weather-image
26°

Salzburgs geliebte Anna

0.0
0.0

Zum Ausklang der Festspiele genossen die Freunde großer italienischer Oper den einzigen diesjährigen Salzburger Auftritt von Anna Netrebko. Ohne sie wären die Festspiele nicht ganz komplett und wenn sie nicht in einer ihrer großen Partien präsent sein kann, dann wenigstens in einem Arienreigen von Verdi und Puccini, den beiden Spezialisten für große Emotionen und blühende vokale Kantilenen.


Mit der Szene der Lady Macbeth – »Ambizioso spirto« aus Giuseppe Verdis »Macbeth« – war Anna Netrebko vom ersten Ton an voll präsent mit großer Bravour und dramatischem Aplomb. Ihr Sopran ist dunkler, fülliger, dramatischer geworden, hat aber nichts an schöner Farbe und Höhenglanz eingebüßt. Leonoras Arie aus »La forza del destino« mit dem kunstvoll diminuierenden »Pace« und dem dramatischen Schluss kündigte vielversprechend eine neue Glanzpartie an.

Anzeige

Emotional aufgeladen gestaltete die elegante Sopranistin Toscas berühmtes Flehen »Vissi d’arte«. Berückend, mit feinen Piani, sang sie eine zärtlich hingebungsvolle Desdemona im Liebesduett »Giá nella notte densa« aus Verdis »Otello« zusammen mit ihrem Ehemann Yusif Eyvazov. Die beiden ergänzten sich auch im Duett aus dem ersten Akt von Puccinis »Tosca«, das sie zu einer charmanten Spielszene machten.

Bei Konzertauftritten singt der aus Algerien stammende Eyvazov stets an der Seite seiner strahlenden Gattin. Er erntete großen Applaus für seine schmetternde Cabaletta »Di quella pira« aus Verdis »Il trovatore« und war mit weiteren berühmten Tenorszenen aus »La forza del destino«, Puccinis »Tosca« und dem unvermeidlichen »Nessun dorma« aus »Turandot« hoch engagiert mit von der Partie, wobei er alle Spitzentöne in Überlänge hielt, damit aber den musikalischen Fluss etwas ins Stocken brachte.

Yusif Eyvazov ist ein guter Sänger, hat Technik, sichere Höhe und stimmliche Kraft, aber in der Qualität des Timbres und im musikalisch-künstlerischen Ausdruck befindet er sich nicht auf Augenhöhe mit Anna Netrebko.

Zum Finale waren wohl Arie und Duett Butterfly-Pinkerton aus Puccinis »Madame Butterfly« als abschließender Höhepunkt gedacht, aber da war Netrebko stimmlich nicht in gleichem Maße auf ihrem außerordentlichen Niveau und noch nicht ganz eingetaucht in die Figur, wie in den vorausgegangenen fantastisch gesungenen Szenen.

Zwischen den Gesangsbeiträgen spielte das Mozarteumorchester unter der versierten Leitung des Mailänder Dirigenten Jader Bignamini Zwischenspiele aus Opern von Verdi, Puccini und Pietro Mascagni. Diese wurden aber nicht zu bloßen Füllseln zwischen den Gesangsstücken, sondern das Orchester erzielte mit inspiriertem und engagiertem Einsatz ein schönes Ergebnis, ob bei den »Ballabili« aus »Otello«, der Sinfonia aus »Nabucco« oder dem Intermezzo aus »Cavalleria rusticana«. Der auswendig dirigierende Bignamini zeigte sich als erfahrener Sängerbegleiter und versierter Kapellmeister, der den Sängern gute Basis sicherte und ihnen Freiheiten gewährte. Da verwundert es nicht, dass er die beiden Gesangsstars auf ihren Tourneen begleitet. Begeisterter Applaus war bei dem vielfarbigen italienischen Opernabend obligat. Elisabeth Aumiller