Sanierung der Apothekerstiege in Sicht

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Sanieren will die Stadt in diesem Jahr die Apothekerstiege, die vom Karl-Theodor- zum Maxplatz führt. (Foto: Pültz)

Traunstein – Stadt will heuer alte Holz- gegen neue Betontreppe austauschen – Bessere Beleuchtung geplant


66 Stufen führen von unten nach oben: vom Karl-Theodor- zum Maxplatz. Der Höhenunterschied beträgt rund zehn Meter. Viele Einheimische, aber auch Auswärtige, die ihre Autos in der Au abstellen, nutzen den Weg, der in die Innenstadt führt. Der Zahn der Zeit nagt an der Apothekerstiege, nach Jahren der Nutzung durch anhaltend viele Fußgänger ist das hölzerne Bauwerk nicht mehr so gut in Schuss. Heuer erfährt der unmittelbare Zugang von der Au zur Stadtmitte eine Rundumerneuerung: Die Stadt beabsichtige – wie Planer Elmar Schwäbisch von der Verwaltung im Rathaus im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblattd ausführt –, die alte Holz- gegen eine neue Betontreppe auszutauschen.

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Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen: Die Holzstufen sind abgenutzt und glatt. Wenn's regnet, dann muss der Fußgänger aufpassen nicht auszurutschen. Und vor allem auch dunkel ist der Durchgang durch die Häuserreihe, nur einige wenige, Lampen bringen etwas Licht. Seh- und Gehbehinderte meiden die Stiege.

Schon seit geraumer Zeit hat die Stadt den Aufgang vom Karl-Theodor- zum Maxplatz auf ihrem Schirm. Im vergangenen Jahr hatte sie die Sanierung schon fest eingeplant, doch zustande kam sie nicht. Stadtplaner Schwäbisch sagt, dass mehrere Gründe zu einer Verschiebung des Vorhabens geführt hätten. So habe die Stadt die Abstimmung mit dem Blinden- und Sehbehindertenbund gesucht. Und dann habe vor allem auch das Corona-Virus Unsicherheiten gebracht. Heuer gehe sie aber ans Werk: Wenn alles klappt wie geplant, dann erfolgt der Austausch der Treppe laut Schwäbisch im Frühsommer.

»Die Vorentwurfsplanung ist fertig und mit dem Blinden- und Sehbehindertenbund abgestimmt«, erläutert Schwäbisch den Stand der Dinge. Wenn die Frage der Förderung geklärt sei, gehe die Verwaltung mit dem Vorhaben in die städtischen Gremien. Und wenn dann das Okay komme, dann folge die Ausschreibung, die Auftragsvergabe – und schließlich die Sanierung der Stiege.

Einbau dauert nur einige Tage

Als eine von 16 Modellkommunen beteiligt sich Traunstein am Programm »Bayern barrierefrei 2023«. Über diese Schiene hofft sie, dass ihr der Staat finanziell unter die Arme greift, wenn sie an eine Rundumerneuerung des Aufgangs von der Au in die Stadt geht. Die Verwaltung wolle, wie Schwäbisch die Planung in groben Zügen schon jetzt einmal kurz erläutert, die Holz- gegen eine Betontreppe austauschen. Die neuen Stufen könnten in Fertigteilen geliefert werden, die an Ort und Stelle dann nur noch zusammengesetzt werden müssten. Der Vorteil: Die Treppe müsste nicht lange – nur einige Tage – gesperrt werden. Der Nachteil: Die Fertigteile könnten nicht sofort geliefert werden, sondern müssten erst einmal hergestellt werden – was ihren Einbau schließlich ein Stück weit nach hinten verschieben würde.

Die eingeschränkte Mobilität der Seh- und Gehbehinderten steht im Brennpunkt, wenn die Stadt an die Sanierung der Stiege geht. So plant sie laut Schwäbisch unter anderem, die Beleuchtung zu verbessern. Der Durchgang erhält laut dem Stadtplaner mehr Licht: Kontraste und Konturen werden dann deutlich sichtbar.

Wie viel Geld die Stadt in etwa in die Hand nimmt, bleibt vorerst offen. Die Planungen müssen erst noch ausreifen und dann vor allem von den Stadträten abgesegnet werden.

Die Apothekerstiege führt von der Au hinauf in die Stadtmitte. Sie grenzt an ein Gebäude, das eine Apotheke beherbergt. Wann sie genau entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr ermitteln.

Kino und Parkplatz am Fuße der Apothekerstiege

»Die Apothekerstiege hatte nach meiner Einschätzung lange Zeit keine höhere Bedeutung als die anderen Stiegen«, so Altoberbürgermeister Fritz Stahl, der sich mit der Geschichte der Verbindungen von der Au zur Stadtmitte befasst hat. Heutzutage sei sie aber die »Hauptstiege« Traunsteins.

Nach der Stilllegung der Saline 1912 und dem Abbruch das großen Sudhauses gut zehn Jahre später war der Karl-Theodor-Platz laut Stahl »sich weitgehend selbst überlassen«. Die Fußgänger, die vom Triftweg oder der Reiffenstuelstraße kamen, konnten seinen Angaben zufolge über die Lindenbauer-Stiege und den Auberg in die obere Stadt gelangen. Die Bürger in der Au hätten aber auch die »Finstere Stiege« benutzt. Die Apothekerstiege sei zwar frequentiert worden, aber Bedeutung habe sie erlangt, nachdem ein Kino errichtet worden war. 1936 seien »Goldners Kurlichtspiele« am Fuße der Apothekerstiege gebaut worden. »Im Volksmund sprach man daher auch einige Jahrzehnte von der 'Kino-Stiege'«, berichtet der Altoberbürgermeister. Große Bedeutung habe der Stiege dann die Zunahme des Parkens auf dem Karl-Theodor-Platz gebracht. Der unbefestigte Platz sei in den 70er Jahren asphaltiert und als der zentrale und öffentliche Parkplatz propagiert worden.

Obwohl sich Traunstein als »Stadt der Stiegen« durch Baumaßnahmen in den 90er Jahren auch zu einer »Stadt der Aufzüge« entwickelt habe, so Stahl, habe die Apothekerstiege heutzutage nach wie vor große Bedeutung – und zwar als »kurzer Weg vom Max- zum Karl-Theodor-Platz«.