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»Schau, hier gibt es was zu holen«

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So sehen die seltsamen Zeichen aus. Wer etwas Ähnliches bei sich zu Hause entdeckt, soll sich umgehend bei der Polizei melden: »Wir haben ein Buch, in dem man dies nachschlagen kann«, so Siegfried Lenz. Aber auch im Internet lässt sich die Bedeutung der »Gaunerzinken« nachlesen. (Foto: Ziegler)

Berchtesgaden – Florian Ziegler hat am Sonntagabend eine beunruhigende Entdeckung am Schablweg in Berchtesgaden gemacht: Eine Markierung an einem Hochbeet im Garten, die unter Dieben und Einbrechern üblich ist – genannt »Gauner- oder Zigeunerzinken«. Zudem war von der Straße her, unter dem Gebüsch hindurch, das Gras niedergetrampelt, so Ziegler. »Einbrecherbanden haben Späher, die bestimmte Häuser markieren, damit die Banden wissen, wo es was zu holen gibt«, erklärt Siegfried Lenz, stellvertretender Inspektionsleiter der Polizei in Berchtesgaden.


Der Ausdruck Zinken selbst erschien zuerst im 18. Jahrhundert, und zwar in Zusammensetzungen wie Zinkenplatz, wo sich Diebe treffen, Zinken stechen: Zeichen geben, abzinken für »kennzeichnen« oder abgezinkt sein, erwischt, erkannt worden sein. Das Wort wird vom lateinischen signum, das Zeichen, abgeleitet, aber auch vom althochdeutschen »zinko«, die Zacke, die Spitze. Kennzeichnungen in der Tradition der historischen Zinken werden auch in der Gegenwart benutzt, zum Teil in Zusammenhang mit Bettelei und Wohnungseinbrüchen.

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Die Polizei Berchtesgaden hat ihre Ermittlungen aufgenommen und die Zeichen fotografiert. Siegfried Lenz bestätigt auf Nachfrage, dass es sich um die »Gauner-Zinken« handelt. »Es ist zu vermuten, dass es wirklich solche Zeichen sind. In diesem Fall bedeuten sie 'Frau mit zwei Kindern', was allerdings nicht stimmt, da in dem Haus keine Frau mit zwei Kindern lebt.« Wer solche Zeichen findet, soll sich sofort bei der Polizei melden, rät der stellvertretende Inspektionsleiter. »Wir haben ein Buch, in dem die Zeichen aufgelistet sind.« Zudem kann man deren Bedeutung im Internet nachrecherchieren. Die Späher hinterlassen die Markierungen auch an Haustüren, Fenstern und Zufahrten. Sie kommen aber nur sehr vereinzelt vor, wie Lenz betont. »Wir hatten den Fall hier vor zwei Jahren schon einmal«, erzählt der Polizist. In Burghausen ist es dafür erst drei Tage her, dass »Gaunerzinken« an einem Briefkasten entdeckt wurden.

Und was soll man machen, wenn so etwas am Zaun ist? »Sofort die Polizei informieren«, lautet der Rat. Wenn diese das Zeichen angesehen hat und es etwas ernst zu nehmendes ist, es entfernen und besonders wachsam sein. Das bedeutet, verdächtige Wahrnehmungen sofort melden. Die Polizei Berchtesgaden bittet die Bevölkerung ohnehin um erhöhte Aufmerksamkeit und um Hinweise unter der Telefonnummer 08652/94670.

Was Florian Ziegler und seine Familie betrifft, so sagt er: »Wir sperren jetzt sowieso alles doppelt und dreifach zu.« Auch sein Nachbar habe seltsame eingeritzte Markierungen bei sich entdeckt. »Aber das muss ich mir noch mal genau anschauen«, so Ziegler. Annabelle Voss

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