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Pläne der Kirchenverwaltung für Mesnerhaus-Dach sorgen für Aufregung unter den Ramsauern

Schindeln sollen glänzendem Kupfer weichen

Ramsau – Aufregung bei den Ramsauern: Die Kirchenverwaltung will das Mesnerhaus vor der weltberühmten Kirche St. Sebastian mit einem glänzenden Kupferdach decken. Seit jeher hat das denkmalgeschützte Gebäude ein Schindeldach, ebenso wie die Kirche. Welche enormen Wellen die Pläne schlagen, wurde auf der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend deutlich. Neben einigen empörten Bürgern wundert sich auch Bürgermeister Herbert Gschoßmann über die Entscheidung der Kirchenverwaltung und schrieb den Verantwortlichen einen Brief. Darin bittet er, alles noch einmal zu überdenken.

Ein glänzend rotes Kupferdach auf dem Mesnerhaus? Mit dieser Zukunftsaussicht haben einige Ramsauer ein Problem – im Gegensatz zur Unteren Denkmalschutzbehörde. Sie gab dem Vorhaben der Kirchenverwaltung grünes Licht. (Foto: privat)

Von Anfang an stellte Herbert Gschoßmann klar: »Die Entscheidung über das Dach war und ist nicht unsere Sache.« Allerdings hatte die fragwürdige Entscheidung der Kirchenverwaltung für ein Kupferdach bereits auf der Pfarrgemeinderatsversammlung vor zwei Wochen für Diskussionen gesorgt, wie der Bürgermeister berichtete. »Es war eine Überraschung, dass man auf das denkmalgeschützte Haus so ein Dach macht, und dass die Denkmalschutzbehörde das zulässt«, sagte Gschoßmann.

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Die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt hat die Baugenehmigung zum Kupferdach bereits 2014 erteilt, wie Kirchenpfleger Alois Resch von der Kirchenverwaltung auf Nachfrage bestätigt. Diesen Umstand kommentierte Gschoßmann in der Sitzung: »Andere Leute sind von der Behörde gefuchst worden bis zum Geht-nicht-mehr. Wenn jemand in Zukunft etwas an einem denkmalgeschütztem Objekt machen will, muss sich die Behörde auf einige Fragen gefasst machen.«

Laut Resch ist ein Kupferdach schlichtweg billiger im Unterhalt. Während das Kupfer 100 Jahre hält, müssten die Schindeln alle 25 Jahre erneuert werden. Es gibt auch einen Grund, warum die Verwaltung hier so penibel auf die Kosten achtet. Resch erklärt auf Nachfrage, dass das Gebäude-Ensemble rund um St. Sebastian im Moment noch vom Erzbischöflichen Ordinariat unterhalten wird. In Zukunft soll die Kirchenverwaltung aber den Unterhalt des Mesnerhauses übernehmen. Darum sollen mit dem neuen Dach Kosten eingespart werden, um die finanzielle Last auf den Schultern der Kirchenverwaltung etwas zu schmälern.

Der Bürgermeister hat in einem Brief an die Kirchenverwaltung seine Bedenken geäußert: »Ich habe die Verantwortlichen gebeten, noch einmal ihren Maßstab Wirtschaftlichkeit zu überdenken.« Denn weder die Gemeinderatsmitglieder, noch die Bürger in der Ramsau wollen das auffällige Dach.

Mit Blick auf das Umfeld der weltbekannten Kirche St. Sebastian erscheine es unverständlich, dass ein wesentlicher Teil dieses Gebäudeensembles in Zukunft nicht mehr sein historisches Schindeldach haben soll. »Ich halte es für nachvollziehbar, wenn von einem dauerhaften Verlust historischer Baukultur gesprochen wird, und dies an einem durchaus sensiblen Ort«, schreibt Gschoßmann.

Für sich betrachtet hätten die wirtschaftlichen Gründe, die für ein Kupferdach sprechen, ihre Berechtigung. Es stelle sich jedoch die Frage, ob wirtschaftliche Aspekte in so einem Fall der alleinige Maßstab sein können oder sein dürfen, gibt der Bürgermeister zu bedenken.

Es dürfe in der jetzigen Situation nicht um die Frage gehen: »Was kann in 30 Jahren wie finanziert werden«. Das dürfe heute nicht die entscheidende Rolle spielen, mahnt der Bürgermeister. »Viel entscheidender sollte das Wissen sein, dass mit dem Schindeldach auf dem Mesnerhaus ein Stück Ramsauer Geschichte und historische Baukultur verloren gehen.« Auch Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger findet die Entscheidung für ein Kupferdach »schade«, wie er auf Nachfrage kundtut: »Seit vergangener Woche haben schon sechs Ramsauer bei mir angerufen und sich empört über die Pläne der Kirchenverwaltung.« Durch ein Kupferdach auf dem Mesnerhaus werde der »schöne Zusammenhang« der denkmalgeschützten Gebäude zerstört.

Alois Resch und die Kirchenverwaltung schreiben in einer Antwort auf den Brief des Bürgermeisters, dass sie gerne zu Gesprächen bereit sind und auch, alles noch einmal zu überdenken. Resch sagte auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«, er wisse nicht, was in den nächsten zwei bis drei Monaten passiert. Man könne jetzt noch nicht hundertprozentig sagen, ob das Kupferdach wirklich kommt, oder ob es doch die Schindeln werden. Aber er ist überzeugt: »Wenn ein paar Jahre vergangen sind und das Dach seine Farbe durch die Patina geändert hat, fällt es keinem mehr auf.« Annabelle Voss