebenso wie bei der Brahms-Symphonie bemerkenswert.

Das Orchester zeichnet sich durch dynamisch gut tariertes Zusammenspiel aus, auch korrespondierend mit dem Pianisten. Eindruck hinterlassen die Bläser, besonders die Hörner und Posaunen, aber auch die Klarinetten und Oboen sowie ein Streicherklang von schöner Fülle in schillernder Farbigkeit. Die Vierte Brahms weckte Emotionen, wurde aber nicht sentimental, sondern blieb »klassisch-romantisch«. Elisabeth Aumiller

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