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Schäden sind teilweise noch nicht erfassbar

Berchtesgaden - Als punktuell recht unterschiedlich müssen die Schäden beurteilt werden, die durch das Hochwasser, ausgelöst durch tagelange Regenfälle, verursacht wurden. Während vor allem die Gemeinde Schönau am Königssee und auch Bischofswiesen vor größeren Elementarschäden verschont blieben, erwischte es den Berchtesgadener Ortsteil Maria Gern und Bereiche um die Gollenbachbrücke, Duftbachweg und den Mieslötzweg sehr schwer. Ein folgenschweres Unglück hätte es wohl gegeben, wenn die Hintersee-Klause gebrochen wäre (siehe Artikel Seite 4).

Ein Bild vom Montag. Noch immer steht das Wasser auf den Wiesen im Uferbereich der Ache. Und vielerorts ist die Schadensaufnahme noch nicht möglich, weil die Fluten alles verdecken. Fotos: Anzeiger/Wechslinger (4) und privat (1)

Größere Schäden waren wie zumeist bei Hochwasser auch im Gemeindegebiet Marktschellenberg zu verzeichnen. Am schlimmsten hat es wohl insgesamt die Marktgemeinde Berchtesgaden erwischt. Eine ungefähre Schadenshöhe kann nach Auskunft des Bürgermeisteramtes erst nach den Baubesprechungen genannt werden. Im Ortsteil Maria Gern gab es Hangrutsche mit Vermurungen und sogar Zerstörungen von Straßenabschnitten.

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Weitere größere Schäden waren im Bereich des unteren Mieslötzweges um die Gebäude nahe der Gollenbachbrücke zu verzeichnen. Schäden gab es durch die übermächtigen Wassermassen auch in der Kläranlage.

Die Bundesstraße 305 war wegen Überflutung längere Zeit gesperrt. Im Bereich um das Kilianlehen waren vier Züge der Freiwilligen Feuerwehr Starnberg aus Gauting, Herrsching, Krailling und Tutzing im Einsatz, die das Wasser aus den Wiesen abpumpten. Die Anreise der Starnberger Feuerwehr mit vier Löschzügen gestaltete sich wegen der Sperrung der Autobahn als nicht leicht. Untergebracht waren die Starnberger Feuerwehrleute bei der Bundeswehr in Bad Reichenhall.

Die Gemeinde Ramsau kam noch einmal mit einem »blauen Auge« davon, bilanzierte Bürgermeister Herbert Gschoßmann. Das Hauptschadensszenario entwickelte sich durch einen Dammbruch am Klausbach am Hintersee. Ein Glück war, dass die Wassermassen am Trinkwasserschutzgebiet vorbeigeflossen seien, bilanzierte Gschoßmann. Ein Teil der Soleleitung sei ebenso abgerutscht wie es kleinere Erdrutsche im Gemeindegebiet gegeben habe. Auch im Zauberwald wurde der Weg teilweise zerstört. Im Wimbachtal gab es ebenfalls einen Murenabgang.

Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer, der Samstagnacht mehrere Stunden im Feuerwehrhaus verbrachte, sprach von über 60 Einsätzen seiner Feuerwehr. Die Einsätze seien jedoch im Gegensatz zur Situation in anderen Gemeinden in einem überschaubaren Rahmen geblieben. Mehrfach mussten in Bischofswiesen Keller ausgepumpt werden. Ferner wurden von der Feuerwehr Straßen und Wege sowie Brücken gesperrt. In der Engedey wurde die Bundesstraße 305 wegen Überflutung gesperrt. »Wir hatten viele Kleineinsätze, auch durch das Grundwasser. Aber im Großen und Ganzen sind wir glimpflich davon gekommen«, befand Altkofer.

Eigenartigerweise habe es im Gemeindegebiet Schönau am Königssee nicht so starke Regenfälle gegeben, urteilte Bürgermeister Stefan Kurz, dem auch von den Berggebieten kaum Schäden gemeldet wurden. Der Königssee sei zwar übergelaufen, aber die Schäden hielten sich in Grenzen, so Kurz, der in diesem Zusammenhang die Schifffahrt Königssee lobte, die für die Schleuse verantwortlich zeichnet. Durch das frühe Öffnen der Klausentore seien die flussabwärtigen Problembereiche dieses Mal verschont geblieben. Auch beim Pletzgraben sei dieses Mal nichts passiert, weil es durch das Entfernen von Treibgut zu keinen Verklausungen kam. »Ich möchte mich bei allen Feuerwehrkameraden für ihren Einsatz bedanken. Unsere Leute waren ja weitgehend in der Nachbarschaftshilfe bei den anderen Wehren eingesetzt«, informierte Kurz.

Der Geschäftsleiter der Gemeinde Marktschellenberg, Michael Ernst, konnte die gesamten Schäden noch nicht beziffern. »Es gab enorme Schäden, die wir erst in den nächsten Tagen in ihrem vollen Umfang erkennen können«, sagte Ernst. So sei der eiserne Steg über die Berchtesgadener Ache hinter dem Gasthaus »Almbachklamm« weggerissen worden. Durch den hohen Pegelstand der Ache habe es mehrere Überflutungen gegeben. Ferner konstatierte man mehrere Murenabgänge, auch in der Scheffau. Es mussten zwei Häuser evakuiert werden, weil die Sicherheit für die Bewohner nicht mehr gegeben war. Vor dem Wehr im Ort hätte Treibgut für Schäden gesorgt. Auch am Eishöhlenweg und an der Hammerstielwand haben sich Schäden ergeben. Wie weit es in der Almbachklamm fehlt, konnte noch nicht ermittelt werden, weil sie noch unpassierbar ist. »Das viele angeschwemmte Holz lässt darauf schließen, dass Stege beschädigt oder ganz weggerissen wurden«, vermutet der Geschäftsleiter.

Und natürlich seien viele Keller vollgelaufen, sogar im Rathaus selbst, war von ihm noch zu erfahren.

Insgesamt sind in den Gemeinden erhebliche Schäden zu konstatieren. Gleichwohl zeigten sich alle froh darüber, dass keine Personenschäden zu verzeichnen waren. Christian Wechslinger