Schließung der Orthopädischen Reha und Dauerbaustelle

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Auf der Alten Königsseer Straße wird seit März gebaut. Das zog im Gemeinderat Schönau am Königssee Kritik an den beteiligten Firmen nach sich. (Foto: Ulli Kastner)

Schönau am Königssee – Erheblicher Redebedarf bestand am Dienstag in der allgemeinen Aussprache des Gemeinderats Schönau am Königssee. Themen waren die Dauerbaustelle Alte Königsseer Straße, die bevorstehende Schließung der Orthopädischen Rehabilitation in der Schön Klinik, ein Zeitungsartikel über die Jahreshauptversammlung des Bund Naturschutz und das bevorstehende Buttnmandllaufen.


Seine Unzufriedenheit mit der Abwicklung verschiedener Baustellen auf dem Gemeindegebiet drückte Franz Graßl (CSU) aus. Namentlich erwähnte er die Baustellen Alte Königsseer Straße und Richard-Voß-Straße sowie den Fergerlberg, die sich in die Länge ziehen würden. Auf der Alten Königsseer Straße werde bereits seit März gebaut, das Projekt ziehe sich noch bis Dezember hin und im Frühling gehe es noch einmal los. Die Gemeinde müsse darauf achten, dass so etwas nicht noch einmal passiert, mahnte Graßl und forderte, mit den Firmen ein ernstes Wort zu reden.

Bürgermeister Hannes Rasp gab ihm recht: »Das passt nicht«. Immerhin habe man nun die Zusage, dass auf der Alten Königsseer Straße heuer noch die Tragschicht aufgetragen werden soll. Im Frühling komme dann nur noch die Deckschicht drauf.

Andreas Pfnür (SPD) war es ein Anliegen, die für August nächsten Jahres geplante Schließung der Orthopädischen Rehabilitation in der Schön Klinik öffentlich zu machen. »Das geht alles relativ lautlos vonstatten, dabei gehen dabei einige qualifizierte Arbeitsplätze verloren«, sage Pfnür. Schließlich habe sich die orthopädische Reha in der Schönau in den letzten 20 Jahren einen Namen gemacht. Nach Auflösung des Dialysezentrums in Berchtesgaden gehen nun eine weitere wichtige Gesundheitseinrichtung im Talkessel verloren. »Für eine stationäre Reha wird man künftig nach Bad Aibling fahren müssen«, sagte Pfnür, der eine Protestreaktion vermisst. Nach seinen Informationen würden aktuell einige Beschäftigte die Klinik verlassen. »Das ist mir neu«, antwortete Bürgermeister Hannes Rasp und kündigte eine Nachfrage an.

Wie es heuer mit dem Buttnmandllaufen ausschaue, wollte Hubert Biller (Freie Wähler) vom Bürgermeister wissen. Der betonte, dass es bislang keine behördlichen Vorgaben gebe. Allerdings seien ja Regeln für den Privatbereich angekündigt. Für sinnvoll hält es Hannes Rasp aber, dass alle, die die Familien in den Häusern besuchen, geimpft und getestet sind. Ein Gespräch mit den Bassen werde es bald geben, sagte Rasp.

Kritik an verschiedenen Aussagen, die der Bund Naturschutz laut »Anzeiger«-Artikel auf der Jahreshauptversammlung getroffen hatte, übte Martin Hofreiter (Freie Wähler). Aufgestoßen ist ihm im Zusammenhang mit der geplanten Errichtung eines asphaltierten Alltagsradwegs entlang der Königsseer Ache die Aussage, dass »jeder Wanderweg zu einem Lkw-Fahrweg ausgebaut wird«. Hofreiter stellte klar, dass nur der bestehende Weg für Radfahrer asphaltiert werde, der Fußweg bleibe ein Sandweg.

Hofreiter stellte sich auch hinter dem von Bund Naturschutz kritisierten Kanalbau auf Kühroint. »Das ist doch schließlich ein Beitrag zum Umweltschutz«. Richtig stellen wollte er auch die Aussage des Bund Naturschutz, dass beim Hotelbau am Königssee nicht an Personalwohnungen gedacht sei. Vielmehr sei im städtebaulichen Vertrag die Schaffung von Personalwohnungen festgelegt. »Die müssen laut Vertrag aber nicht unbedingt neu gebaut werden«, ergänzte Margret Pfnür (Grüne). Und in puncto Wiederaufbau der Königsseer Kunsteisbahn, den der Bund Naturschutz ablehnt, hob Martin Hofreiter die Bedeutung der Einrichtung für den Tourismus hervor.

Mit seinen Äußerungen hat Martin Hofreiter dem Bürgermeister »aus der Seele gesprochen«, wie dieser betonte. Wenn er sich die BN-Kritik am Bau eines Radwegs entlang der Ache in Erinnerung rufe, »dann verstehe ich die Welt nicht mehr«, sagte Hannes Rasp. Schließlich sei es doch Konsens, dass man weg vom Auto zu mehr Radverkehr kommen müsse. Es sei schade, dass viele nur mit Halbwahrheiten agieren würden.

Diese Halbwahrheiten kritisierte auch Beppo Maltan (Freie Wähler), 1. Vorsitzender der Alpenvereinssektion Berchtesgaden. Die Sektion hatte nämlich vom Bund Naturschutz ihr Fett weg bekommen, weil sie plant, die Blaueishütte an die öffentliche Wasserversorgung in Ramsau anzuschließen. Rita Poser hatte bemängelt, dass die Sektion das nicht schon vor zehn Jahren gemacht habe. Allerdings hätte man laut Maltan dafür vor zehn Jahren noch 1 Million Euro investieren müssen. »Und es ist doch gescheiter, unten in Richtung Tal aufzugraben statt die defekte Leitung oben in Richtung Blaueisgletscher völlig neu zu machen.«

Ulli Kastner