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Schallalala, mach schon, küss sie doch ...

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»Arielle, die Meerjungfrau« ist heuer das Weihnachtsstück für Kinder im Landestheater.

Eine Statue sinkt auf den Meeresgrund, wo sich sonst eher Gerümpel – Menschenzeug eben – sammelt. Ob Eric (der die Schwimmflügerl doch besser nicht abgelegt hätte) mit dem klassischen Stein-Jüngling in Sachen Körper-Proportionen mithalten kann?


Ist nicht so wichtig, Liebe macht ohnedies blind. Arielle, die Meerjungfrau, verliebt sich ja Hals über Kopf in den erstbesten Menschen. Gut, dass der zu rettende Meisterschwimmer ein Mann ist, sonst müsste man Hans Christian Andersens Märchen doch glatt eine gendermäßig offenere (und damit: heutigere) Form geben. Aber das wäre vielleicht doch nicht anzustreben fürs obligate Weihnachtsmärchen auf der Theaterbühne, das ja dezidiert von der gerade noch gehfähigen Großmutter bis zum gerade schon auf eigenen Beinchen stehenden Enkelkind mit der Zutzlflasche geeignet sein sollte.

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Eric also, der mangelhafte Schwimmer, wird von Arielle gerettet. Er trägt einen sagenhaft gemusterten Anzug und kommt mit diesem Outfit wahrscheinlich eh nur für eine Little Mermaid infrage, eine mit noch wenig entwickeltem Gespür für Überwasser-Mode. Hanna Kastner und Clemens Ansorg sind dieses ursympathische Märchen-Traumpaar im Salzburger Landestheater. Das junge Publikum darf gleich, wenn der Vorhang aufgeht, staunen ob der großen ferngesteuerten fliegenden Fische. Der Ausstatter Karl-Heinz Steck hält allerlei Überraschungen bereit. Zum Beispiel, indem er ganz unkompliziert ein verkehrt daliegendes gesunkenes Schiff sich in einen Meeresstrand mit Leuchtturm und Strandkorb verwandelt.

Darf man davon ausgehen, dass viele Kinder den Disneyfilm kennen, der 1990 in die deutschsprachigen Kinos gekommen ist? Wahrscheinlich ja, die DVD macht’s möglich. Regisseurin Astrid Großgasteiger und ihr Ausstatter haben gut eingeschätzt, wo sie konkurrieren können und wo nicht. Die böse Meerhexe Ursula (Julienne Pfeil), die der arglosen Arielle zwar hübsche Beine macht, aber die Stimme klaut, ist im Zeichentrickfilm viel wichtiger als hier. Ihr das Medaillon, wo sie Arielles Stimme mit sich führt, wieder abzunehmen, ist für das Seepferdchen Ferdinand (Gregor Weisgerber) überhaupt kein Problem.

Anstatt der Turbulenz im Kampf gegen die zuletzt im Strandkorb schachmatt gesetzte Meerhexe also hier viele Nettigkeiten. König Triton (Gero Nievelstein) schaut mit seinem aufgeklebten Bart aus, als hätte er gerade Rumpelstilzchen gespielt und nur rasch einen Dreispitz in die Hand gedrückt bekommen. Das tut der unbeholfenen Liebenswürdigkeit des homophoben Unterwasserherrschers keinen Abbruch.

Menschen jeder Kindes-, Jugend- und Altersstufe können viele hübsche kleine Regieeinfälle beobachten und werden davon abgelenkt, dass die Geschichte selbst schon sehr, sehr brav erzählt wird. Aber wer wollte das schon ernsthaft reklamieren, wenn Ferdinand, das Seepferd, und die Arielle-Schwestern ums Boot tanzen. Dort sitzt der verklemmte Eric mit Arielle und tut schier nichts dergleichen, obwohl ihn alle anfeuern: Schallalala, mach schon, küss sie doch ... Reinhard Kriechbaum