Salzburger Glücksfanal

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Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Intendant Markus Hinterhäuser freuen sich über die Auszeichnung für die Salzburger Festspiele. (Foto: Festspiele)

Es sind Auszeichnungen, die erst seit kurzem vergeben werden: Die »Oper!«-Awards wurden 2019 von der Fachzeitschrift Oper! initiiert. Heuer wurden die Salzburger Festspiele als bestes Festival und die Wiener Philharmoniker für ihre diesjährigen Auftritte bei eben diesen gekürt.

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»31 abgesagte Konzerte seit April 2020, keine Opernvorstellungen mehr, und dann am 1. August ein Wiederhören mit großem Knall und Modellcharakter: »Elektra«-Premiere bei den Salzburger Festspielen unter Franz Welser-Möst. Was für eine Kraft, was für ein Sig-nal für die geknebelte Opernwelt!« So wird in der zur Preisvergabe erschienenen kleinen Broschüre über die Wiener Philharmoniker geschwärmt. »Konsequent getestete Musiker erkämpfen sich als eigenes Kollektiv ihr Spielrecht ohne Sicherheitsabstände«, heißt es weiter. Hier sei es »spürbar um alles« gegangen. »Einen Abend später legten sie noch einmal nach mit der ebenfalls grandiosen Produktion von Mozarts »Così fan tutte« unter Joana Mallwitz.«

Die Wiener Philharmoniker stehen also für ihr Salzburg-Engagement in Corona-Zeiten als bestes Orchester auf der Liste. Die »Oper!«-Awards werden in zwanzig Disziplinen vergeben, die Auswahl treffen angesehene deutsche Musikjournalisten. Mit ihrer Entscheidung fürs beste Festival lenken sie gleich nochmal den Blick auf Salzburg. So klingt die Eloge im Wortlaut:

»Kunst sei 'ein Himmelskörper für sich', so der Gründungsvater Max Reinhardt – aber einer, der 'sein Licht von der Welt der Wirklichkeit' bezieht. Mit der Wirklichkeit der Corona-Pandemie konfrontiert, bauten die Salzburger Festspiele dieses Motto in diesem Jahr aus. Sie erklärten Kunst zum 'Lebensmittel und Lebenssinn'. Schoben die Entscheidung zur Absage auf bis zum letztmöglichen Probenbeginn. Investierten dann alles in die Möglichmachung. Die 30 Kurz-Festspiel-Tage in Salzburg wurden so zum Glücksfanal und zu einem Lichtbringer für den gesamten Kulturbetrieb: Da geht noch was, trotz alledem!« Laudatorin war Eleonore Büning, bis 2018 Redakteurin der FAZ.

Ansehnlicher Input also für den Lokalpatriotismus hierzulande, der umso begründeter ist, als die Musikjournalisten mit der Opernbranche durchaus streng ins Gericht gingen: Am Ende der Lobes-Liste findet sich nämlich auch der Punkt »Größtes Ärgernis«. Als solches empfanden die Fachleute die »Fantasielosigkeit und passive Opferhaltung der Opernhäuser in der Pandemie« und stellten ihnen die Rute ins Fenster:

»Mit dem Kopf im Sand durch die Krise. Das war leider das Bild, das viele Opernhäuser vor allem zu Beginn der Pandemie abgaben. Während künstlerische Antworten auf die Einschränkungen des Spielbetriebs von erstaunlicher Fantasielosigkeit, ja Dürftigkeit zeugten, gab der Umgang mit verdienstvollen Künstlern, aber auch mit anderen freiberuflich tätigen Protagonisten des Opernlebens einen Blick auf erschreckende Abgründe frei. Nicht wenige hochsubventionierte Häuser richteten sich bequem in der Opferrolle ein und forderten die Solidarität von Politik und Gesellschaft, die sie selbst gegenüber ihren verdienstvollen Mitarbeitern nicht auch nur im Ansatz zeigten.«

Eine Glückssträhne setzt sich übrigens für die Salzburger Festspiele fort: Sie wurden 2019 von »Musical America« zum »Festival of the Year« gewählt. Außerdem sind sie bei den »Opera Awards« 2013 in London als bestes Opernfestival ausgezeichnet worden.

»Der Preis macht uns Mut für das, was uns noch bevorsteht, und soll auch allen anderen Mut machen, die in einer ähnlichen Situation waren und sein werden«, so Intendant Markus Hinterhäuser.

Reinhard Kriechbaum