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Schock für Dortmund nach Götze-Aus - «Derby»-Gefühle

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Mario Götze kann im Champions-League-Finale nicht spielen. Foto: Federico Gambarini Foto: dpa

München (dpa) - Final-Aus für Mario Götze! Jürgen Klopp und Borussia Dortmund müssen im Champions-League-Endspiel am Samstag auf eine Trotzreaktion setzen. Einen Tag nach seinem Trainingsabbruch hakte der Fußball-Nationalspieler seine Teilnahme am großen Spiel in Wembley gegen den FC Bayern ab.


«Es tut mir unglaublich leid, der Mannschaft in dieser wichtigen Partie nicht helfen zu können», berichtete ein geknickter Götze. «Ich habe volles Vertrauen in unser Team und werde selbstverständlich mit nach London reisen, um die Jungs abseits des Rasens nach Kräften zu unterstützen.»

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Plan B muss also in Dortmund her, wo auch Abwehrchef Mats Hummels angeschlagen ist. Während für Klopp schon die Suche nach der Final-Elf zu einem kniffligen Puzzlespiel wird, muss sich Jupp Heynckes nur über eine erfolgsverheißende Spielstrategie für das Endspiel am Samstag den Kopf zerbrechen. Die Personalie Götze wird bei den Münchnern nicht überbewertet. «Mario Götze ist ein sehr wichtiger Spieler für Dortmund. Aber die Dortmunder haben gezeigt, dass sie auch Ausfälle kompensieren können», betonte Münchens Nationaltorhüter Manuel Neuer am Mittwoch.

Hummels wird gegen den ehemaligen Club wohl auflaufen, dagegen fehlt Götze gegen die künftigen Mitspieler. Und gleich wurde über die neue Formation gerätselt. Marco Reus in der zentralen Rolle? Oder doch Ilkay Gündogan? «Ich weiß eigentlich, was auf der 10er-Position zu tun ist», kommentierte Gündogan Spekulationen, wonach er im zentralen offensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen könnte.

Bereits beim Bundesliga-Abschluss am vergangenen Samstag versuchte sich der beim BVB normalerweise auf der linken offensiven Außenposition eingesetzte Reus als Spielmacher. Ähnlich wie der ehemalige Mönchengladbacher hat aber auch Gündogan seine Qualitäten als Götze-Ersatz bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Beim 6:1-Kantersieg Mitte April beim Absteiger Greuther Fürth überzeugte der 22-Jährige als Regisseur und zweifacher Torschütze.

Die Fan-Vorfreude wird trotz der ernüchternden Nachricht für den BVB-Anhang weiter riesengroß sein. Die Final-Städte Dortmund und München sowie auch die Hauptstadt Berlin rüsten sich für eine riesengroße Public-Viewing-Party, putzen Fanmeilen für zigtausende Menschen heraus, selbst bei den Formel-Piloten in Monaco wurde über das große Finale am Samstag in London gesprochen. Und bei den beteiligten Teams? Da steigt die Anspannung sowieso von Stunde zu Stunde.

«Das Adrenalin kommt», berichtete Franck Ribéry zwei Tage vor der Anreise der Mannschaft in die englische Hauptstadt. «Das Abschlusstraining im Stadion ist ein besonderer Moment. Da fängt das Kribbeln an», sagte Neuer zum Spannungsaufbau. Der ansteigende Druck paare sich mit wachsender Vorfreude. «Das sind die Spiele, wofür wir das ganze Jahr arbeiten, das sind die Highlights», erklärte der Torhüter.

Als Ur-Schalker verspürt Neuer zudem einen Schuss Extra-Motivation gegen den BVB. Für ihn persönlich sei es «eine Art Derby». FC Bayern gegen Borussia Dortmund, das sei zwar das Fußball-Duell der Gegenwart in Deutschland, so Neuer. Aber es sei «absolut nicht vergleichbar» mit der historisch gewachsenen Abneigung zwischen Königsblau und Schwarz-Gelb. «Das ist eine andere Rivalität.» Neuer lebt sie vor dem siebten deutschen Duell in der Königsklasse.

Zwar wollen die Münchner den Pott nach 90 Minuten hochhalten, aber Neuer hat sich nach dem Vorjahresdrama gegen den FC Chelsea auch schon mit einem Elfmeterschießen beschäftigt. «Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich habe noch nicht einmal daran gedacht», bekannte der Keeper. Im Endspiel 2012 gegen die Londoner war Neuer auch mutig angetreten, hatte seinen Elfer eiskalt zum 3:1 verwandelt. Es war allerdings der letzte erfolgreiche Schuss der Bayern. Ivica Olic und Bastian Schweinsteiger versemmelten danach und sorgten für einen «großen Schock für alle», wie Ribéry erinnerte.

Während Jupp Heynckes höchstens die Auswahl seiner möglichen Elfmeterschützen Kopfzerbrechen bereitet, hat Trainer-Kollege Klopp ganz andere Sorgen. Ermutigender als die Situation bei Götze waren die jüngsten Fortschritte bei Hummels. Wird er nicht fit, wäre Málaga-Held Felipe Santana erste Wahl.

Favorit auf den Sieg waren schon vor dem Götze-Ausfall laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa die Münchner. 45 Prozent glauben an den Titelgewinn der Bayern. Nur ein Drittel der Bevölkerung traut Dortmund den Sieg zu. Daumen werden aber mehr für die Borussia gedrückt. 48 Prozent der deutschen Bevölkerung sympathisieren mit dem Außenseiter, 21 Prozent mögen den deutschen Rekordmeister lieber. Royale Unterstützung gibt es allerdings am Samstag nicht: Offiziell kommen weder die britische Queen Elizabeth II. oder ihr Mann Prinz Philip noch ihre fußballbegeisterten Enkel Prinz William oder Prinz Harry.