weather-image

Schneechaos, Waldkindergarten und ein autonom fahrender Bus

3.2
3.2
Berchtesgaden: Schneechaos, Waldkindergarten und autonomer Bus bei Bürgerversammlung
Bildtext einblenden
Der Bauwagen für den Waldkindergarten ist bald fertig. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Die Schneekatastrophe heuer soll »nur ein Winter in Berchtesgaden« gewesen sein. So sieht es jedenfalls Marktbürgermeister Franz Rasp.


Auf der Bürgerversammlung am Dienstagabend im AlpenCongress blickte der Rathauschef vor rund 80 Zuhörern auf die wichtigsten Ereignisse des abgelaufenen Jahres zurück. (Auf die Diskussion und den Sicherheitsbericht von Polizeichef Willi Handke kommen wir noch zurück.)

Anzeige

Rasp wollte das Schneechaos nicht verharmlosen, aber: »Es war einfach ein Winter in Berchtesgaden.« Der Unterschied zu den vergangenen Jahren sei nur, dass sehr viel Schnee in kurzer Zeit gefallen sei. Der schwere Schnee habe viel Schneebruch verursacht. Wegen der Sicherheitsgefahr habe man die Straße zur Buchenhöhe sperren müssen. Die Bundeswehr musste Schüler und Lehrer der CJD-Schule mittels gepanzerter Hägglund-Fahrzeuge transportieren.

Massive Schneelast auf Schanze

Zudem bereitete das Schneechaos der Kälbersteinschanze Probleme. Die massive Schneelast auf dem Anlauf rutschte auf den brückenartigen Vorbau und blieb darauf liegen. »Hätten die Feuerwehr und die Bergwacht diese Situation nicht umgehend entschärft, gäbe es die Schanze jetzt nicht mehr.«

Dass es wirklich nur ein Winter in Berchtesgaden gewesen sein soll, zeigte der Marktbürgermeister anhand einer Statistik zum Streusalzverbrauch. »Heuer sind 1100 Tonnen Streusalz aufgewendet worden. Im Vergleich zu den vergangenen vier Jahren liegt die Gemeinde Berchtesgaden unter dem Durchschnitt.«

Zahlreiche Einsatzkräfte waren beim Großbrand der CJD-Schule auf der Buchenhöhe gefordert. Rasp lobte das Engagement der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden sowie die überörtliche Unterstützung durch die Nachbarwehren: »Der Eine kann sich auf den Anderen verlassen. Das ist nicht selbstverständlich.«

Des Weiteren hat die Marktgemeinde Maßnahmen zur Schaffung von weiteren Kinderbetreuungsplätzen eingeleitet. »Der Waldkindergarten ist im Werden«, so Rasp. Der Bauwagen soll an der Waltenbergerstraße im Bereich der Villa Ottenstein stehen.

Mit einem Schmunzeln verdeutlichte der Bürgermeister die zu erfüllenden Auflagen: Der sechs Meter lange Bauwagen müsse Blitzschutz, Brandschutz sowie zwei Fluchttüren vorweisen. Zudem muss das Dach auch fallenden Ästen standhalten. Am 14. Dezember findet die Einweihung des Waldkindergartens statt.

Man hat heuer auch die Kindertagesstätte Au kernsaniert, den Innenbereich umgebaut und am 7. Oktober neu bezogen. Rasp: »Die Kirche ermöglichte uns eine weitere Betreuung des Nachwuchses im Pfarrheim auf der Buchenhöhe, wo sie Gruppenräume zur Verfügung stellt.«

Des Weiteren plant die Marktgemeinde einen Kindergarten im Rosenhofstadel. »Es ist ein ambitioniertes Projekt. Das Gebäude ist dem Verfall preisgegeben. Wegen des Denkmalschutzes ist eine Sanierung notwendig«, erklärte Rasp. »Wir haben uns bewusst gegen eine Verdichtung am bisherigen Kindergarten entschieden.«

Auflösung des letzten Verbandes

Der Rathauschef verkündete ein »historisches Ereignis«: »Der letzte Gemeindekanal ist nun am Lärch­eck installiert.« Im 19. Jahrhundert hat man mit dem Bau der ersten Abwasserleitungen begonnen. Nun wolle man nur noch die Rohrkanäle sanieren. Auch ein beachtliches Ereignis war für den Rathauschef die Auflösung des Wasserbeschaffungsverbandes Untersalzberg – der letzte im südlichen Landkreis. »Vor 50 Jahren wurde die Genossenschaft gegründet. Weil die Bauern sich nicht mit ausreichend Wasser versorgen konnten, haben sie sich zusammengeschlossen.«

Eine Wasserfassung mit rund 60 Kubikmetern Inhalt stand den Bauern zur Verfügung. Der Aufwand, die Versorgung zu erhalten, war aber für den ehrenamtlichen Verband unmöglich. Deshalb bekam man später Unterstützung von der Gemeinde, die Wasserversorgung läuft nun über das Wimbachwasser. Die Wasserfassung soll aber erhalten bleiben. Für das Klärwerk kündigte der Bürgermeister Ausgaben an: »Wir wollen demnächst rund 2 Millionen Euro in die Kläranlage investieren.«

Zudem will die Marktgemeinde Berchtesgaden neuen Wohnraum schaffen. In Zusammenarbeit mit dem Wohnbauwerk sollen sieben Reihenhäuser am Spornhofweg gebaut werden. Das Einzelgebäude hat 110 Quadratmeter und soll unter 400.000 Euro kosten. »Der Standort soll sich für junge Familien eignen.«

Sarkastisch äußerte sich der Marktbürgermeister zur Telekom: »Die Firma hat endlich mal ein Projekt abgeschlossen: auf der Buchenhöhe und Klaushöhe.« Der weitere Ausbau hake, weil es keine Firmen gibt, die das übernehmen wollen. »Das ist unbefriedigend, aber an der Gemeinde liegt es nicht.«

Ein Euro für Busfahrt

Was die Gemeinde seit über zehn Jahren unterstützt, ist der Ein-Euro-Tarif für Busfahrten innerhalb Berchtesgadens. Beispielsweise müsse man für die Strecke vom Bahnhof bis zum Haus der Berge nur einen Euro zahlen. »Die Gemeinde übernimmt den Differenzbetrag«, so Rasp.

Der umgestaltete Kreisverkehr am Bahnhof ist für den Marktbürgermeister ein zentrales Thema beim Straßenbau. Rasp ist nach wie vor von dem Bypass am Kreisverkehr überzeugt. »Ich habe bereits Wetten abgeschlossen. Wenn es nicht funktioniert, zahle ich ein paar Kästen Bier.«

Die Gemeinde hat ihre Schulden Ende 2018 auf 17,3 Millionen Euro gesenkt. Damit hat man in den vergangenen zehn Jahren die Schulden um 5 Millionen Euro reduziert. »Wir wollen weiterhin jedes Jahr eine Million Euro Schulden tilgen«, so Rasps Statement.

Auch berichtete der Rathauschef über die Marktbücherei, die jetzt 3500 Leser hat und mit dem Verbund »BIBLIO18« 350.000 Medien zur Verfügung stellt. Der Bücherschrank im Kurgarten werde gut angenommen. Das Mehrgenerationenhaus Werk 34 hat mittlerweile ein Wochenprogramm mit 22 Gruppen zu bieten. Im Schülerforschungszentrum gebe es reichliche Kursangebote in den technischen Bereichen wie Löten. Berchtesgaden hatte im Oktober 7709 Einwohner und 19 Asylbewerber. Die Geburtenzahl stieg mit 74 Neugeburten um 14 im Vergleich zum Vorjahr an, die Sterbezahl erhöhte sich auf 144.

Eine Vision nannte der Marktbürgermeister noch: »Ich will einen autonom fahrenden Bus zwischen Bahnhof und Markt.« Das Verkehrsmittel ist wie ein Aufzug zu bedienen: »Auf Knopfdruck wird man befördert.«

Patrick Vietze

Italian Trulli