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Schlosskapelle als Kammermusik-Tempel

Hinter dichtem Laubwerk versteckt sich Schloss Hartmannsberg und die hereinziehende Abenddämmerung machte das idyllisch am Schlossteich gelegene Gebäude von der Straße aus vollends unsichtbar. Drinnen in der erleuchteten Schlosskapelle regte sich indes erwartungsfreudiges Leben. Psalter und Harfen, die als Instrumentarium der Engel gelten, waren es nicht, aber mit Flöten und Harfe boten Bettine Clemen und Silke Aichhorn verwandte musikalische Assoziationen an und machten den schönen Kapellenbau zum stimmungsvollen Ambiente für kammermusikalische Klangvarianten.

Harfenistin Silke Aichhorn und Flötistin Bettine Clemen gewannen rasch die Sympathien der Zuhörer.

Originalwerke für Harfe Solo oder die Kombination Flöte-Harfe sind nicht gar zu häufig zu finden, aber die weit über den Chiemgau hinaus bekannte Harfenistin Silke Aichhorn hat sich ihr umfangreiches Repertoire geschickt aufgebaut, denn die Harfe kann aus der gleichen Notation spielen wie das Klavier, wie Aichhorn informativ erklärte. Allerdings war es erst mit dem Aufkommen der Pedale ab 1810 möglich auch Halbtöne und Tonartenwechsel auf der Harfe zu produzieren, ergänzte die Harfenistin. So boten die beiden Musikerinnen sowohl Stücke wenig bekannter Komponisten als auch Gängiges und dazu ein paar aparte Originalstücke.

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Die aus Rosenheim gebürtige und in Bad Endorf aufgewachsene Flötistin Bettine Clemen lebt nun nach langjährigem USA-Aufenthalt und zahllosen Reisen durch mehr als 110 Länder wieder in Bayern, im Berchtesgadener Land. Als langjährige Flötenentertainerin wusste Clemen mit ihrer geschickten Moderation auf Anhieb die Sympathien ihres Publikums zu gewinnen. Und für Aichhorns informatives Lüften der Harfen-Geheimnisse in Bezug auf Instrument und Spielweise zog die Künstlerin in der Pause die Interessierten geradezu magisch an.

Ihren Musikvortrag starteten die Musikerinnen mit Sonaten von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach, sozusagen als Einstimmung in das Kapellen-Ambiente. Mit der ohrwurmartigen Melodik der »Last rose of summer« schuf John Cheshire eine elegante Transkription für Harfe solo aus Flotows bekannter Opernmelodie, von Aichhorn delikat serviert. Original für Flöte und Harfe komponiert ist das äußerst reizvolle Nocturne von François Joseph Nadermann und Jean-Louis Tulou aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts. Nadermann war französischer Harfenist und Komponist und Tulou-Flötist, Flötenlehrer und Instrumentenbauer. Als profunde Kenner ihrer Instrumente schufen sie ein effektvolles spielgerechtes Stück mit einem innigen Larghetto-Satz zu Beginn, der dann in eine pfiffige »Tyrolienne de Guillaume Tell« übergeht und mit einem beschwingten Rondolette schließt. Genussreich war auch Gioacchino Rossinis Andante con variazioni, das in vielen Instrumentalvarianten beliebt ist und hier in der Flöten-Harfen-Formation von den Musikerinnen voller Charme und Grazie serviert wurde. Rossini hat ja bekanntlich mit 35 Jahren mit dem Komponieren aufgehört und sich fortan nur mehr als Kochkünstler betätigt, steuerte Aichhorn als typische Rossini- Charakterisierung bei.

Bettine Clemen pflegt stets mit einer Auswahl aus ihrer umfangreichen »Flötenfamilie« zu reisen und so hatten die Zuhörer das Vergnügen, die traditionelle Melodie »Scarborough Fair« auf einer von Clemens Indianerflöten zu hören. Von großem Reiz war auch das Flötensolo »Flöte und Trommeln bei Sonnenuntergang«, das der chinesische Komponist Tan Mi Zi für Clemen komponiert hatte, basierend auf einem traditionellen chinesischen Thema.

Maurice Ravels »Pavane pour une infante defunte« war ursprünglich für Klavier solo geschrieben, aber der Komponist schuf auch eine Orchesterversion. Pavane ist ein langsamer Schreit- und Reihentanz, wie er an europäischen Höfen im 16. und 17. Jahrhundert populär war. Ravel dachte dabei an eine Prinzessin, die am spanischen Hof gelebt haben könnte. Auch in der Version für Flöte und Harfe zeigte Ravels Melodik ihren Charme.

Ebenfalls in impressionistischen Farben leuchtete Claude Debussys »En Bateau«, welche die Soloharfe fein erblühen ließ. Jaques Iberts Entrácte, für Flöte und Gitarre konzipiert, hatte ebenso in der Harfenkombination das passende Pendant. Als Originalstück für Flöte und Harfe gefielen Marc Berthomieus drei Stücke aus »Cinq nuances«: Pathetico-Lascivo- Exotico«, die Aichorn als passende Attribute der Flötistin zuerkannte.

Die Zuschauer dankten applausfreudig für den vielgestaltigen Konzertabend und erklatschten sich noch einen Extra-Höhepunkt mit der Zugabe von Vittorio Montis Csárdás, der zweifellos zu Bettine Clemens Paradestücken zählt und den Silke Aichhorn entsprechend »harfig« unterbaute. Elisabeth Aumiller