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Das »Riesending« darf ab sofort nur noch mit Genehmigung betreten werden

Schachthöhle hinter Schloss und Riegel

Bischofswiesen – Nach der einzigartigen Bergung des verunglückten Höhlenforschers Johann Westhauser an Fronleichnam war schnell klar, dass der Eingang des Schachthöhle im Untersberg möglichst schnell verschlossen werden muss, um Höhlentourismus zu vermeiden. Am Freitag war es nun so weit.

Der Eingang zur »Riesending«-Schachthöhle ist seit Freitag vergittert. Foto: Forstbetrieb Berchtesgaden

Eigentümer des Untersbergplateaus ist der Freistaat Bayern mit den Bayerischen Staatsforsten. Die Bayerischen Staatsforsten, vertreten durch den Forstbetrieb Berchtesgaden, sind kraft Staatsforstenerrichtungsgesetz mit der Bewirtschaftung auch dieses Staatsforstbesitzes beauftragt. Dazu gehören sämtlicher Nutzen, aber auch sämtliche Risiken. Daraus ergibt sich auch eine Zuständigkeit für die Doline, in der sich der Höhleneingang befindet.

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Die Gemeinde Bischofswiesen ist für den Höhleneingang als Untere Sicherheitsbehörde zuständig, da das Gebiet im Jahre 2010 dem Gemeindegebiet Bischofswiesen zugeschlagen wurde. Das Gemeindegebiet hat sich damals um etwa 35 Hektar vergrößert, indem die bis dahin gemeindefreie Gemarkung »Bischofswieser Forst« in das Gemeindegebiet von Bischofswiesen eingegliedert wurde.

Bei einer Besprechung bei der Polizeiinspektion Berchtesgaden mit Vertretern der Bergwacht, der Gemeinde Bischofswiesen, des Landratsamts, der Bayerischen Staatsforsten sowie dem Verband Deutscher Höhlen- und Karstforscher knapp eine Woche nach der Bergung wurde über die Notwendigkeit eines technischen Verschlusses der »Riesending«-Schachthöhle beraten. Zwei Tage später ging beim Forstbetrieb Berchtesgaden bereits der Bescheid der Gemeinde Bischofswiesen ein. Mit diesem Bescheid wurden die Bayerischen Staatsforsten auf rechtlicher Basis verpflichtet, den Höhlenverschluss zu vollziehen. Der sofortige Vollzug wurde zum 30. Juni angeordnet.

Zunächst trafen sich Schlossermeister Hubert Weber, der Vizepräsident des Deutschen Höhlen- und Karstforscherverbandes, Andreas Wolf, und der stellvertretende Forstbetriebsleiter Peter Renoth am Höhleneingang, um die Bauweise des Verschlusses festzulegen. Daraufhin wurde das dafür nötige Material bestellt und es begann die Vorfertigung der Einbauteile.

Vier Facharbeiter fertigten drei Tage lang die Konstruktion, die schließlich am Mittwoch zum Untersberg geflogen wurde. Nach drei Tagen war das Gitter bis auf kleine Restarbeiten fertig. So musste noch die Gitterfußleiste im Höhleneingang eingemauert werden, wofür ein Hubschrauber Beton auf den Untersberg flog.

Zwischen Planung und Abschluss der Arbeiten vergingen nur acht Tage, wofür Peter Renoth, der selbst an der Planung mitgearbeitet hatte, allen Beteiligten Lob aussprach. Insgesamt wurden 800 Kilo Metall verbaut. Die Längsausdehnung des Gitters beträgt gut fünf, die Höhe rund drei Meter. Die Öffnung für die Höhlenforscher ist 1,20 Meter groß. Den Schlüssel für den Höhlenzugang verwahrt die Gemeinde Bischofswiesen und gibt ihn nur heraus, wenn ein berechtigtes Interesse, zum Beispiel ein Forschungsauftrag, vorliegt. Ferner müssen Interessenten ihre körperliche und fachliche Eignung nachweisen sowie eine ausreichende Versicherung vorlegen.

Die Kosten des Verschlusses belaufen sich inklusive Hubschraubertransport auf 20 000 Euro, wovon die Staatsforsten den größten Teil übernehmen. Die Kosten werden nicht auf die Bergung angerechnet. Bürgermeister Thomas Weber teilte mit, dass sich die Gemeinde Bischofswiesen an den Verschlusskosten beteiligt. »Diese freiwillige Beteiligung ist ein schönes Zeichen der Solidarität und der guten Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Staatsforsten«, sagte Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller.

Damit ist am Untersberg vorerst Ruhe eingekehrt. Im Frühherbst werden Bergwachtmänner wieder einsteigen und die für die Bergung in der Höhle benötigten Materialien wieder herausholen. Christian Wechslinger