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Salzburger Musiker in bayerischer Kirche willkommen

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Das Orchester Pro Musica Salzburg unter der Leitung von Wilfried Tachezi machte viel Freude mit dem erbaulichen Konzertabend in der Ruhpoldinger Kirche St. Georg. (Foto: Aumiller)

Kaum sind die großen und kleineren Sommerfestspiele verklungen, öffnen sich im Umland die Pforten für musikalische und architektonische Harmonien. »Feinste Klassische Musik in den Chiemgauer Alpen« haben sich die Ruhpoldinger Konzerttage vom 11. bis 30. September auf das Banner geschrieben. 2005 wurden sie gegründet und erfreuen sich mittlerweile steigender Beliebtheit.


Zur diesjährigen Eröffnung hatte der künstlerische Leiter Simon Nagl wieder das Orchester Pro Musica Salzburg unter der Leitung von Wilfried Tachezi eingeladen, der das Ensemble 1988 gründete. Jungen Musikern und Hochschulabsolventen die Möglichkeit zu vielfältigen Auftritten zu geben, war die zugrundeliegende Idee für dieses Orchester. Die Besetzung ist variabel und hat sowohl als Kammerensemble wie als Sinfonieorchester Profil. So etwa zwischen beiden lag diesmal die Größenordnung, gemäß den Platzierungsmöglichkeiten im Altarraum der Kirche. Mitglieder des Mozarteumorchesters gehören zum festen Bestandteil, so Konzertmeister Frank Stadler sowie die Cellisten Markus Pouget und Susanne Müller neben einer Reihe weiterer Instrumentalisten.

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Die Ruhpoldinger Pfarrkirche St. Georg in ihrer barocken Pracht lieferte das höchst stimmige Ambiente, wenngleich das Sitzen in den Kirchenbänken für die Zuhörer eher ein Akt des Büßens war. Aber für den musikalischen Genuss nahm man das gerne in Kauf. Die Musiker bescherten ein festliches Musikereignis von anhebender Wirkung, vital musiziert in dynamischer Vielfalt mit delikaten Instrumentensoli.

Zu Beginn fungierte die Ouvertüre zur Rossini-Oper »Der Barbier von Sevilla« ein wenig als Aufwärmstück. Die hallige Kirchenakustik ist speziell schnellen Notenfolgen weniger freundlich gesinnt, wie sie bei Rossini vorherrschend sind und zum Teil auch in der folgenden g-Moll-Symphonie Nr. 25 KV 183 von Mozart. Da verwischte sich die Durchsichtigkeit etwas. Im Gegenzug ließ die Kirche das Orchester weit fülliger klingen als es die zahlenmäßige Besetzung erwarten ließ. Das kam vor allem der großen Dvorák-Symphonie Nr. 9 e-Moll op. 95 »Aus der neuen Welt« zugute.

Simon Nagl gab einige erläuternde Anmerkungen zu den gespielten Werken. So bezeichnete er die sogenannte »kleine« g-Moll-Symphonie Mozarts als jugendliches Sturm- und Drang-Werk, im Gegensatz zur abgeklärten Verinnerlichung der späten g-Moll-Symphonie KV 550. Als sein erstes sinfonisches Werk in Moll ist die Nr. 25 KV 183 ein Umbruch und Schritt in die Meisterschaft Mozarts. Die Gegensätze zwischen drängender Bewegung und entspannten Ruhepunkten arbeitete Tachezi mit den Musikern gut heraus, und besonders Letztere hatten musikalisches Gewicht und klangschöne Ausformung, von den lyrischen Bläserfarben lichtvoll ergänzt.

»Aus der neuen Welt« brachte Dvorák für seine 9. Symphonie diesen Titel mit von seinem Aufenthalt in New York in den Jahren 1892 bis 1895. Nagl sieht dies nicht nur geographisch, sondern die neue Welt mag auch symbolisch einen musikalischen Aufbruch bedeuten. Die Symphonie ist des Komponisten berühmtestes und meistgespieltes Werk und gehört auch persönlich zu Nagls Lieblingswerken. »Es ist ganz tolle Musik« adressierte er mit Überzeugungskraft an die Zuhörer.

Eine Mischung aus indianischer Musik, Gospelformen und böhmischem Volksgut habe Dvorák in diese Symphonie einfließen lassen. Aber der Komponist wehrte sich entschieden gegen Aussagen, er habe amerikanische Volksweisen und Tänze übernommen. Vielmehr habe er nur im Geist dieses Gedankenguts komponiert. Diese Farben verschmelzen zu einzigartiger Wirkung, und die Salzburger Musiker leisteten hier optimalen Einsatz, die Musik in ihrer Schönheit, starken Aussagekraft und klanglichen Eindringlichkeit Gestalt werden zu lassen. Geheimnisvoll dunkel und zart grundierten die Celli in der Adagio-Einleitung, bis die Flöte ein Licht daraufsetzte, dann die Streicher einfielen und plötzlich voller »Orchestertumult« losbrach.

Durchgängig wurde spannend musiziert, wurden immer wieder die getragenen Besinnlichkeiten herausgeschält und durch tänzerische Anklänge in eigenwilliger Rhythmik aufgelockert. Freude am Klang war spürbar vorherrschend und beeindruckte. Vollen Zauber entfaltete das Largo mit dem träumerischen Englischhornsolo. Dann wieder mischte die Bläserriege, Holz wie Blech, bestimmend mit. Graziöse Walzer-Rhythmik klang ebenso an wie böhmisches Musikempfinden in Dvoráks ureigenster Klangsprache. Für die »Neue Welt« hatten dann die Blechbläser das herausragende Sagen.

Und die gesamte Blechbläserriege formierte sich am Ende noch zur Zugabe. Große Begeisterung des zahlreich erschienenen Publikums im schönen Kirchenraum für das qualitätvolle Musikerlebnis voller Spannung und musikantischer Hingabe an die Musik und für eine Interpretation, deren Gewicht ohne Schwere auskam, aber Bedeutung hatte. Eliabeth Aumiller