weather-image

(Sa)Ti(e)risches vom Lande« auch über den Tod hinaus

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Hermann Stutzer alias Karl von Karlsbach begeisterte das Publikum mit seinen bayrischen Gedichten und Liedern.

Die Vorzeichen für das 10. Bergener Brettl waren nicht sonderlich gut, wurde der Organisator Robert Gapp doch mit zwei kurzfristigen Künstlerabsagen konfrontiert. Aber er machte aus der Not eine Tugend und die »Eine-Frau-Zwei-Mann-Show« begeisterte die Besucher in der bis auf den letzten Platz besetzten Kunst- und Kulturwerkstatt in der Dorfmitte Bergens.


Der Auftakt war Reinhard Hauswirth gewidmet, Autor und Vorstandsmitglied der Chiemgau-Autoren. Als »Rumbbe Schduiz« hat der ehemalige Lehrer viele Geschichten und Gedichte geschrieben: Lustiges, aber auch Nachdenkliches, vielfach Satirisches. Eigentlich sollte er selbst die Bühne entern, doch es sollte nicht mehr sein: Hauswirth ist nach schwerer Krankheit gestorben. Aber er hatte vorgesorgt und die Texte Robert Gapp übergeben, der seinem Wunsch nachkam und diese zur großen Freude des Publikums vorlas.

Anzeige

Im Gedicht »Alles was recht ist – (Sa)Ti(e)risches vom Lande« setzte sich Hauswirth mit einem hochaktuellen Thema auseinander: Frau Emilie und ihr Mann Armin ziehen in die ländliche Idylle, stören sich aber am ländlichen Duft und am Geläut des Rindviehs auf der angrenzenden Wiese – und führen einen Prozess. Diesen verlieren sie zwar, das Urteil wirft aber im Nachhinein viele Fragen auf, da die Bäuerin dem Richter aus Freude ob des für sie positiven Urteilsspruchs einen »Schmatz« verpasst, was zwar niemand sieht, aber manche hören. Liegt hier etwa eine Ordnungswidrigkeit oder gar Straftat vor? War der Richter etwa befangen? Fragen über Fragen, die es juristisch zu klären galt.

»Bärig« und witzig war Hauswirths zweites Gedicht, das mit dem Rat an den bekannten Fernsehmoderator Thomas G. endete, doch nicht so dumme Sprüche über die (Gummi-)Bären zu reißen. Der Autor hätte sich sicherlich sehr über den großen Applaus für seine Texte gefreut.

Es folgte ein wahres musikalisch-literarisches Feuerwerk des »Liaderers« Karl von Karlsbach vulgo KAvKA, im echten Leben Hermann Stützer aus Teisendorf, der sein musikalisches Rüstzeug bei den Regensburger Domspatzen erworben und in den 70ern mit seiner Coverband gemeinsam mit Hans-Jürgen Buchner (Haindling), Willy Michl und Fredl Fesl die Musikszene in München aufgemischt hat. Erst sehr spät hat Stützer wieder zu der Musik seiner frühen Jahre zurückgefunden und mit 64 seine erste CD mit dem Titel »Vergunn« veröffentlicht; derzeit arbeitet er an seiner zweiten mit dem Titel »Der spate Wind«.Mit angenehm warmen, mal leisen, mal lauteren Tönen und einer großartigen Klavierbegleitung präsentierte er unplugged wunderbare Texte aus seinem Lyrikband »Beerenlicht« und einige seiner neuen Lieder wie »Der Klärgruam-Song«, »Der Schneider, dees Rindviech«, »In der Klamm« und »S’Krippe’gspenst«. Seine in südostbairischer Mundart verfassten Texte waren mal lustig, mal nachdenklich, gesellschaftskritisch bis traurig schön, ehrlich und authentisch,

Munter in Mundart ging es mit Monika Aigner aus Siegsdorf weiter, die beruflich mit kleinen Kindern zu tun hat. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass sie den Kindern auch mal etwas erzählen oder vorlesen muss. Das macht sie sehr gern und mit großer Leidenschaft – aber nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene und ganz besonders auch für ältere Menschen. Sie hat das perfektioniert und sich in der Goldmund-Akademie in München zu einer Märchenerzählerin ausbilden lassen. Ihre Leidenschaft gilt dabei den Grimmschen Märchen, aber nicht im Original, sondern in bairischer Mundart. Und immer mit dabei bei ihren »Märchenstunden« hat sie das Ariston, eine Tischdrehorgel. Mit viel Temperament, durchaus auch mal ganz schön frech und dennoch zauberhaft, ließ sie die Zuhörerinnen und Zuhörer wieder in die Märchenwelt ihrer Kindheit eintauchen.

Am Ende des Brettls stimmte Robert Gapp mit seiner in Mundart erzählten Geschichte »De staade Zeit« auf die Vorweihnachtszeit ein. Er nahm die Anwesenden mit in die 50er Jahre, wo er als kleiner Wirtsbub die »staade Zeit« als die schönste Zeit des Jahres empfunden hat. Der lang anhaltende Applaus für die Akteure des Abends zeigte, dass es wieder einmal ein sehr gelungenes Brettl war.

Das nächste Bergener Brettl findet am 21. Dezember um 20.15 Uhr im LadenBergen statt. Reservierungen können unter dandyandy@web.de vorgenommen. Der Eintritt ist wie immer frei.