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Sauerkirsch im Doppelpack

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Geben richtig Gas, auch unplugged: Sauerkirsch im Gasthof Mühlwinkl. (Foto: Kewitsch)

Was soll er auch machen, der Musiker, der ein paar Minuten vor seinem Auftritt gefragt wird, ob er ein Konzert geben will. Er sagt schnell »Ja, passt scho«.


Aus diesem »Ja, passt schon« vor ca. acht Jahren wurde ein traditionelles Konzert, ein Licht, welches alle zwei Jahre im Doppelpack auf der Staudacher Musikbühne im Gasthof Mühlwinkl leuchtend hell erstrahlt. Sauerkirsch gibt sich die Ehre. Die Band von Martin Wilhelm, seit nunmehr 34 Jahren auf den Bühnen des Chiemgaus und darüber hinaus aktiv, ist ein Garantieschein für gute Unterhaltung. Dies gilt im doppelten Sinne. Bayerische Humorigkeit einerseits und musikalischer Genuss andererseits.

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Sie lassen es krachen die Jungs, nicht nur alljährlich am 23. Dezember in Übersee, sondern eben auch bei Alex Welte auf der Staudacher Musikbühne. Das Motto lautet zwar »unplugged«, aber irgendwie mag es bei neun Akteuren nicht gelingen, nur ruhige, »unverstärkte« Töne anzubieten. So geht die Show rasant ihren Weg.

»Maschtei« Martin bedankt sich artig für den Begrüßungs-Applaus, stellt aber unmissverständlich fest, dass dieser berechtigt war, weil das kurze bayerische Volksmusik-Intro seiner Meinung nach ohnehin die beste Nummer des Abends war. Es geht temporeich mit »Die große Welt«, »Massa Toni« und dem quirligen »Annamirl« voran. Alle Musiker in bester Spiellaune. Die Band wird nicht nur von Martin Wilhelm vorwärts getrieben, auch die drei Bläser (Josef Lechner, Peter Lechner, Franz Pichl) peitschen ordentlich mit. Am Piano der Mann mit der glitzernden Jacke, Markus Reiter. Unterstützung erhalten alle von den Gitarristen Georg Meier und Thomas Gartner, dem besten Freund von Frontmann Wilhelm. Auch Peter Janotta am Schlagzeug und Peter Lechner am Bass sind unverzichtbarer, charismatischer Bestandteil der Band, die in kernigem Bairisch wunderbare Songs kredenzt.

So mag es nicht verwundern wenn die Hymnen »Busserl« (Textpassage: »I gib dir heit koa Busserl, weil Du nasenbohrst...«) oder »Mit der Latten auf der Matten« sowohl für schmunzelnde Gesichter als auch begeisterten Applaus sorgten.

Meister Wilhelm an beiden Konzerttagen in bester Laune und eloquent wie eh und jeh. Immer wieder werden Geschichten eingestreut. Der Kabarett-Anteil ist kein geringer, dennoch gilt: Es sind alles echte und vor allem gute Lacher, die Wilhelm aus dem Publikum herauskitzelt, und die gute Laune ist ein tragfähiges Fundament für die guten Lieder, die geboten werden.

Langeweile hat keiner im Saal. Auch die Band scheint an beiden Spieltagen nicht aufhören zu wollen, erst nach Mitternacht verklingen die letzten Noten und die Balladen wie »Mörder« oder »De Sunn«. Zuvor wird der Applaus noch frenetisch, als Elvis sich die Ehre gibt, frisch dem Grassauer Seniorenstift entstiegen. »Blue Suede Shoes« und andere Gassenhauer sorgen für hohes Tempo, die Maskerade für einen hohen Wiedererkennungswert.

Alles in allem, ein wahrhaft rundes Konzert, aus der Spontanität geboren, mit einem unüberlegten »passt scho« besiegelt und eine Traditionsveranstaltung der besonderen Art, die im Chiemgau ihresgleichen sucht. Udo Kewitsch