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Schneechaos in Bayern: Neuer Katastrophenalarm

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Winter in Bayern
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Ein Mann geht auf einer schneebedeckten Straße in Berchtesgaden (Bayern) entlang. Foto: Tobias Hase Foto: dpa

Seit Tagen schneit es in vielen Regionen Bayerns fast ununterbrochen. Jetzt muss die Bundeswehr zu Einsätzen mit Kettenfahrzeugen ausrücken. Bäume fallen unter der schweren Last zusammen - bei München stirbt ein Bub.


München (dpa/lby) - Die Lage in den bayerischen Schneegebieten spitzt sich zu. In drei Landkreisen gilt inzwischen der Katastrophenfall. In Aying bei München brach am Donnerstag ein Baum unter der schweren Schneelast zusammen und erschlug einen neunjährigen Jungen. Erst nach 40 Minuten entdeckten Zeugen den darunter begrabenen Bub und alarmierten die Rettungskräfte, die ihn nicht mehr wiederbeleben konnten.

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Auf den verschneiten Zugstrecken kommt die Deutsche Bahn (DB) nicht mehr mit dem Räumen hinterher. Sie stellte deswegen den Regionalverkehr in Teilen Süd- und Ostbayerns ein. In den Regionen Kempten, Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden fallen in den nächsten Tagen die Züge aus. Auch bei der niederbayerischen Waldbahn und der Bayerischen Oberlandbahn südlich von München ist derzeit kein Betrieb möglich.

Das Landratsamt Traunstein rief am Donnerstag den Katastrophenalarm aus. Die schweren Schneemassen seien eine Gefahr für die Menschen, teilte ein Sprecher mit. Für den Landkreis Miesbach und Teile des Berchtesgadener Lands hatten die Behörden zuvor schon den Katastrophenfall erklärt.

An der Grenze zu Österreich saßen Hunderte Menschen fest, weil Zufahrtsstraßen wegen der Schneemassen gesperrt waren. Für die mehr als 350 Bewohner in den Berchtesgadener Ortsteilen Buchenhöhe und Vorderbrand sowie in Ettenberg, das zur Gemeinde Marktschellenberg gehört, wurde eine Notversorgung eingerichtet, wie das Landratsamt erklärte. Mit gepanzerten Kettenfahrzeugen transportierten Bundeswehrsoldaten die betroffenen Einwohner und Mitarbeiter eines Asthma-Zentrums in Buchenhöhe. Nur die Militärfahrzeuge konnten die Strecke befahren.

Im Raum Miesbach und Berchtesgaden war die Bundeswehr mit rund 30 Soldaten im Einsatz. Sie räumten unter anderem Dächer. Weitere Kräfte der Gebirgsjäger, der Luftwaffe, der Streitkräfte und des Sanitätsdienstes seien in erhöhter Bereitschaft, teilte ein Sprecher des Landeskommandos Bayern mit.

Zahlreiche Straßen in der Region blieben wegen der Schneemassen und umgestürzter Bäume gesperrt. Unter anderem kann die für Skifahrer und Reisende wichtige Bundesstraße 307 in Oberbayern teilweise nicht befahren werden. Die Lawinengefahr sei zu hoch, erklärte das Landratsamt Miesbach. Auch die Strecke von Garmisch-Partenkirchen nach Innsbruck über Seefeld in Tirol ist nicht mehr befahrbar.

Auf den verschneiten Straßen kamen viele Autofahrer ins Rutschen. Lastwagen blieben an Steigungen hängen. Auf der Autobahn 8 staute sich der Verkehr am Chiemsee auf rund zehn Kilometer. Teilweise gab es für die Räumfahrzeuge kein Durchkommen mehr.

Am Flughafen München wurden ungefähr 50 Flüge wetterbedingt annulliert - allerdings liege das an den Witterungsverhältnissen an anderen Orten und nicht an den Schneeverhältnissen an Deutschlands zweitgrößtem Airport, sagte ein Sprecher.

In vielen bekannten Skigebieten Bayerns blieb ein großer Teil der Pisten geschlossen, manche der kleineren Gebiete stellten den Betrieb gänzlich ein. Nur noch eingeschränkt möglich sind derzeit auch Winterwandern und Rodeln in Tourismusgemeinden - so in Bad Tölz, Mittenwald, Oberammergau und am Tegernsee.

Die Krankentransport- und Rettungswagen des Bayerischen Roten Kreuzes brauchen wegen des Schnees länger auf dem Weg zu Patienten und Kliniken. Die medizinische Versorgung sei aber nicht beeinträchtigt, sagte ein Sprecher. In den Alpenregionen seien Fahrzeuge mit Allradantrieb im Einsatz. »Vereinzelt müssen Spezialfahrzeuge der Bergwacht vorausfahren und den Weg freimachen.«

In immer mehr Landkreisen in Oberbayern und Schwaben fällt an diesem Freitag der Unterricht aus. Zu gefährlich sei der Schulweg für die Kinder und Jugendliche, hieß es von den Behörden. Eine Betreuung für die Schüler sei aber vor Ort möglich. In den vergangenen Tagen war bereits in vielen Landkreisen der Unterricht ausgefallen. Die Münchner Stadtverwaltung warnte derweil vor Spaziergängen in Parks und Grünanlagen.

Der Bayerische Jagdverein kündigte an, Wildtiere in den Bergen per Hubschrauber notzuversorgen. Bei Schneehöhen von bis zu drei Metern könnten sich die Tiere kaum fortbewegen. Die Futterlager seien komplett eingeschneit.