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»Schee, so schee war de Zeit«

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Unser Bild zeigt Robert Gapp (links) und die Bergener Buam. (Foto: M. Heel)

Mit seinem ersten, im Dialekt geschriebenen Geschichtenband »Da Gagste und i – und andre Lausbuam und Lausdirndl« hat sich der Bergener Mundart-Autor Robert Xaver Gapp, ehemals Lehrer und zuletzt Vize-Chef des Chiemgau-Gymnasiums, nicht nur einen Herzenswunsch erfüllt, er hat auch gleich einen großen Erfolg damit gehabt, und das weit über den Chiemgau hinaus.


Dieser Erfolg war sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass die Kindheit und die damit verbundenen Erinnerungen nun mal zum Schönsten gehören, was uns das Leben zu bieten hat. Denn wie heißt es so treffend: Die Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Vor allem dann, wenn sich diese Kindheit in den fünfziger Jahren abgespielt hat, als das Leben noch einfacher und weniger reglementiert und in vielerlei Hinsicht auch sorgloser war als heute.

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Jetzt hat Robert Gapp bei seiner Lesung im Traunsteiner Studio 16 sein neues Buch »Do waar no ebbs …« vorgestellt, wieder in herzhaft bairischem Dialekt erzählt und so humorvoll und hintersinnig, wie wir es mittlerweile von ihm gewohnt sind. Geschichten, die erneut die fünfziger Jahre und seine Kindheit als Wirtsbub in Bergen lebendig werden lassen und die Leser dazu einladen, wieder in die Vergangenheit einzutauchen und sich an eigene schöne Erlebnisse und Begebenheiten zu erinnern.

So erfahren wir unter anderem, was Wirtshausbrüder nächtens auf dem Nachhauseweg so alles erleben, welche Folgen eine »Brodzeit gaanz umasunst« hat, und wie umtriebig die damals »jungen Wilden« waren. Zu finden sind auch wieder lustige Lausbubenstreiche mit seinem Freund Gagste und unglaubliche Viechereien, andererseits aber auch ernste, einfühlsame, zum Innehalten und Nachdenken anregende Gedichte über das, was im Leben so auf einen zukommen kann. Sehr berührend dabei seine Trilogie »Üwas Oidwean«, »I woaß's hoid nimma« und »Wenn da Boandlkrama kimd«. Allerdings muss man schon recht dialektsicher sein, um Wörter wie »S Kaiwegäiid« (Kälbergeld) auf Anhieb zu entziffern, aber das sollte niemanden abschrecken. Auch wer sich anfangs vielleicht schwer tut, nach ein paar Seiten hat man sich eingefunden und in Gapps Sprache eingerichtet. Was ja auch den besonderen Reiz der Geschichten ausmacht, die konsequente Anwendung der Mundart, die den Texten zusätzliche Authentizität und emotionale Wärme verleiht. Sehr schön auch, dass viele der Geschichten durch witzige, treffsichere Karikaturen ergänzt werden; sie stammen vom Bergener Toni Maier, dem ehemaligen Wirt der Bründlingalm.

Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von den Bergener Buam. Informationen über seine Bücher gibt es beim Autor unter der E-Mail-Adresse R.X.Gapp@t-online.de. Wolfgang Schweiger