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Sadistische Straßensatanisten

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Der Herr sprach: „Wehe dem, der gegen die göttliche Straßenverkehrsordnung verstößt. 20 zu schnöll, ab in die Höll. Zahlt Buße, zahlt Buße.“ Blitze zuckten über die öffentlichen Verkehrswege. Die Erzengel gründeten den Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung und brachten die Zehn Fahrverbote vom Marktschellenberg herab.


Die Goldenen Regeln lauteten fortan: Bist du ein Raser, her mit dem Zaster. Und: Ist dein Tempo nicht von Pappen, werden wir deinen Lappen schnappen.

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Das brachte die Motorwelt der gefallenen Gelben Engel arg ins Wanken. Rad'ar Mes Ung, sein Bruder Las'er Mes Ung und ihr Schwager Tem Polim It war das nicht Strafe genug. Sie beschlossen, die motorisierten Verkehrsteilnehmer mit Psychoterror verrückt zu machen. So lange, bis sie ihren Führerschein gegen ein BayernTicket eintauschen oder – hey, voll gesund – mit dem E-Bike von der Hinterschönau nach Rosenheim zur Arbeit fahren. Dabei setzen die drei sadistischen Straßensatanisten auf Methoden, die man vom Internet her kennt: Bewerten, was das Zeug hält. Und Emojis. Faire drei Sterne für Dörtes Eso-Gedöns in der Engedey, 8 von 10 Punkten für Rudis Ramschecke in Ramsau und ein „Gefällt mir“ für Bertls Bettenbude in Berchtesgaden. Also, warum nicht Verkehrsteilnehmer bewerten?

Seitdem stehen an jeder halbwegs befahrbaren Asphaltansammlung diese sogenannten radargestützten Tempotafeln. Sogar am Schablweg in Berchtesgaden, wo pro Tag immerhin bis zu zwei Fahrzeuge unterwegs sind. 29 km/h, Daumen hoch. 31 km/h, Grantler-Emoji. 49 km/h, danke. 51 km/h, Grattler.

Gänzlich vom Teufel besessen ist eine Messtafel in der Autofahrer All Time Favorite Community Bischofswiesen. Die zeigt immer „Daumen runter“. Auch, wenn man nur Schrittgeschwindigkeit fährt. Wenn man bedenkt, dass dort ein Jahr lang maximal Schrittgeschwindigkeit möglich war, ist das wirklich ein Fall für den Exorzisten.    Christian Fischer